Stiftung Sächsischer Gedenkstätten stellt bundesweit einmaliges Schicksalsbuch in Berlin vor

"Viele der Hinterbliebenen können heute nicht mehr nach Deutschland reisen und selbst Abschied am Grab nehmen. Ein Buch wie dieses sorgt dafür, dass es einen Ort und einen Tag der Trauer und des Gedenkens geben kann", sagte Sachsens Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange heute im Vorfeld der Präsentation eines Gedenkbuches zu Grabstätten sowjetischer Bürger auf dem Gebiet des Freistaates Sachsen. Dieses sogenannte Schicksalsbuch wird heute in der sächsischen Landesvertretung in Berlin durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, die Stiftung Sächsischer Gedenkstätten und den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge an Vertreter der ehemaligen Republiken der UdSSR übergeben.

13.11.2008 Sachsen Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus

Das Projekt zur Schicksalsklärung sowjetischer Kriegsgefangener hatte bereits 1999 als gemeinsames Vorhaben deutscher und russischer Institutionen begonnen. Inzwischen ist es Aufgabe der Dokumentationsstelle der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, die Geschichte dieser Schicksale zu klären und damit zur Versöhnung zwischen beiden ehemaligen Kriegsgegnern beizutragen. "Dieses Projekt ist wichtig für Millionen von Hinterbliebenen, deren Angehörige als Opfer des Nationalsozialismus auf deutschen Friedhöfen ruhen. Hunderttausenden von ehemals unbekannten toten Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeitern, konnte so ihr Name zurückgegeben werden", so Ministerin Dr. Stange.

Das Projekt sei geglücktes Beispiel einer engen Kooperation zwischen Bund und Land, indem ein Bundesland mittels einer seiner Länderinstitutionen, der Dokumentationsstelle der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, eine nationale Aufgabe vom Bund übernommen habe und dafür von diesem unterstützt werde. "Ich denke, dass dieser eminent wichtige humanitäre Auftrag mit dem vorliegenden Buch in vorbildlicher Weise erfüllt wird." Gleichzeitig habe das Buch eine internationale Bedeutung: Es zeige dem Ausland, wie Deutschland mit den Opfern des von ihm ausgegangenen Krieges auf Dauer umgehe und beeinflusse damit das Bild, das im Ausland von Deutschland existiere.

Das Buch leite in eine neue Etappe der Zusammenarbeit über: Es sei das erste Teilergebnis eines gemeinsamen Bund-Länder-Projektes, das ebenfalls unter der Federführung der Dokumentationsstelle der Stiftung Sächsische Gedenkstätten in Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und weiteren Einrichtungen die Inventarisierung aller Gräberstätten in Deutschland, auf denen Opfer des Zweiten Weltkrieges und der Gewaltherrschaft ruhen, durchführen soll. Die Dokumentationsstelle der Stiftung Sächsische Gedenkstätten übernehme damit erneut bundesweite Aufgaben.

Darüber hinaus, so die Ministerin, habe die Dokumentationsstelle bereits offiziell vom Bund Aufgaben bei der Rehabilitierung deutscher Opfer sowjetischer strafrechtlich-politischer Verfolgung übernommen. Die Dokumentationsstelle begleite Rehabilitationsverfahren deutscher Staatsbürger, die nach 1945 Opfer stalinistischer Gewaltherrschaft geworden sind. Sie sei die einzige international tätige Einrichtung in diesem Bereich und die einzige Stelle in Deutschland, die die Themen "sowjetische Kriegsgefangene" und "deutsche Speziallagerhäftlinge und Verurteilte der Sowjetischen Militärtribunale" auf die gesamte Opfergruppe bezogen aufarbeite.


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