Staatsminister Jürgen Banzer anlässlich des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht

Staatsminister Jürgen Banzer erklärt anlässlich des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht: "In diesen Tagen erinnern wir uns an das Novemberpogrom im Jahr 1938, also vor siebzig Jahren. In den Tagen und Nächten dieses Pogroms wurden zahlreiche Synagogen angezündet und niedergebrannt, das Eigentum von Juden geplündert und zerstört, viele Juden gequält, in Lager verschleppt, ermordet. Der Terror gegen die Juden, die Entrechtung, Ausgrenzung und Verfolgung, wurde zur offenen Gewalt gesteigert. Das alles geschah in unseren Städten und Dörfern, also vor aller Augen. Wer sehen wollte, konnte sehen und wissen.

10.11.2008 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Die brennenden Synagogen zeigen, welches Ziel die Nationalsozialisten mit der Verfolgung und Vernichtung der Juden anstrebten: Mit den Juden sollte auch ihre Religion und Ethik vernichtet werden. Diese Ethik der Gerechtigkeit, der Liebe und Menschenwürde wollten die Nationalsozialisten auslöschen und an ihre Stelle die Gewalt, den Hass und das Recht des Mordens setzen.

Für uns heute resultieren aus diesen schrecklichen Geschehnissen Verpflichtungen: An erster Stelle und vor allem die Verpflichtung, der Opfer zu gedenken und die Erinnerung an sie lebendig zu halten. Ihre Leiden dürfen nicht vergessen werden, sondern eine ständige Mahnung sein. Sodann gilt es, dem Antisemitismus in jeder Form und jedem Gewand entgegenzutreten und für Menschenwürde und Menschenrechte, für Toleranz einzutreten.

Wir müssen empfindlich sein und bleiben für jedes Unrecht, müssen Verhetzungen und Vorurteilen entgegenwirken, dürfen der Gewalttat nicht tatenlos zusehen. Während des Nationalsozialismus haben die meisten mitgemacht, zugesehen oder weggeschaut. Nur wenige fanden den Mut zur Hilfe für die Verfolgten. Ihr Verhalten sollte als Vorbild und Beispiel für Mitmenschlichkeit und Zivilcourage dienen; es ist erfreulich, dass der "stillen Helden" jetzt in Berlin gedacht wird.

Ich wünsche mir, dass gerade die Schulen sich in geeigneter Weise und in den von ihnen für richtig gehaltenen Formen an der Erinnerung beteiligen. Ihnen obliegt eine wichtige Funktion bei der Vermittlung historische Kenntnisse, der Ausbildung von Geschichtsbewusstsein und bei der Anbahnung der Bereitschaft, historische Verantwortung zu erkennen und Verpflichtungen wahrzunehmen."


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