Erster Hamburger Bildungsbericht veröffentlicht

Der heute veröffentlichte erste Hamburger Bildungsbericht, erstellt vom Institut für Bildungsmonitoring der Behörde für Schule und Berufsbildung, gibt zum ersten Mal einen umfassenden Überblick über Bedingungen und Ergebnisse des hamburgischen Bildungswesens. Auf der Grundlage von Indikatoren geben die Autorinnen und Autoren einen Überblick über Strukturen des Hamburger Bildungssystems und analysieren Rahmenbedingungen, Angebote und ihre Nutzung sowie Ergebnisse in unterschiedlichen Bildungsbereichen.

14.07.2009 Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)

"Für den Schulbereich ist der Bildungsbericht eine wichtige Bestandsaufnahme vor der Umsetzung der Schulreform. Die Bildungsberichterstattung wird uns kontinuierlich und transparent über Ergebnisse der ergriffenen Maßnahmen informieren", sagt Christa Goetsch, Senatorin für Schule und Berufsbildung. Der Bildungsbericht macht insbesondere ein zentrales Problem deutlich sichtbar, auf das mit der Schulreform reagiert wird: die soziale Ungleichheit im hamburgischen Bildungswesen. Dies betrifft insbesondere die hohe Abhängigkeit von Bildungsabschlüssen von der sozialen Herkunft und die regionalen Unterschiede.

Im Folgenden einige ausgewählte Daten:

  • Hamburg wächst und wird älter. Der in Deutschland zu beobachtende Rückgang der Bevölkerungszahlen wird in Hamburg durch Zuwanderung insbesondere von Erwachsenen abgeschwächt, die das Bildungssystem bereits verlassen haben. Die Schülerzahlen bleiben voraussichtlich bis 2020 insgesamt stabil. Allerdings ist die Entwicklung in den Altersgruppen unterschiedlich: Man erwartet einen leichten Rückgang bei Kindern unter drei Jahren und im Kindergartenalter, einen leichten Anstieg bei Kindern von sechs bis unter zehn Jahren, stabile Zahlen in der Gruppe der 10- bis unter 16-Jährigen sowie einen Rückgang um mehr als 10 Prozent bei der Gruppe der 16- bis unter 20-Jährigen.
  • Hamburg hat die Mittel für die Kindertagesbetreuung bei kontinuierlichem Anstieg der Zahl betreuter Kinder erheblich gesteigert (von 296 Millionen Euro im Jahr 2002 auf 411 Millionen Euro im Jahr 2008). Zum 31.08.2008 boten im Rahmen des nachfrageorientierten Kita-Gutschein-Systems 897 Kitas ihre Leistungen an.
  • Die Verteilung der sozialen Lagen von Hamburger Kindern und Jugendlichen auf das Stadtgebiet offenbart deutliche Unterschiede zwischen Stadtteilen: In der Region von Rissen bis Ottensen, von Eppendorf bis Rotherbaum, von Duvenstedt und Wohldorf-Ohlstedt bis Wellingsbüttel und schließlich von Kirchwerder und Neuen­gamme bis Tatenberg und Spadenland sind günstige sozio-ökonomische Bedingungen festzustellen. Insbesondere in Teilen von Osdorf, Lurup und Langenhorn, in einer größeren zentralen Region um Altona, die Altstadt und Hamm, in der Region um Dulsberg und Wandsbek, ferner im Osten in der Region mit den Stadtteilen Allermöhe und Lohbrügge und im Süden mit Neugraben-Fischbek und Hausbruch sowie Harburg konzentrieren sich soziale Bedingungen, die deutlich nachteilig für erfolgreiche Bildungsprozesse sind.
  • Das Durchschnittsalter der aktiven Lehrkräfte sinkt (z. Zt. 48,1 Jahre), im berufsbildenden Bereich liegt das Durchschnittsalter bei 50,8 Jahre, dabei sind 44,8 Prozent der Lehrkräfte älter als 55 Jahre.
  • Ganztagsschulische Angebote sind – unterstützt durch das 2003 aufgelegte Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" – sprunghaft angestiegen und zwar im staatlichen allgemeinbildenden Bereich von 37 Standorten (9,9 Prozent) im Schuljahr 2003/04 auf 148 Standorte (43,3 Prozent) im Schuljahr 2008/09.
  • Kinder und Jugendliche aus zugewanderten Familien haben mit erheblichen Problemen zu kämpfen: Sie haben, auch wenn sie in Deutschland geboren sind, nicht nur überdurchschnittlich häufig einen besonders ausgeprägten Sprachförderbedarf. Im Vergleich zu ihrem Anteil an allen Schülerinnen und Schülern besuchen sie auch eher Schulformen, die zu niedrigeren Abschlüssen führen, und Förderschulen, wiederholen häufiger eine Jahrgangsstufe, verlassen die Schule häufiger ohne Abschluss, schneiden bei Schulleistungstests in Mittel schlechter ab oder befinden sich eher in Maßnahmen des beruflichen Übergangssystems.
  • Mädchen bzw. junge Frauen erweisen sich im allgemeinbildenden Schulbereich als erfolgreich: Im Vergleich zu ihren männlichen Altersgenossen werden sie häufiger vorzeitig und seltener in Förderschulen eingeschult, wiederholen seltener eine Jahrgangsstufe, zeigen bessere Leseleistungen und halbieren inzwischen den Leistungsrückstand in Mathematiktests gegenüber Jungen.
  • Bei den Abschlüssen in allgemeinbildenden Schulen steigt der Anteil der Schulabgänger mit allgemeiner Hochschulreife (39,1 Prozent in 2008). Der Anteil der Schülerinnen und Schüler ohne Hauptschulabschluss sinkt, ist aber mit 8,2 Prozent im Jahre 2008 nach wie vor recht hoch. Im berufsbildenden Bereich verlassen zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler die Berufsvorbereitungsschule ohne Abschluss. Dagegen gibt es in den höher qualifizierenden beruflichen Bildungsgängen hohe Abschlussquoten, auch die Bestehensquote der Schülerinnen und Schüler in der dualen Berufsausbildung bleibt konstant hoch (87 - 89 Prozent).
  • An 41 staatlichen Hamburger Berufsschulen werden insgesamt 235 Berufe bzw. berufliche Fachrichtungen unterrichtet. Seit 2004 steigt die Zahl der Teilnehmenden in dualen beruflichen Bildungsprogrammen auf gut 39.000 im Schuljahr 2008/09. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist allerdings stark von wirtschaftlichen Rahmendaten abhängig.
  • In Hamburg gibt es 17 staatliche und staatlich anerkannte Hochschulen sowie eine staatlich anerkannte Berufsakademie. Von den 18 Einrichtungen befinden sich acht in Trägerschaft des Landes und acht in freier Trägerschaft. Zwei weitere werden vom Bundesministerium für Verteidigung bzw. der Evangelischen Kirche getragen. An den Hamburger Hochschulen gibt es insgesamt rund 69.000 Studierende, davon ca. 55.000 an den staatlichen Hamburger Hochschulen. Die Hamburger Hochschulen bieten über 300 Studiengänge an. Bis auf wenige Studiengänge mit dem Abschluss Staatsexamen (insbesondere Jura, Medizin, Pharmazie und Theologie) sind alle Studiengänge auf die neue Bachelor-Master-Struktur mit dreijährigem (an den beiden künstlerischen Hochschulen vierjährigem) Bachelor- und zweijährigem Master-Studium umgestellt.

Bei der Erarbeitung des Bildungsberichts hat sich auch gezeigt, wie unterschiedlich bisher die Datenbasis in vielen Bereichen des Bildungswesens ist. Bereits die Anforderung, verlässlich in Zeitreihen berichten zu können, stößt auf große Schwierigkeiten. Der Bildungsbericht ist deshalb ein erster Schritt, die empirischen Grundlagen des Wissens über das Bildungswesen mittelfristig deutlich zu verbessern.

Der Bericht steht auch als Download zur Verfügung unter: www.schulreform.hamburg.de


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