56.000 Euro für die Instandsetzung der sog. Ritterkapelle in Haßfurt

Für die Instandsetzung der Katholischen Wallfahrtskirche St. Maria, der sog. Ritterkapelle, in Haßfurt (Landkreis Haßberge, Regierungsbezirk Unterfranken) hat Kunstminister Thomas Goppel für das Jahr 2007 einen Zuschuss von 956.000 Euro aus dem Entschädigungsfonds für die Denkmalpflege bewilligt. Der Entschädigungsfonds wird gemeinsam vom Freistaat Bayern und den Kommunen getragen.

08.11.2007 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Die außerhalb der ummauerten mittelalterlichen Stadt liegende Marienkapelle in Haßfurt ist unter dem Namen "Ritterkapelle" in Fachkreisen überregional bekannt. Anstelle der vor dem Bamberger Tor gelegenen spätromanischen Pfarrkirche von Haßfurt errichtete man am Chor beginnend zwischen 1390 und 1465 eine große Kapelle als Stätte einer Marienwallfahrt. Unter Fürstbischof Julius Echter (1573 - 1617) erfuhr die Marienwallfahrt eine Wiederbelebung, nachdem das 1554 vorübergehend lutherisch gewordene Haßfurt zum alten Glauben zurückgekehrt war. Die Kapelle bedurfte damals einer ersten, umfassenden Restaurierung, die im nachgotischen Sinne ausgeführt wurde. Die einschneidendste Veränderung bedeutete für die Kapelle die "Restaurierung" unter dem Nürnberger Architekten Karl Alexander von Heideloff (1789 - 1865) in den Jahren 1859 bis 1864. Erklärtes Ziel dieses in Fachkreisen sehr umstrittenen Historikers war es, die spätgotische Kapelle zu einem Nationaldenkmal des Deutschen Adels und der Deutschen Einheit umzuwidmen. Heideloffs Pläne, die Kapelle mit einem mächtigen Turmpaar am Chor und einem basilikalen Langhaus zur Kathedrale auszubauen und dem Kölner Dom anzunähern, dessen Vervollständigung gleichzeitig vom Preußischen Königshaus betrieben wurde, scheiterten. Dennoch machte Heideloff die Ritterkapelle durch seinen schon damals heftig diskutierten Umbau, vor allem das Hinzufügen der von ihm entworfenen Bauornamentik, zu einer Inkunabel der politischen Neugotik in Deutschland. Für den Rest seines Lebens blieb der Nürnberger Architekt der Ritterkapelle eng verbunden und ist hinter dem Chor auch begraben. Schon die Generation nach Heideloff machte nach 1884 die neugotische Interpretation teilweise wieder rückgängig, die Zeit nach 1945 entfernte schließlich einen Teil der von Heideloff entworfenen Ausstattung der Kirche.

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege war bei Konzeption und Planung beratend tätig und wird die Maßnahme denkmalfachlich betreuen.


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