Verleihung des Jean-Paul-Preises 2007 an Uwe Dick

Den Jean-Paul-Preis 2007 hat Bayerns Kunstminister Thomas Goppel am Sonntag dem Schriftsteller Uwe Dick für sein Gesamtwerk verliehen. Mit Dick werde einer der sprachgewaltigsten Schriftsteller der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ausgezeichnet, so Goppel. "Dick ist ein eigenwilliger, querstehender Schriftsteller, ein Solitär", so der Minister. Mit der Vergabe des Jean-Paul-Preises an Uwe Dick werde ein Autor ausgezeichnet, der in vielerlei Hinsicht mit dem Namensgeber des Bayerischen Literaturpreises verbunden ist.

02.12.2007 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Der mit 15.000 Euro dotierte Jean-Paul-Preis wird in diesem Jahr zum 13. Mal verliehen. Unter den bisherigen Preisträgern waren Friedrich Dürrenmatt, Botho Strauß, Hermann Lenz, Günter de Bruyn, Gerhard Polt und Sarah Kirsch.

Uwe Dick, geboren 1942 in Schongau am Lech, entschied sich 1968 nach verschiedenen beruflichen Tätigkeiten, unter anderem als Redakteur bei einer Münchner Tageszeitung, für eine Existenz als freier Schriftsteller, "um frei zu sein für ein niemals vertagtes Leben". Diese Unabhängigkeit hat sich Uwe Dick mit großer Konsequenz bewahrt. Seit 1993 lebt Uwe Dick im Bayerischen Wald, fernab vom Literaturbetrieb. Seine Reisen, bevorzugt durch den Balkan, die britischen Inseln, nach Sizilien, unternimmt er zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Jahrelang hat der Schriftsteller mit seinem poetisch-satirischen Einmann-Theater Turnhallen und Theatersäle, Kabarettbühnen und Wirtshäuser gefüllt.

Dicks Texte sind ein leidenschaftliches Plädoyer für einen respektvollen Umgang mit der Natur, ein Aufruf gegen Bequemlichkeit, Dumpfheit und die Verwahrlosung der Sprache. Ganz unaufdringlich lässt Dick in seinem Werk, so heißt es in der Juryentscheidung, einen "weltliterarischen Echoraum" entstehen. Der Beziehungs- und Anspielungsreichtum seiner Texte erfordere einen hellwachen Hörer und konzentrierten Leser. Auf höchst schöpferische, virtuose Weise gehe Dick mit dem Sprachmaterial um. Überbordende Sprachartistik, überraschende Wortspiele und Assoziationsketten, Satire und Witz prägten, so die Jury, seine Prosa. Sein Hauptwerk "Sauwaldprosa" wurde im Laufe der Jahre mit wachsendem Umfang immer wieder neu aufgelegt. Wie Baumringe seien hier, so heißt es in der Juryentscheidung, verschiedene Schichten übereinander gelegt. Die Jury würdigte Uwe Dick ausdrücklich auch als Performancekünstler. Viele seiner szenischen Lesungen liegen auch als Hörbücher vor, unter so sprechenden Titeln wie "Der Öd – das Bio-Drama eines Amok denkenden Monsters oder: Wechselfiebrige Anfälle von Weisheit, Torheit und Faschismus" (1980), "Cantus firmus für Solisten mit Pferdefuß – ein panakustisches Optikum u. a. für Hundskopfstimme, Reporterin, Lachmöwe, Saxophon, Kontrabass, Religion und Weißes Rauschen" (1988) oder "Der Jäger vom Knall – Hundsoktaven zu einer Sexualpathologie zwergdeutscher Flintenmänner" (1995). Eine Gesamtausgabe der Gedichte, bestehend aus sieben Bänden, ist unter dem Titel "Des Blickes Tagnacht – Gedichte 1969–2001" 2003 erschienen.

Uwe Dick wurde für sein Werk mehrfach ausgezeichnet, so mit dem Kunstförderpreis des Freistaates Bayern (1972), mit dem Marieluise-Fleißer-Preis der Stadt Ingolstadt (1986) und mit dem Tukan Preis (1987, 1992 für "Pochwasser").


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