Gastbeitrag

Tipps für gutes Ausbildungsmarketing

Kleinere Betriebe haben immer größere Schwierigkeiten, die richtigen Bewerber für ihre Ausbildungsplätze zu finden und sie an sich zu binden. Expertin Sabine Bleumortier gibt Tipps, wie Ausbilder Abhilfe schaffen können. Von Sabine Bleumortier

29.07.2020 Bundesweit Artikel Bildungspraxis
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Tipp 1: Auf die  Zielgruppe einstellen Als Ausbildungsbetrieb ist es wichtig, dass Sie sich auf Ihre Zielgruppe einstellen und prüfen, was genau Sie ihr anbieten können, damit sie sich bei Ihnen wohlfühlt. Dazu müssen Sie Ihre Zielgruppe sehr gut kennen. Überlegen Sie: Was für Typen sind die Menschen, die Bäcker, Elektroniker oder Industriekaufmann werden möchten? Was gefällt ihnen? Wonach suchen sie? Was haben sie gemeinsam? Möchten Sie gezielt ältere Personen, Studienabbrecher, Auszubildende mit Migrationshintergrund ansprechen? Auf Ihre Wunschzielgruppe sollten Sie sich vorbereiten: Wenn Sie die Generation Z für Ihr Unternehmen gewinnen möchten, lesen Sie Studien, die sich mit den ab 1995 Geborenen beschäftigen. Empfehlenswert sind zum Beispiel die Shell Studie oder die Jugendmilieustudien des Sinus Institutes. Das Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB veröffentlicht regelmäßig Umfrageergebnisse über die Erwartungen und Wünsche junger Menschen. 

Aufgabe: Nehmen Sie sich jetzt Zeit und beschäftigen Sie sich mit Ihrer Zielgruppe. Schreiben Sie konkret auf, wer Ihre Zielgruppe in der betrieblichen Ausbildung ist und welche Wünsche und Erwartungen diese an Ausbildungsbetriebe hat.

Sabine Bleumortier ist seit 20 Jahren im Ausbildungsbereich tätig. Die selbstständige Beraterin, Trainerin und Rednerin hat sich ganz auf die Zielgruppen Ausbilder und Auszubildende spezialisiert

Tipp 2: Leuchten Sie Ihr Ausbildungsbetrieb gleicht einem Hafen und damit Auszubildende diesen Hafen finden und sich dieser von anderen abhebt, müssen Sie ihn beleuchten. Das symbolisiert ein Leuchtturm, der den Weg zum Hafen weist. Nur wenn Sie Ihrer Zielgruppe attraktiv erscheinen, der Leuchtturm also entsprechend leuchtet, machen Sie diese auf sich aufmerksam. Hier gilt es, alle Kontaktpunkte positiv zu gestalten. Die entscheidende Frage, die Sie sich hier stellen und beantworten sollten, ist: „Womit können wir leuchten?“. Was zieht Auszubildende zu Ihrem Unternehmen? Was ist das Besondere an Ihnen? Bei den Besonderheiten geht es weniger um Finanzielles und Anreize wie Tablets, Dienstwagen oder sonstige Goodies. Diese werden in der BIBB-Befragung „Zur Situation von Ausbildungsstellenbewerbern und -bewerberinnen“ von den Befragten als unwichtig betrachtet. Es sind die Ausbildungsbedingungen und die Ausbildungskonzepte, die überzeugen müssen. Sie sollten damit werben, was der Bewerber oder Auszubildende davon hat, bei Ihnen die Ausbildung zu absolvieren und im Unternehmen zu bleiben. Diesen Nutzen gilt es in allen Phasen der Ausbildung immer wieder darzustellen. Werben Sie aktiv mit Ihren guten Ausbildungsbedingungen, mit Ihrer Unternehmens-Vision und dem Leitbild der Ausbildung. Dann werden sie nicht nur Bewerber anlocken, sondern diese auch langfristig an sich binden.

Aufgabe: Er- oder überarbeiten Sie Ihr Ausbildungsleitbild, also die Punkte, die Sie von anderen unterscheiden oder mit denen Sie sich künftig abheben wollen. Formulieren Sie auch für sich die Gründe, warum gerade Sie der ideale Ausbildungsbetrieb sind.

Tipp 3: Planen Sie ein Budget ein Allen – auch den Vorgesetzten und der Geschäftsführung – muss klar sein, dass gute Ausbildung ein entsprechendes Budget benötigt. Nur mit einem guten Bindungsprogramm für die Ausbildung können Sie langfristig eine gute Beziehung zu potenziellen Bewerbern, Auszubildenden und Mitarbeitern aufbauen. Damit bilden Sie zudem Netzwerke, die Ihnen später wieder helfen. Sind Ihre Auszubildenden und Mitarbeiter begeistert, wird sich das herumsprechen. Das Image Ihres Unternehmens steigt. Langfristig können sich dadurch sogar die Kosten für Recruiting- oder Marketingmaßnahmen verringern. Mit solchen Argumenten können Sie Ihren Chef überzeugen.

Aufgabe: Nehmen Sie sich ein Blatt Papier und schreiben Sie auf, warum Sie sich mit dem Thema Bindung von Auszubildenden beschäftigen möchten. Notieren Sie sich auch Zahlen. Wie viele Auszubildende haben Sie in den letzten drei Jahren schon vor Ausbildungsbeginn verloren, wie viele während der Ausbildungszeit und wie viele nach der Ausbildung? Was waren die Gründe dafür? Was haben Sie jetzt schon für Ideen, wie Sie solche Situationen in Zukunft verhindern können? 

Tipp 4: Bleiben Sie ehrlich Stellen Sie sich vor, Sie sehen im Internet einen tollen Blazer. Er ist einfach perfekt. Sie kaufen ihn. Dann öffnen Sie das Paket und stellen fest: Der Blazer ist in Wirklichkeit von schlechter Qualität und die Farbe wirkt anders als im Onlineportal. Sie sind enttäuscht, schicken den Blazer zurück und werden Ihren Freunden und Bekannten schlechtes über diesen Shop berichten. So ist das auch mit den Erwartungen, die Sie im Ausbildungsmarketing bei Ihren Interessenten schüren. Wenn Sie ehrlich sind und zum Beispiel nur von Ausbildungsinhalten oder -events erzählen, die wirklich stattfinden, erweisen Sie sich als glaubwürdig und festigen so die Bindung an Ihre Auszubildenden. Sollten diese dagegen in der Ausbildung feststellen, dass ihnen Unwahres genannt und versprochen wurde, ist die Gefahr groß, dass diese Ihr Unternehmen wieder verlassen – wenn nicht schon während der Ausbildung, dann danach. Vermeiden Sie also geschönte und falsche Darstellungen des Unternehmens. 

Aufgabe: Reflektieren Sie: An welchen  Stellen können Sie im Ausbildungs marketing ehrlicher sein?

Tipp 5: Nutzen Sie Ihre Auszubildenden als Botschafter Ein Kontaktpunkt zu interessierten Schülerinnen und Schülern sind Ihre Auszubildenden. Fördern Sie, dass diese mit Ihren Bewerbern in Verbindung treten. Eine bessere Werbung als einen begeisterten Auszubildenden gibt es nicht. Auszubildende steigern die Glaubwürdigkeit auf jeder Bewerbermesse, dem Tag der offenen Tür oder auch während des Schnupperpraktikums. Messestände ohne Auszubildende am Stand sollten nicht mehr vorkommen. Auch in Stellenanzeigen können Sie Ihre Auszubildenden zu Wort kommen und Auszubildende selbst ihre eigenen Nachfolger suchen lassen. Sowohl für die Azubibotschafter als auch für Messeauftritte ist gute Vorbereitung wichtig: Botschafterprojekte werden zum Beispiel oft durch die Kammern unterstützt. Vor dem Messebesuch sollten Azubis auf typische Bewerberfragen vorbereitet werden und eine Einführung bekommen, wie sie sich am Messestand verhalten sollten.

Aufgabe: Auf welchen Veranstaltungen werden Sie verstärkt Auszubildende als Botschafter einsetzen? Wie bereiten Sie diese auf ihre Tätigkeit vor? 

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in: 
BILDUNGSPRAXIS – didacta Magazin für berufliche Bildung, Ausgabe 4/2019, S. 20-22, www.bildungspraxis.de


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