Annegret Kramp-Karrenbauer neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz

Am heutigen Mittwoch übernahm bei einer Festveranstaltung im Bundesrat in Berlin Annegret Kramp-Karrenbauer die Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz 2008. Die saarländische Ministerin für Bildung, Familie, Frauen und Kultur folgt auf den Berliner Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner. "Ich danke dem Kollegen Zöllner ganz herzlich für seine Arbeit im vergangenen Jahr an der Spitze der Kultusministerkonferenz", erklärte Kramp-Karrenbauer. Sie werde den eingeschlagenen Reformkurs zur Qualitätsentwicklung im Bildungsbereich nachhaltig unterstützen und die Diskussionen um die Themen wie PISA, IGLU oder die zentralen Bildungsstandards konsequent weiterführen.

16.01.2008 Pressemeldung Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder
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Als Schwerpunkte ihrer Präsidentschaft nannte Kramp-Karrenbauer die frühkindliche und berufliche Bildung. "Hier wird das Saarland in enger Abstimmung mit den beiden folgenden Kultusministerkonferenz-Vorsitzländern Mecklenburg-Vorpommern und Bayern von 2008-2010 mit einer gemeinsamen Strategie langfristige und nachhaltige Akzente anstoßen. Denn gute Bildungspolitik erfordert einen langen Atem und Konzepte über jährliche Präsidentschaften hinaus", so die Präsidentin. Die Föderalismusreform habe die Verantwortlichkeiten im Bildungsbereich klar definiert, die Kultusministerkonferenz müsse in ihren Entscheidungen die erforderliche Balance zwischen den wettbewerblich bestimmten eigenen Lösungen der Länder und ihrer gesamtstaatlichen Verantwortung übernehmen. "Alle Bildungsbereiche stehen unter dem Anspruch der Qualitätsentwicklung und sind durchdrungen vom gemeinsamen Bemühen um mehr Bildungsgerechtigkeit, Durchlässigkeit und Integration in Schule und Hochschule", sagte Kramp-Karrenbauer.

Für den Bereich der frühkindlichen Bildung kündigte die Präsidentin eine enge Zusammenarbeit mit den anderen betroffenen Fachkonferenzen an. "Ich werde mich dafür einsetzen, die Zusammenarbeit zwischen der Familien-, Jugend- und Bildungspolitik weiter zu intensivieren", erklärte Kramp-Karrenbauer. Gerade unter dem Gesichtspunkt der Bildungsgerechtigkeit soll jedes Kind in Kindertagesstätten und Schule optimal gefördert werden. "Das Beherrschen der deutschen Sprache, die Lernmotivation und die Konzentrationsfähigkeit sind dabei von zentraler Bedeutung", betonte die Präsidentin. "Eine moderne Bildungsgesellschaft kann es nicht akzeptieren, dass soziale Benachteiligung von Generation zu Generation übernommen wird. Dort, wo Eltern die notwendige Unterstützung und Förderung ihrer Kinder nicht leisten können, müssen wir deshalb ganz gezielt dafür sorgen, dass auch diese Schülerinnen und Schüler die Schule erfolgreich abschließen", forderte Kramp-Karrenbauer. Eine verstärkte Kooperation zwischen Kindergarten/ Kindertagesstätte mit der Grundschule, ein zumindest letztes beitragsfreies Kindergartenjahr, vermehrte Ganztagsangebote und individuelle Förderangebote bezeichnete die Präsidentin als einige der geeigneten Instrumente auf diesem Weg.

Als ein zweites Schwerpunktthema nannte die Präsidentin die berufliche Bildung. "Wir haben in den Vollzeitberufsschulen mittlerweile so umfassende Möglichkeiten, allgemeine Schulabschlüsse zu erreichen, dass das gemeinsam mit der Frage der Durchlässigkeit ein ganz wichtiger Punkt bei der Bildungsgerechtigkeit ist", so Kramp-Karrenbauer. "Das Schulsystem muss den Wechsel von einem Bildungsweg zum anderen erlauben, eine Berufsausbildung darf nicht zu einer Sackgasse werden. Im Rahmen einer Berufsausbildung muss vielmehr auch die Möglichkeit gegeben sein, einen allgemeinen Abschluss erreichen zu können, der den Weg in ein Studium öffnet. Diese Möglichkeiten müssen wir noch deutlicher im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankern", so die Präsidentin.

Gelegenheit dazu wird der zweite Nationale Bildungsbericht geben, der im Sommer 2008 vorgestellt wird, und sich mit den Übergängen von der Schule in die Berufsbildung, die Hochschulbildung und den Arbeitsmarkt befassen wird.

Präsident 2007 zieht Bilanz Der Berliner Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner zog eine insgesamt positive Bilanz des Präsidentschaftsjahres 2007. Zufrieden zeigte sich Senator Zöllner auch darüber, dass die von ihm angestoßenen Themen, wie "Integration als Chance" und "Qualitätsoffensive exzellente Lehre", aufgegriffen wurden. So hat die Kultusministerkonferenz mit den großen Migrantenverbänden eine gemeinsame Erklärung zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund insbesondere durch eine Intensivierung der Elternarbeit beschlossen. "Mehr Chancengerechtigkeit zu erreichen, ist und bleibt die große Herausforderung für unser Bildungssystem. Wir dürfen keine Begabungspotenziale verschenken. Die Förderung und Unterstützung der Schülerinnen und Schüler durch ihre Eltern spielt dabei eine zentrale Rolle. Die gemeinsame Erklärung von Kultusministerkonferenz und Migrantenverbänden ist eine ausgezeichnete Grundlage, die Eltern mit Migrationshintergrund noch stärker in den Bildungsprozess ihrer Kinder einzubinden."

Gemeinsam mit dem Stifterverband für die deutsche Wissenschaft bereitet die Kultusministerkonferenz derzeit das Konzept für eine "Qualitätsoffensive exzellente Lehre" vor. "Wir wollen damit den Stellenwert der Lehre hervorheben und zugleich die Attraktivität deutscher Hochschulen auch im internationalen Wettbewerb stärken", so Senator Zöllner. Die gemeinsame Initiative soll im ersten Halbjahr 2008 präsentiert werden.

Im Schulbereich wurde die Einführung von Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife beschlossen. Bildungsstandards sind zunächst in den Fächern Deutsch, Mathematik und erste Fremdsprache (Englisch/Französisch) geplant, ferner für die naturwissenschaftlichen Fächer (Biologie, Chemie, Physik). Sie sollen bereits für die Schülerinnen und Schüler eingeführt werden, die zum Schuljahr 2010/2011 in die Qualifikationsphase eintreten. Zudem hat sich die Kultusministerkonferenz auf einen Handlungsrahmen zur Verringerung, möglichst Halbierung der Zahl der Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss verständigt. Der Handlungsrahmen enthält konkrete Maßnahmen, wie dieses Ziel erreicht werden soll.

In der Hochschulpolitik wurde mit der Einführung der Systemakkreditierung das bewährte Verfahren der Qualitätsüberprüfung einzelner Bachelor- und Masterstudiengänge ergänzt. Mit der Systemakkreditierung können Hochschulen ab diesem Jahr das Qualitätssicherungssystem von Studium und Lehre der gesamten Hochschule überprüfen lassen und damit den Verfahrensaufwand erheblich reduzieren.

Zudem wurde die Umstellung der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen in eine Serviceeinrichtung beschlossen. In der Reform der Lehrerausbildung haben sich die Länder auf die gegenseitige Anerkennung der Bachelor- und Masterabschlüsse verständigen können.


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