Thüringen

Die GEW Thüringen behauptet sich mit den Ergebnissen der 7. Landesvertreterversammlung als Zukunftsgewerkschaft

Am vergangenen Wochenende (17. - 19.9.2010) tagte die Landesvertreterversammlung der GEW Thüringen im Geraer Novotel. Insgesamt 117 Delegierte stimmten über satzungsändernde und bildungspolitische Anträge ab. Ebenso fanden die Wahlen zum Geschäftsführenden Vorstand statt.

20.09.2010 Pressemeldung GEW Thüringen

Auf Initiative der Jungen GEW stellten Delegierte aufgrund des tz-Artikels von Kathrin Vitzthum und der darauffolgenden Berichterstattung der Thüringer Medien einen Dringlichkeitsantrag zum Thema "Rassismus in Thüringer Lehrplänen". Darin fordert die GEW Thüringen das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur auf, die schulische Vermittlung des Rassebegriffs umgehend zu unterbinden. Auch Bücher und andere Lehrwerke, die Rassismus als Prinzip enthielten, sollen den Schulen nicht mehr empfohlen und im Unterricht keine Verwendung mehr finden. Mit der Annahme des Antrages, der eine spannende Debatte vorausging, ruft die GEW Thüringen zudem alle im Bildungssystem Tätigen auf, sich Rassismus in jedweder Form entgegen zu stellen.

Bezogen auf die Thüringer Gemeinschaftsschulen (TGS) fordert die GEW Thüringen die Landesregierung, insbesondere das Innen- und Finanzministerium auf, das Lehramt "Lehrer an Gemeinschaftsschulen" in die Laufbahn des höheren Dienstes mit Eingangsamt A 13 (Studienratslaufbahn) aufzunehmen und die zukünftigen Lehrer/innen an den TGS entsprechend einzustufen. Die Lehrer/innen an den TGS, die im Angestelltenverhältnis beschäftigt sind, sind analog in die E 13 einzugruppieren, da für diese das Beamtenrecht anzuwenden ist. Auch die Vertretung nach dem Thüringer Personalvertretungsrecht muss umgehend geregelt werden.

Intensive Diskussionen gab es zum Thema Gemeinsamer Unterricht. Nach dem Thüringer Förderschulgesetz sollen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, soweit möglich, in der der Grundschule, in den zum Haupt- und Realschulabschluss, zum Abitur oder in zu den Abschlüssen der berufsbildenden Schulen unterrichtet werden. Die GEW Thüringen begrüßt die Bestrebungen zur inklusiven Bildung, sieht aber große Schwierigkeiten in der Umsetzung. "Gemeinsamer Unterricht heißt für Kinder mit Förderbedarf zur Zeit, statt 35 Stunden Förderunterricht nur noch 2 bis drei Stunden Förderunterricht in der Grundschule zu erhalten", so ein betroffener Kollege. Die Kolleginnen und Kollegen in den Schulen seien teilweise überfordert, weil einerseits die sonderpädagogische Qualifizierung fehle, andererseits die räumliche, zeitliche und sächliche Ausstattung an den Schulen überhaupt nicht auf die damit verbundenen Herausforderungen ausgerichtet sei. "Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf dürfen nicht für dieses grundsätzlich zu begrüßende pädagogische Prinzip der Inklusion bestraft werden, weil die Bedingungen an den Schulen nicht stimmen", so der Vorsitzende Torsten Wolf. Die LVV beschloss daher zehn Gelingensbedingungen für die erfolgreiche Einführung des Gemeinsamen Unterrichts, darunter u.a. die Einführung neuer Varianten der Arbeitszeitgestaltung, Begleitung, Unterstützung und Fortbildung in der Integrationspädagogik, zusätzliche Klassen-, Beratungs- und weitere Räume, angemessene Klassenstärken, um Schülerinnen und Schüler bedarfsgerecht zu integrieren. Zudem muss Inklusion verstärkt zum Ausbildungsinhalt bei Lehrer/innen, sonderpädagogischen Fachkräften und Erzieher/innen werden.

Die Delegierten haben ein Hochschulpolitisches Programm beschlossen und die GEW Thüringen mit dessen Durchsetzung beauftragt. Kernpunkte sind die Steigerung des Anteils von Hochschulabsolventen sowie Öffnung der Hochschulen auch für Absolvent/innen der beruflichen Bildung, eine am wachsenden Bedarf orientierte öffentliche Finanzierung der Hochschulen und damit verbunden der bedingungslos gebührenfreie Zugang zur Bildung in allen Stufen. Die GEW Thüringen lehnt die staatliche Detailsteuerung der Hochschulen ab, sie tritt vielmehr für eine transparente Aufgabenteilung zwischen Hochschulen, Freistaat und Gesellschaft ein. Damit soll die Hochschulautonomie im Zusammenspiel mit der staatlichen und gesellschaftlichen Verantwortung gestärkt werden. Dazu gehört auch, die Selbstverwaltung der Hochschulen zu reformieren und die Redemokratisierung der Hochschulen in Gang zu setzen.

Die Landesvertreterversammlung hat ihre Ansprüche an die Ausbildung Thüringer Pädagog/innen beraten und mehrheitlich beschlossen, eine gemeinsame Ausbildung von Pädagog/innen für den frühkindlichen bis zum berufsschulischen Bereich zu fordern. Dieses zukunftsträchtige Modell mit einer gemeinsamen bildungswissenschaftlichen Orientierungsphase soll die angehenden Pädagog/innen zu mehr Verständnis und Kompetenzen im Umgang mit altersspezifischen Lern- und Verhaltensweisen führen. Gerade im frühkindlichen Bereich muss eine grundständige Hochschulausbildung umgesetzt werden. Einerseits, weil diese Phase kindlichen Lernens besonders wichtig ist, andererseits weil nur dadurch ein gelingender Übergang in die Grundschule möglich wird. Die universitäre Ausbildung aller zukünftigen Lehrkräfte muss gleich lang und gleichwertig werden. Die GEW Thüringen stellt sich damit ganz klar gegen den Standpunkt "Kleine Kinder - kleines Studium, große Kinder - großes Studium".

Beraten wurden auch die Vorbereitungen der Tarifrunde 2011. Nachdem die Bundestarifkommission die Fortsetzung der Verhandlungen zur Länder-Entgeltordnung (L-EGO) beschlossen hat, muss auch in Thüringen die Eingruppierung der von Lehrkräften verstärkt diskutiert werden. Dazu wird die GEW Thüringen Anfang November Funktionärs- und Personalrätekonferenzen durchführen. Für das Jahr 2011 werden intensive Verhandlungen erwartet. Die GEW Thüringen bereitet sich in den Konferenzen auch auf mögliche Streikaktionen vor.

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