Noch weniger Hilfe für überforderte Kinder und Familien

Lehrerinnen und Lehrer beobachten eine steigende Zahl von behandlungsbedürftigen Kindern mit Depressionen, Aufmerksamkeitsstörungen oder psychosomatischen Störungen bis hin zu krankhafter Aggressivität. In den Praxen der Kinder- und Jugendpsychiater sind aber Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr auf einen ersten Termin keine Seltenheit.

11.09.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Lehrerinnen und Lehrer beobachten eine steigende Zahl von behandlungsbedürftigen Kindern mit Depressionen, Aufmerksamkeitsstörungen oder psychosomatischen Störungen bis hin zu krankhafter Aggressivität. In den Praxen der Kinder- und Jugendpsychiater sind aber Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr auf einen ersten Termin keine Seltenheit. Bislang konnten Kinder- und Jugendpsychiater mit anderen Berufsgruppen wie beispielsweise Heil- oder Sozialpädagogen, die über eine entsprechende Zusatzausbildung verfügen, eng zusammenarbeiten und so die Wartezeiten zumindest eindämmen. Da die Krankenkassen die so genannte Sozialpsychiatrievereinbarung zum Jahresende gekündigt haben, wird das künftig nicht mehr möglich sein. Viele niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater stehen jetzt vor der Frage, ob sie ihre Mitarbeiter aus den genannten Berufsgruppen entlassen müssen.

"Da auch die Schulpsychologen hoffnungslos überlastet sind, wird sich niemand mehr rechtzeitig um diese Kinder und Jugendlichen kümmern können", kritisiert der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann diese Situation. "Lehrerinnen und Lehrer können aber nicht die Aufgaben von Psychologen oder Psychiatern mit übernehmen. Auch die Eltern sind damit überfordert."

Durch schulpolitische Maßnahmen wie die Verkürzung der Schulzeit oder die Einführung des Prognoseunterrichts sind die Belastungen für Kinder und Jugendliche gestiegen. Hinzu kommt der sich verschärfende Druck, bereits in der Grundschulzeit so gut sein zu müssen, dass ein Übergang zum Gymnasium zumindest möglich wird. Psychiater und Psychologen stellen einen Anstieg von Angststörungen und Depressionen fest.

"Täglich lesen und hören wir Nachrichten über Jugendgewalt, antisoziales Verhalten von Kindern und Jugendlichen oder überforderte Familien, die ihre Kinder vernachlässigen", so Beckmann abschließend. "Diese Meldungen zeigen, wie wichtig ein schnelles Eingreifen sein kann, um Schlimmeres zu verhindern. Gefährdeten Kindern muss zeitnah die Behandlung zukommen, die sie brauchen, auch um ihnen schulischen Erfolg zu ermöglichen. Deshalb muss die Zusammenarbeit zwischen den Kinder- und Jugendpsychiatern und den anderen Berufsgruppen erhalten bleiben und durch die Krankenkassen abgesichert werden."


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