KMK und BMK

Gemeinsamer Appell von Kulturstaatsministerin Grütters und Kultusministerkonferenz gegen den illegalen Handel mit Kulturgut

Die Kultusministerkonferenz und Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters appellieren gemeinsam an alle Akteure, die gewerblich oder privat Kulturgüter erwerben, sammeln oder damit Handel treiben, besonders umsichtig und sorgfältig im Umgang und Handel mit Kulturgut, insbesondere mit Kulturgut aus Krisenregionen zu sein.

11.12.2014 Pressemeldung Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder

"Die aktuellen politischen Krisensituationen und bewaffneten Konflikte, vor allem im Nahen und Mittleren Osten, sind verbunden mit der anhaltenden Zerstörung, Plünderung und illegalen Ausfuhr wertvoller Kulturgüter und führen uns vor Augen, wie fragil das kulturelle Erbe der Menschheit ist. Die weitreichenden Zerstörungen archäologischer Stätten und Kulturdenkmale, die Raubgrabungen und Plünderungen von Museen sowie die illegale Ausfuhr von Kulturgütern, wie zum Beispiel aus dem Irak und aus Syrien, lösen große Betroffenheit aus und werden von den Unterzeichnern auf das Schärfste verurteilt", heißt es in dem Appell.

"Bilder, Bücher, Kunst und vieles mehr sind wichtige historische Zeugnisse und kulturelle Identität einer Nation, Region oder Bevölkerungsgruppe. Die Zerstörung solcher Kulturgüter und kulturellen Einrichtungen vernichtet nicht nur Identitäten, sondern das von uns allen zu bewahrende kulturelle Erbe der Menschheit", sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters betonte: "Raubgrabungen und der illegale Handel mit Kulturgut gefährden massiv unser aller kulturelles Erbe. Es werden nicht nur einzelne nationale oder ethnisch relevante Kontexte zerstört, sondern hier wird das Gedächtnis der Menschheit beschädigt. Dies ist besonders dramatisch in aktuellen Krisensituationen. Raubgrabungen sind aber ein generelles weltweites Problem. Es ist unsere Aufgabe, das Bewusstsein für dieses Unrecht und für diese Art der Kriminalität zu schärfen und verantwortungsvolles Handeln einzufordern. Dies ist das Anliegen des Gemeinsamen Appells, es ist die Intention der heute und morgen in Berlin stattfindenden internationalen Tagung "Kulturgut in Gefahr: Raubgrabungen und illegaler Handel", und es ist das Ziel der Novellierung des Kulturgutschutzgesetzes in Deutschland. Mehr Transparenz und Klarheit beim Erwerb von Kulturgut sind essentiell und daher auch im Interesse des deutschen Kunsthandels."

Kulturstaatsministerin Grütters und die Kultusministerkonferenz fordern daher alle Akteure auf:

  • das UNESCO-Übereinkommen vom 14. November 1970 über Maßnahmen zum Verbot und zur Verhütung der rechtswidrigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut zu beachten,

  • das strafbewehrte EU-Verbot der Ein- und Ausfuhr sowie des Handels mit Kulturgut aus Syrien nach Verordnung (EU) Nr. 1332/2013 vom 13. Dezember 2013 sowie aus dem Irak nach Verordnung (EG) Nr. 1210/2003 vom 7. Juli 2003 einzuhalten,

  • Kulturgut nur mit hinreichenden und glaubhaften Angaben und Nachweisen zu Provenienz und Herkunft zu erwerben, zu handeln oder zu versteigern,

  • den UNESCO-Ethikkodex für Kunsthändler von 1999 sowie die zahlreichen Selbstverpflichtungen und Verhaltenskodizes des Kunsthandels- und Versteigerungsgewerbes, die den Handel mit gestohlenem, unrechtmäßig ausgeführtem und illegal ausgegrabenem Kulturgut verbieten, zu beachten,

  • verstärkt von der INTERPOL-Datenbank für gestohlenes Kulturgut Gebrauch zu machen und bei Verdachtsfällen die zuständigen Ermittlungsbehörden einzuschalten.

Der Kunsthandelsstandort Deutschland lebt von seinem Renommee und seiner Integrität. Beides droht mit jedem Verkauf von Kulturgut zweifelhafter Provenienz und Herkunft Schaden zu nehmen. Umsicht und Sorgfalt im Umgang und Handel mit Kulturgut sind daher nicht nur von höchstem kulturpolitischem, sondern auch im wohlverstandenen Eigeninteresse des Kunsthandelsstandortes Deutschland.


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