Kindern in Not schnell helfen

Ein Zitat aus dem 2013 geschlossenen Koalitions­vertrag der Großen Koalition in der Bundesregierung diente als Richtschnur einer von der Stiftung Ravensburger Verlag geförderten Fachtagung in Berlin. Dabei ging es um verbesserte Hilfen für in Not geratene Kinder, Jugendliche und Familien. Im Mittel­punkt der Tagung stand die Frage: Wie kann Kinderschutz so effektiv organisiert wer­den, dass Familien im Notfall wohnortnah und innerhalb ihrer sozialen Lebens­räume rasch geholfen werden kann? Vor rund 100 Teilnehmern aus Jugendhilfe, Kin­derschutz, Trägern, Kommunen, Landkreisen und Politik präsentierten Exper­ten aus Wissen­schaft und Praxis ihre Erfahrungen aus der Schweiz und Deutschland, Bewertungen und Verbesserungvorschläge.

23.04.2014 Pressemeldung Gemeinnützige Stiftung Ravensburger Verlag

Siehe weiter unten Downloads der einzelnen Fachvorträge

Kinderschutz besser organisieren

Viele Fälle von Misshandlung, sexuellem Missbrauch und Kindesvernachlässigung und Skan­dale in der Kinder- und Jugendhilfe haben in Deutschland das Thema Kinderschutz stärker ins öffent­liche Bewusst­sein gerückt. Obwohl das seit 2012 neue Bundeskinderschutzgesetz Ärzten, Mit­arbeitern medizinischer Einrichtungen und der Jugendhilfe bessere Hilfsmöglich­keiten ein­räumt, ein Kind in Notlage zu unterstützen, ist die Dunkelziffer vermuteter Kindes­vernachläs­sigung und –missbrauch hoch.

Starke Jugendämter – ein Thema im Koalitionsvertrag

"Wir brauchen starke Jugendämter und eine funktionierende Partnerschaft mit der freien Jugendhilfe. Wir werden daher die Steuerungsinstrumente der Jugendämter deutlich verbes­sern und gleichzeitig die Rechte der Kinder und ihrer Familien sicherstellen." Im Koalitions­vertrag wird ein "Qualitätsdialog" zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe ange­kündigt (S. 70). Diese Absichtserklärung zitierte Prof. Dr. Jörg Fegert in seinem Vortrag. Der Ärztliche Direktor der Ulmer Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie veranstaltete die Tagung gemeinsam mit Prof. Christoph Häfeli, ehemals Rektor der Hochschule Luzern, und dem Dreiländerinstitut Jugend, Familie, Gesellschaft, Recht GmbH aus dem Kanton Schwyz.

Kinder in Not nicht zusätzlich stressen

Wie kann der Staat familiäre Hilfe anbieten, die über eine "Inobhutnahme" des Kindes hin­ausgeht, wenn Eltern psychisch krank oder suchtabhängig sind? Kritisch berichtet wurde auf der Tagung zum Beispiel, dass Kleinkinder bis zu einem Jahr in einer Kriseneinrichtung blei­ben mussten. Auch häufige Personalwechsel und unbeachtet bleibende Stress-Situationen für Kinder, die von ihrer Familie getrennt werden, wurden benannt. Zunächst müsse daher über­prüft werden, wie erfolgreich oder prob­lematisch eine kommunale Kinder- und Jugend­hilfe arbeitet – "klare Qualitätsmerkmale" lautete daher eine einhellige Forderung der Exper­ten.

Jugendhilfe von externen Experten überprüfen lassen

Die Stadt Zürich hatte ein Konsortium unter der Leitung von Dr. Andreas Jud (Hochschule Luzern, Soziale Arbeit) und Professor Dr. Jörg Fegert mit einer Evalua­tion der Arbeit der Sozialen Dienste beauftragt. Da sich bislang keine deutsche Kom­mune bereit erklärt hat, ihre Erfolge und Probleme auf diese Weise anhand von Qualitätsindikatoren von externen Fach­leuten überprüfen zu lassen, hatte Fegert der Stiftung Ravens­burger Verlag vorgeschlagen, die Ergebnisse der Schweizer Untersuchung in Deutschland zu präsentieren. Auf diese Weise ent­stand die Idee zu der Berliner Fachtagung. Fegert ist auch stellvertretender Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen im Bundesfamilien­ministe­ri­um und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psycho­so­matik und Psycho­therapie.

Aus Praxis und Forschung

Folgende Referenten sprachen auf der Tagung: Prof. Dr. Christoph Häfeli (Hochschule Luzern), Prof. Dr. iur. Dr. h.c. Reinhard Wiesner (Freie Universität Berlin), Dr. Dirk Bange (Hamburger Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration), PD Dr. Peter Büttner (Schlüch­tern), Prof. Dr. Franz Petermann (Universität Bremen), Prof. Dr. Ludwig Salgo (Goethe-Uni­versität Frankfurt), Dipl. Natw. ETH Mirjam Schlup (Stadt Zürich), Dr. Andreas Jud (Hoch­schule Luzern / Universität Ulm), Thomas Bachofen (Stadt Zürich), Birgit Zeller (Landesjugendamt Rheinland-Pfalz), Uta von Pirani (Stadt Berlin).

Weitere Informationen für Medien

Ansprechpartner

Gemeinnützige Stiftung Ravensburger Verlag
Postfach 1860
88188 Ravensburg
Web: http://www.stiftung.ravensburger.de

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden