Strukturreformen der Schule sind unabdingbar

Gegen Diskriminierung und Desintegration von Migranten und Einheimischen

Die gesellschaftliche Integration ist die größte innenpolitische Herausforderung. Es handelt sich um die doppelte Aufgabe, sowohl die Migranten als auch die Einheimischen in eine sich wandelnde Gesellschaft einzubinden.

02.06.2016 Bundesweit Artikel Joachim Lohmann
  • © www.pixabay.de

Ohne eine effektive Integration ist Deutschland von Hass, Gewalt und selbst Terrorismus bedroht – und das von zwei Seiten:

  • von Migranten, die aussteigen, weil sie sich beruflich oder sozial diskriminiert fühlen. Zunehmende Konflikte um unsere liberale und demokratische Gesellschaftsordnung sind eine Gefahr - wie in anderen Staaten. Ohne überzeugende Gegenmaßnahmen wird die Zahl der wenigen, aber höchst gefährlichen Personen zunehmen, die sich von der westlichen Kultur, Staats- und Gesellschaftsordnung abwenden und ihr Heil in Vorbildern wie in Al-Qaida oder im islamischen Staat suchen.
  • von den Einheimischen, die sich vor der Globalisierung und vor der Zuwanderung ängstigen und zu Hass, ja zu Gewalt aufrufen und im Extremfall - wie bei der NSU - zu Terror bereit sind.

Nicht die innere Sicherheit – also Polizei, Nachrichtendienste und Staatsanwaltschaften - ist am stärksten gefordert. Um unsere freie und demokratische Gesellschaft zu erhalten, reichen nicht Abschreckung und Ermittlungen, vielmehr ist vor allem Integration gefragt, und sie ist eine langfristige Erziehungsaufgabe. Sie bleibt bestehen, selbst wenn der Flüchtlingsstrom versiegen sollte. Die erzieherische Hauptaufgabe ist, Ängste und Vorbehalte abzubauen, Verständnis untereinander zu entwickeln, neue Sympathien für Hass und Gewalt zu verringern und bestehende Sympathisantenszenen auszutrocknen. Dies ist vor allem die Aufgabe des Bildungswesens. Vornehmlich die Jugend ist gefährdet, so dass im Vordergrund ein gerechtes und für Zuwanderer wie Einheimische integratives Schul- und Ausbildungswesen stehen muss.

Am meisten kann das Bildungswesen aus internationalen Gegenüberstellungen lernen. Die folgenden Ausführungen vergleichen vor allem die Integrationsleistungen der OECD-Staaten und gehen auf Studien der OECD zurück. Diese hat die Daten von PISA und anderen Erhebungen für vergleichende Analysen der schulischen Situation der Migranten genutzt. Sie benutzte Daten zu den Einstellungen der handelnden Personen, dem Schulklima und den schulischen Strukturen. Die Folgen, welche die OECD aus ihren Analysen zieht, sind vornehmlich strukturell.

Die von der OECD genutzten Daten beziehen sich zumeist auf 15-Jährige mit Migrationshintergrund1 der 1. und 2. Generation im Jahre 2012. Durch die Flüchtlingsbewegung, welche inzwischen auch stark OECD-Staaten wie auch Deutschland erreicht, verändert sich die Zusammensetzung von Migranten in der OECD wie auch in Deutschland. So war in Deutschland noch vor zwei Jahren der Anteil von Flüchtlingen unter den Einwanderern sehr niedrig, im Jahr 2015 war die Hälfte der Einwanderer Flüchtlinge. Entsprechend hat sich die ethnische Zusammensetzung der Zuwanderer deutlich verschoben: ein Großteil von ihnen kommt inzwischen aus den arabischen bzw. islamischen Ländern.

Kritisch ist, dass wir über den sozialen und Bildungsstatus der Flüchtlinge wenig wissen. Ziemlich sicher scheint zu sein, dass die Flüchtlinge das deutsche Bildungswesen stärker herausfordern als die Zuwanderer früher. Das liegt einerseits daran, dass das Bildungswesen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge eher schwächer entwickelt ist und dass sich andererseits diese Länder zum großen Teil im Krieg bzw. Bürgerkrieg befinden, was ihr Bildungswesen zumeist stark beeinträchtigt.

Hier weiterlesen


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden