Neue Gesichter für DFG-Spitzengremium

Neue Gesichter im obersten Gremium von Europas größter Forschungsförderorganisation: Auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn wurden am heutigen Mittwoch gleich vier neue Mitglieder für das zehnköpfige Präsidium gewählt. Neue DFG-Vizepräsidenten sind Prof. Dr.-Ing. Bernd Scholz-Reiter, Prof. Dr. Konrad Samwer, Prof. Dr. Ferdi Schüth sowie als zweite Frau im Präsidium Prof. Dr. Dorothea Wagner.

04.07.2007 Pressemeldung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Bernd Scholz-Reiter übernimmt im Präsidium für den Bereich Ingenieurwissenschaften den Platz von DFG-Präsident Matthias Kleiner, der bereits Ende vergangenen Jahres als Vizepräsident ausgeschieden war, um das Präsidentenamt zu übernehmen. Scholz-Reiter, Jahrgang 1957, studierte Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Maschinenbau in Berlin und war nach seiner Promotion 1990 zunächst am IBM-Forschungszentrum in Yorktown Heights/USA und an der Technischen Universität Berlin tätig, bevor er 1994 auf den neuen Lehrstuhl Industrielle Informationstechnik der Technischen Universität Cottbus berufen wurde. In Cottbus war Scholz-Reiter von 1998 an zugleich Leiter des von ihm gegründeten Fraunhofer Anwendungszentrums Logistiksystemplanung und Informationssysteme. Seit 2000 leitet er das neu geschaffene Fachgebiet Planung und Steuerung produktionstechnischer Systeme und das Institut für Betriebstechnik und angewandte Arbeitswissenschaft der Universität Bremen (BIBA). Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der angewandten und industriellen Auftragsforschung, in der er sich vor allem mit der Planung und Steuerung von Produktionssystemen und Logistiknetzwerken befasst. Der Einsatz künstlicher neuronaler Netze in Produktionssystemen interessiert ihn hierbei ebenso wie die Entwicklung nichtlinearer dynamischer Methoden zur Steuerung solcher Systeme oder die Optimierung von automatisierten Demontagen.

Konrad Samwer ist im Präsidium für den Bereich Physik Nachfolger von Frank Steglich, der nach sechs Jahren als DFG-Vizepräsident nicht wiedergewählt werden konnte. 1952 geboren, studierte Samwer in Bonn und seiner Heimatstadt Göttingen, wo er 1981 auch promovierte und sich 1987 habilitierte. Als Professor für Experimentalphysik zunächst nach Augsburg berufen, kehrte er 1999 auf eine ebensolche Professur nach Göttingen zurück; wiederholt war er auch für längere Forschungsaufenthalte am California Institute of Technology tätig. Wissenschaftlich höchst bedeutsam sind Samwers Arbeiten zur Physik der Gläser, für die er bereits 1983 den Heinz Maier-Leibnitz-Preis der DFG und des Bundesforschungsministeriums für hervorragende Nachwuchswissenschaftler erhielt. Der von Samwer und einem seiner Studenten entdeckte "kolossale Magnetwiderstand" in hauchdünnen Manganat-Schichtstrukturen begründete sogar ein völlig neues Forschungsgebiet; Samwers Erstbeschreibung dieses Phänomens ist bis heute eine der weltweit meistzitierten naturwissenschaftlichen Publikationen. Für diese Arbeit, die sowohl für die Grundlagenforschung als auch für den Einsatz neuartiger Materialien in Computern oder Videorecordern bahnbrechend war, wurde der Physiker 2004 mit dem Leibniz-Preis der DFG, dem renommiertesten und höchstdotierten Forschungspreis in Deutschland, ausgezeichnet.

Ferdi Schüth ersetzt im DFG-Präsidium für den Bereich Chemie Helmut Schwarz, der nach zwei Amtsperioden ebenfalls ausscheidet und im kommenden Jahr Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) wird. Schüth, Jahrgang 1960, gilt als äußerst kreativer Wissenschaftler mit großer fachlicher Neugier und ausgeprägtem Gespür für praxisrelevante Fragestellungen. Er studierte in Münster Chemie und Rechtswissenschaften, promovierte 1988 in Physikalischer Chemie und absolvierte nur wenige Monate später das erste Juristische Staatsexamen. Nachdem er sich für die wissenschaftliche Karriere als Chemiker entschieden hatte, arbeitete er als Postdoktorand an der University of Minneapolis, in Mainz und als Gastprofessor an der University of California in Santa Barbara, bevor er sich 1995 in Mainz habilitierte. Mit erst 34 Jahren wurde er Lehrstuhlinhaber in Frankfurt und nur drei Jahre später Direktor am Max-Planck-Institut für Kohleforschung in Mülheim/Ruhr, wo er bis heute tätig ist. Sein besonderes Interesse gilt der Synthese und Charakterisierung von anorganischen Materialien, die vor allem als Katalysatoren eingesetzt werden. Für seine Forschungen zu sogenannten mesoporösen Festkörpern, die unter anderem die Speicherung von Wasserstoff für Brennstoffzellen oder von Farbstoffen ermöglichen und in Autokatalysatoren Kohlenmonoxid in das harmlosere Kohlendioxid umwandeln, erhielt Schüth 2003 ebenfalls den Leibniz-Preis der DFG. Darüber hinaus erforscht er die Teilchenbildung aus Lösungen, einen der wichtigsten Prozesse für die Herstellung von Festkörpern.

Dorothea Wagner übernimmt schließlich für den Bereich Informatik den Präsidiumsplatz von Jürgen Nehmer, der ebenfalls bereits seit 2001 Vizepräsident der DFG war. Neben der Frankfurter Neuzeithistorikerin Luise Schorn-Schütte ist sie die zweite Frau im Spitzengremium der DFG. 1957 geboren, studierte Wagner Mathematik mit Nebenfach Informatik in Aachen, wo sie 1986 auch promovierte. Nach Assistententätigkeit und Habilitation in Berlin sowie einer Lehrstuhlvertretung in Halle-Wittenberg übernahm sie 1994 den Lehrstuhl für Praktische Informatik in Konstanz. Seit 2003 ist sie Lehrstuhlinhaberin am Institut für Theoretische Informatik der Universität Karlsruhe und Leiterin des dortigen Forschungsbereichs Algorithmik. Die Forschungsinteressen der neuen Vizepräsidentin liegen vor allem in den Bereichen Graphenalgorithmen, Algorithmische Geometrie, Experimentelle Algorithmik und deren Anwendungen. So untersucht Wagner in aktuellen Forschungsprojekten unter anderem Orientierungsprobleme aus dem Verkehrs- und Transportbereich und der Kartographie. In weiteren Arbeiten befasst sie sich mit der Visualisierung von Netzen aller Art wie etwa Organisations- und Kommunikationsnetzen sowie dem Internet.

Alle vier neuen Vizepräsidenten sind für zunächst drei Jahre gewählt. Zusammen mit DFG-Präsident Prof. Dr. Matthias Kleiner, den vier weiteren Vizepräsidenten Prof. Dr. Jörg Hinrich Hacker (Bereich Biologie), Prof. Dr. Klaus J. Hopt (Bereich Rechtswissenschaften), Prof. Dr. Jürgen Schölmerich (Bereich Medizin) und der am Mittwoch wiedergewählten Frau Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte (Bereich Geschichte) und dem Präsidenten des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, Dr. Arend Oetker, als beratendem Mitglied, bilden sie das Präsidium. Dieses ist verantwortlich für die Führung der laufenden Geschäfte, die von der Geschäftsstelle der DFG unter der Leitung des Generalsekretärs erledigt werden. Erst jüngst war als Nachfolgerin für den im August in den Ruhestand gehenden Generalsekretär Dr. Reinhard Grunwald die bisherige Staatssekretärin im rheinland-pfälzischen Wissenschaftsministerium, Dorothee Dzwonnek, bestellt worden.

Weitere Informationen zu den neuen Vizepräsidenten und den weiteren Mitgliedern des Präsidiums mit Lebensläufen und Porträtfotos finden sich unter http://www.dfg.de/dfg_im_profil/struktur/gremien/praesidium


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