Integrationspolitik

Flüchtlinge haben absoluten Vorrang

Die Bildungsträger unterstützen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Neue Lehrerstellen für Integrationskurse und bessere Planungssicherheit haben aber ihren Preis.

10.09.2015 Pressemeldung Bundesverband der Träger beruflicher Bildung e.V. (BBB)

Zwar hat sich die vom Finanzminister im Nachtragshaushalt gesetzte absolute Priorität für Flüchtlinge in den Bundesämtern längst herumgesprochen, aber wie sie in der Praxis aussehen soll, leider noch nicht.

Das zeigte sich auch in einem Gespräch, das dieser Tage im Büro der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung in Berlin mit den Verbandsvertretern des Bündnisses zur Verbesserung der Sprach- und Integrationskurse aus Bildungsverband (BBB), Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Deutschem Volkshochschulverband (dvv) geführt wurde. Die Verbandsvertreter wurden mit ihrem Anliegen, die Integrationskurse für Flüchtlinge den veränderten gesellschaftlichen Erfordernissen strukturell anzupassen und die Lehrerhonorare zu erhöhen, mit dem Hinweis auf andere Zuständigkeiten vertröstet.

Wie es scheint, wartet alles auf den Flüchtlingsgipfel im Bundeskanzleramt am 24. September, auf dem Bund und Länder Einzelheiten besprechen werden. Auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka nannte auf ihrer jüngsten Pressekonferenz mit Blick auf den Gipfel keine Details auf die Frage, wie die zusätzlichen drei Milliarden Euro des Bundes verteilt werden sollen.

"Um die aktuellen Herausforderungen stemmen zu können, brauchen wir klare politische Rahmenbedingungen und mehr finanzielle Hilfen vor allem für Bildungsträger, die einen Großteil zur Integration beitragen", sagte der Vorstandsvorsitzende des BBB, Thiemo Fojkar, heute in Berlin. "Es müssen tausende von Lehrerstellen neu besetzt werden, allein um die Integrationsklassen aufrecht zu erhalten und ausbauen zu können. Eine enorme Verantwortung, die da auf uns alle zukommt."

Wenn die Bedingungen für Träger und deren Personal nicht verbessert werden - derzeit bekommt ein Lehrer in einem Integrationskurs zwischen 800 bis 1200 Euro Honorar - dann ist zu befürchten, dass Lehrkräfte, die dringend gebraucht werden, zunehmend in attraktivere Arbeitsfelder abwandern und zusätzliche Stellen nicht besetzt werden können.

"Deshalb muss trotz aller aktuellen Anforderungen mit Hochdruck bereits jetzt an einer Strukturreform der Integrationskurse mit verbesserten Rahmenbedingen und besserer Bezahlung der Lehrkräfte gearbeitet werden. Wir fordern ein Mindesthonorar von rund 30 Euro pro Stunde. Wenn alle guten Willens sind, könnte das eine Entscheidung des Gipfels sein", so Fojkar.


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