Neuordnung Archäologie und Denkmalpflege: Regionale Identität des Braunschweiger Landes gestärkt

Auf Einladung von Braunschweigs Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann, Präsident der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, hat Minister Lutz Stratmann, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK), im Rahmen einer außerordentlichen Sitzung des Stiftungsrates der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz (SBK) über die Vorhaben zur Profilierung der Landesmuseen sowie Archäologie und Denkmalpflege berichtet.

10.07.2008 Niedersachsen Pressemeldung Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur

"Wir wollen eine Stärkung von Landesmuseum und Region. Mit der neuen Abteilung für Archäologie in Braunschweig werden zusätzliche Angebote geschaffen. Die Präsentation der Landesgeschichte soll - wie schon lange geplant - nunmehr in diesem Zusammenhang erneuert werden. Es geht um mehr, nicht um weniger für Braunschweig, für die Region. Es geht um die Stärkung der Stärken", stellt Minister Stratmann fest.

"Der Stiftungsrat begrüßt diese Klarstellung. In unserem Flächenland Niedersachsen stiften die historisch gewachsenen Regionen Identität. Dem Braunschweigischen Landesmuseum kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Es ist nicht nur der Ort für die Förderung des Geschichtsbewusstseins und die Verdeutlichung der aktuellen Wechselbeziehungen zwischen Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft; es ist der Ort für kulturelle Identifikation, für Integration und das interkulturelle Lernen. Dieser Ort muss nicht nur erhalten werden, er muss sich weiterentwickeln können", bekräftigt Dr. Hoffmann.

Ausgangspunkt für die Überlegungen des MWK war der Bedarf an einer Neuordnung von Archäologie sowie Bau- und Kunstdenkmalpflege. Niedersachsen verfügt über zahlreiche national bedeutende archäologischen Fundstellen und Funde sowie über herausragende Baudenkmale. Dieser kulturhistorisch bedeutende, reiche Schatz konnte der Öffentlichkeit bisher nicht ausreichend bekannt gemacht werden.

Die bestehenden Strukturen in Archäologie und Denkmalpflege werden den heutigen Ansprüchen an Kommunikation, Beratung, Vermittlung und Grundlagenforschung nicht mehr gerecht. Allein die Beispiele der "Schöninger Speere" und der Moorleiche "Moora" sind Beleg für den Bedarf an Veränderung im Hinblick auf angewandte Forschung, den zeitgemäßen Erhalt sowie eine bürgerorientierte Vermittlung von archäologischen Funden und Baudenkmalen. Diese Aufgabe soll das zukünftige "Niedersächsische Institut für Archäologie und Baudenkmalpflege" als staatliche Denkmalfachbehörde übernehmen. Ziel ist es, die Denkmalpflege in Niedersachsen zukünftig deutlich zu stärken und ihre Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.

Im Interesse einer nachhaltigen Verbesserung der aktuellen Situation ist beabsichtigt, die Bereiche Forschung, Boden- und Kunstdenkmalpflege und Präsentation der Funde auch organisatorisch stärker zu vernetzen. Dazu sollen das Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven (NIhK), das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) und das Braunschweigische Landesmuseum (BLM) als umfassende Landeseinrichtung für Archäologie und Denkmalpflege ein gemeinsames Institut bilden.

Die bisherigen Stützpunkte des NLD in Braunschweig, Hannover, Lüneburg und Oldenburg werden weiter die flächendeckend gute Beratung für Eigentümer und die Unteren Denkmalschutzbehörden gewährleisten. Das NIhK soll zukünftig die Forschungsaufgaben in der Archäologie übernehmen bzw. koordinieren.

"Mittelfristig ist es Ziel der Landesregierung, in einem Landesmuseum die vorhandenen archäologischen Präsentationen zu einem landesweit orientierten archäologischen Schwerpunkt zu entwickeln. Die "Schöninger Speere" werden dabei für die frühen Epochen im Mittelpunkt der Präsentation stehen. Alles spricht dafür, dieses Vorhaben im Braunschweigischen Landesmuseum zu realisieren. Es ist Ziel, die aktuellen Grabungen und Forschungen in kürzester Zeit museal zu präsentieren und so den Bürger mit den aktuellen Erkenntnissen vertraut zu machen. Gleichzeitig sollen auch die wichtigen Fundstellen zu Erlebnisorten entwickelt und mit weiterführenden Angeboten versehen werden", berichtet Minister Stratmann.

Angesichts der zunehmenden Angebote im Freizeit- und Kulturbereich ist eine Profilierung auch und gerade unserer Museen zwingend erforderlich. Ausgehend von den Sammlungskomplexen und historischen Aufgaben sind Alleinstellungsmerkmale und Besonderheiten stärker herauszuarbeiten. Seit Herbst 2006 finden hierzu Expertengespräche gemeinsam mit allen Beteiligten in Braunschweig und Oldenburg in regelmäßig stattfindenden Arbeitssitzungen statt. In Hannover werden diese Gespräche in wenigen Wochen gemeinsam mit der Stadt und den Verantwortlichen in den Museen beginnen.

Das BLM wurde 1891 als Vaterländisches Museum gegründet. Es ist und bleibt das einzige Gesichtsmuseum in der Trägerschaft des Landes Niedersachsen und zählt zu den "überkommenen heimatgebundenen Einrichtungen" des alten Landes Braunschweig. Es sammelt, bewahrt, erforscht, präsentiert und vermittelt die Geschichte des alten Landes Braunschweig von der Ur- und Frühgeschichte bis in die Gegenwart.

Das BLM ist ein regionalgeschichtliches Museum, das als bürgerliche Gründung aus der Geschichtsbewegung des 19. Jahrhunderts mit besonderem Blick auf die Geschichte des Landes Braunschweig entstand, woraus sich ein regionaler Sammlungs- und Forschungsanspruch ergibt. Dies erklärt auch die Ausrichtung der umfangreichen Sammlungsbestände. Besonderheiten sind die Judaica-Sammlung und das Jüdische Museum, die zugleich eine Sonderstellung in Niedersachsen und dem gesamten norddeutschen Raum einnehmen. Die Darstellung und Vermittlung der Landesgeschichte erfolgt im Kontext der deutschen und europäischen Geschichte.

"Die Profilierung des Landesmuseums ist damit keine Schwächung, sondern genau das Gegenteil, eine Stärkung des Hauses und der Region insgesamt. Ich freue mich, dass in die Region zusätzliche Angebote kommen werden. Die neue Abteilung für Archäologie wird die Stärke des ganzen Landes präsentieren. Grundlagen archäologischer Präsentation sind Ausgrabung und Forschung. Deshalb ist eine enge Verzahnung des BLM mit der archäologischen Forschung und Ausgrabung effizient und sinnvoll. Das Braunschweigsche Landesmuseum wird unter dem Dach des neuen Instituts seine Eigenständigkeit mit einer starken Leitung bewahren", stellt Minister Stratmann weiter fest.

Im Zusammenhang mit der Erweiterung des BLM wird auch die Einrichtung des Schlossmuseums im Residenzschloss Braunschweig und die Präsentation herzoglicher Landesgeschichte von Bedeutung sein. Mit der Entwicklung eines gemeinsamen Ausstellungskonzeptes stellt das BLM dafür gerne prominente Leihgaben zur Verfügung und stärkt damit den Museumsstandort Braunschweiger Land.

Zeitungsberichte, wonach das Braunschweigische Landesmuseum seine Eigenständigkeit innerhalb der neuen Struktur zur Stärkung von Archäologie und Denkmalpflege in Niedersachsen verlieren könnte, hat Kulturminister Stratmann heute nach der Sondersitzung des Stiftungsrates deutlich zurückgewiesen. Diese Eigenständigkeit sei zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt worden.

"Nach dem Gespräch mit dem Minister steht fest: Das Braunschweigsche Landesmuseum wird gestärkt durch weitere Profilierung und willkommene Erweiterung der Angebote. Es wird wie in der Vergangenheit unter eigenständiger Leitung weiter die Braunschweigische Identität bewahren und fördern. Als Präsident der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und als Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig freue ich mich über diese beruhigende Nachricht. Wir werden die Weiterentwicklung eng begleiten und haben die Zusage des Ministers, bei der Erstellung der endgültigen Konzeption beteiligt zu werden", stellt Dr. Hoffmann fest.


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