Alphabetisierung

Experten-Kongress fordert Einsatz von Fachkräften für Alphabetisierung

In der Abschlusserklärung eines Experten-Kongresses mit 80 Wissenschaftlern und Pädagogen in Münster heißt es: "Die Sicherung einer tragfähigen Lese- und Schreibkompetenz ist zentrale Aufgabe aller Bildungseinrichtungen." Hierzu bedürfe es einer qualifizierten Erstausbildung für Lehrer und der Weiterqualifizierung von Lehrern und Schulsozialpädagogen zu "Fachkräften für Alphabetisierung und Grundbildung", die sich im Rahmen von Einzel- und Kleingruppen-Förderung um den Abbau von Lese- und Schreibschwächen schon in den Schulen bemühen.

24.11.2010 Pressemeldung Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.

Zu dem Kongress hatte der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung (BVAG) e.V. und das Verbundprojekt PROFESS am 25./26. Juni eingeladen. Die Gäste des Kongresses fordern jetzt die Kultusministerkonferenz (KMK) und die Bundestagsfraktionen der Parteien auf, sich für eine entsprechende finanzielle Ausstattung der Grund-, Haupt- und Berufsschulen einzusetzen, damit Lehrer weiterqualifiziert oder entsprechende Fachkräfte eingestellt werden können.

Jugendliche ohne Hauptschulabschluss

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung "Jugendliche ohne Hauptschulabschluss" vom 08. Oktober belegt erneut: 7,5 % der jugendlichen Schulabgänger verlassen die Schule ohne Hauptschulabschluss. Sie sind besonders häufig und lebenslang von Arbeitslosigkeit und Armut bedroht. Besonders betroffen sind junge Männer und Jugendliche mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Eine Vielzahl von älteren Studien zeigt: ein hoher Anteil dieser Jugendliche hatte schon in den ersten beiden Klassen der Grundschule erhebliche Defizite im Lese und Schreiben. Wenn Jugendliche ohne Hauptschulabschluss die Schule verlassen, sind sie häufig von funktionalem Analphabetismus bedroht. Diese Bildungsdefizite im Erwachsenenalter zu kompensieren, ist für die Betroffenen mühsam – und für die Gesellschaft teuer.

Master-Studiengang qualifiziert Fachkräfte für "Alphabetisierung und Grundbildung"

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hatte den Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. beauftragt, die Entwicklungsarbeit von Hochschulen in Weingarten, Siegen, Schwäbisch Gmünd, Dresden, Münster und Bremen für einen berufsbegleitenden Master-Studiengang "Alphabetisierung und Grundbildung" zu koordinieren.

Die Pädagogische Hochschule Weingarten (BaWü) bietet den Master in diesem Wintersemester bereits zum zweiten Mal an. Lehrer, aber auch Schulsozialpädagogen und Kursleiter an Volkshochschulen können sich in zwei Jahren zu Fachkräften für "Alphabetisierung und Grundbildung" weiterbilden.

Zu den Befürwortern der Erklärung gehören der bekannte Grundschul-Pädagoge Prof. Hans Brügelmann, Birgid Oertel, Referentin für Individuelle Förderung im Hessischen Kultusministerium, Dr. Susanne Pacher, Direktorin im Regierungspräsidium Tübingen als Vertreterin des Kultusministeriums Baden-Württemberg und Patrick Meinhardt (FDP), MdB, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, sowie die Studienleiterin an der PH Weingarten, Prof. Dr. Cordula Löffler.

Abschlusserkärung im Wortlaut (PDF): www.profess-projekt.de/fileadmin/webdata/Erklaerung_PROFESS-Fachtagung_06-07-2010_01.pdf

Weitere Informationen:

Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung (BVAG) e.V.: www.alphabetisierung.de

Informationen zum Master-Studiengang der PH Weingarten: www.ph-weingarten.de/stag/

Studie der Bertelsmann Stiftung: www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-0D7EB4B9-CFA3CBE7/bst/xcms_bst_dms_32343_32344_2.pdf


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