Mehr in die Sprachförderung aller Kinder investieren
Kinder mit Migrationshintergrund müssen Deutsch lernen, um in der Schule mithalten zu können. Sie sprechen dann mindestens zwei Sprachen. Beherrschen sie die deutsche Bildungssprache nicht, haben sie dennoch Probleme. Sprachprobleme haben auch deutsche Kinder aus bildungsfernen Familien. Schulleiter, Eltern und der Grundschulverband fordern deshalb, mehr in die Sprachförderung aller Kinder vom ersten Lebensjahr an zu investieren.
12.06.2013 Pressemeldung BundeselternratAuf einer Fachtagung des Bundeselternrats zum Spracherwerb verdeutlichten Bildungsexperten die hohe Relevanz von Sprache für die Entwicklung der Kinder und ihren schulischen und beruflichen Erfolg. Von besonderer Bedeutung für den Spracherwerb seien die ersten drei bis vier Lebensjahre. Es habe sich zudem gezeigt, dass die 17 derzeit in den Ländern eingesetzten Sprachförderkonzepte nicht die erhoffte Wirkung haben.
Der Allgemeine Schulleitungsverband Deutschlands und der Grundschulverband haben gemeinsam mit dem Bundeselternrat die folgende Resolution zur Sprachförderung verfasst:
Resolution
Mehrsprachigkeit - Chance und Herausforderung für Schule und Gesellschaft
Ein gutes Bildungssystem schafft bei Eltern und Pädagogen ein Bewusstsein für die grundlegende Bedeutung von Sprache und sieht Mehrsprachigkeit als Bereicherung.
(I) Bildungssprache
Sprachliche Kompetenzen sind ausschlaggebend für den Bildungserfolg; sie bilden damit die Voraussetzung für eine gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am sozialen und beruflichen Leben in unserer Gesellschaft. Für den Schulerfolg ist vor allem die Beherrschung von Deutsch als Bildungssprache entscheidend. Die Europäische Union fordert, dass möglichst alle jungen Menschen außer ihrer Muttersprache noch zwei weitere Sprachen sprechen. Dieser Herausforderung müssen sich auch die vorschulischen und schulischen Einrichtungen stellen.
Forderung
Alle Beteiligten müssen für die Herausforderungen der Bildungssprache sensibilisiert werden. Die Sprachbildung muss als integralen Bestandteil des pädagogischen Handelns und des eigenen Unterrichts verstanden werden.
(II) Sprachenvielfalt
Rund ein Drittel aller Schüler und Schülerinnen in den Großstädten sind mehrsprachig. In ihren Familien wird mindestens eine andere Sprache neben Deutsch gesprochen. Mehrsprachig aufwachsende Kinder verfügen über sprachliche Mittel in mehr als einer Sprache und sind oft kompetenter in ihrer Gesamtsprachlichkeit. Das Ausschöpfen dieser Potenziale ist vor allem an gelingende Bedingungen sozialer und schulischer Integration gebunden.
Forderung
Die individuelle wie auch die gesellschaftliche Mehrsprachigkeit sind im Unterricht als Lernchance zu berücksichtigen. In der Klasse vorhandene sprachliche Kompetenzen müssen durch sprachliche Rituale sichtbar gemacht und in der Unterrichtskommunikation genutzt werden.
(III) Diagnose und Sprachförderung
In den 16 Bundesländern gibt es mindestens 17 verschiedene Sprachförderkonzepte, deren Wirksamkeit bis heute nicht nachgewiesen ist.
Forderung
Sprachförderangebote sind stets auf diagnostischer Grundlage zu unterbreiten. Dafür sind Tests und Beobachtungsverfahren weiterzuentwickeln und zu nutzen, die nicht nur nach Defiziten in der deutschen Sprache forschen, sondern auch Kompetenzen in der Herkunftssprache der Kinder erfassen. Es sind Programme bereit zu stellen, die eine intensive Sprachförderung vom frühen Kindesalter an unterstützen und die sowohl die Erstsprache als auch den Erwerb der Zweitsprache fördern.
(IV) Interkulturelles Lernen
Über Sprache werden auch Emotionen, Werte, Traditionen und Verhaltensregeln vermittelt; es wird Sicherheit im Umgang mit zwei oder mehreren Kulturen erworben. Interkulturelles Lernen stellt deshalb ein umfassendes Lernziel nicht nur für Mehrsprachler sondern für die gesamte Lerngruppe dar.
Forderung
Sprachliche und kulturelle Vielfalt sind im Unterricht sichtbar zu machen und zu fördern. Interkulturelle sprachliche Bildung ist als durchgängiges Unterrichtsprinzip zu verankern.
(V) Qualifizierung
Die Ausbildung des pädagogischen Personals berücksichtigt die vorgenannten Herausforderungen nicht ausreichend. Alle Pädagogen müssen befähigt sein, Sprachbildung als integralen Bestandteil des pädagogischen Handelns und des eigenen Unterrichts (in allen Fächern) zu verstehen und danach zu handeln.
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