Warnung vor Frauenmangel in MINT-Berufen
(red/pm) Der Frauenmangel in den Ingenieurberufen wird zunehmend zu einem "Engpass für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland", warnen die Regierungsberater der [Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)](http://www.e-fi.de). Auch komme die Reform des deutschen Bildungssystems nur mühsam voran.
01.03.2013 ArtikelSie fordern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie stärkere Anstrengungen von Unternehmen und Forschungseinrichtungen zur besseren Beteiligung von Frauen in Führungspositionen. Darüber hinaus hält die Expertenkommission letztlich auch die Einführung von Quoten für Spitzenpositionen in Wissenschaft und Unternehmen für angemessen, um eine bessere Gleichstellung zu beschleunigen.
"Erheblicher Handlungsbedarf"
Wenn es nicht gelinge, mehr qualifizierte Frauen für den Arbeitsmarkt zu aktivieren, werde der Fachkräftemangel im MINT-Bereich (Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Technik) "immer mehr zu einem Problem", heißt es im aktuellen EFI-Gutachten. Bisher unzureichend genutzte Qualifikations- und Innovationspotenziale müssten besser ausgeschöpft werden. Dies betreffe neben Frauen in MINT-Fächern auch Frauen in Führungspositionen in Wissenschaft und Wirtschaft.
Zwar könnten heute mehr Frauen als Männer eine Hochschulausbildung vorweisen, allerdings setze sich dieser Erfolg nicht im Erwerbsleben fort. Deutschland verliere vielmehr das Potenzial der zunehmend gut ausgebildeten Frauen beim Übergang in den Arbeitsmarkt und im weiteren Berufsleben – und zwar umso mehr, je höher die Karrierestufe ist, schreiben die Experten.
Die Expertenkommission sieht "erheblichen Handlungsbedarf". Durch den Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen oder die Einführung flexibler Arbeitszeiten müsse die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert und so langfristig die notwendigen Anreize geschaffen werden, um das Erwerbspotenzial von Frauen allgemein und besonders auch in ingenieurwissenschaftlichen Berufen besser auszuschöpfen.
Einführung von Quoten für Führungskräfte ist angemessen
Gleichzeitig sollten Unternehmen und Forschungseinrichtungen sich verschärft darum bemühen, eine bessere Beteiligung von Frauen in Führungspositionen sicherzustellen. Verzerrungen in Rekrutierungs- und Auswahlverfahren zu Ungunsten von Frauen seien unbedingt zu vermeiden. Dabei halten die Regierungsberater letztlich auch die Einführung von Quoten für Führungskräfte im Wissenschafts- und Wirtschaftssystem für angemessen, um "Veränderungen hin zu einer verbesserten Gleichstellung zu beschleunigen", heißt es im Bericht.
Auch die Reform des deutschen Bildungssystems komme nur mühsam voran. Dass Deutschland etwa im Grundschulbereich im internationalen Vergleich nur im oberen Mittelfeld liege, werde den weiteren Ausbau als Innovationsstandort gefährden. Schließlich habe es auch für die Wagniskapitalfinanzierung keinen Durchbruch gegeben. Notwendige Reformen seien in einigen Ressorts blockiert worden: "Ein Primat der Politik scheint es in diesem Bereich nicht zu geben", bemängelt die EFI.
Bund soll sich stärker an Bildungsfinanzierung beteiligen
Die Experten fordern, den Artikel 91b des Grundgesetzes für den Bereich Forschung neu zu fassen, damit der Bund die Länder finanziell unterstützen kann. Mehr noch als der Forschungsbereich sei aber die Bildung die "Achillesferse" des Forschungs- und Innovations-Systems. Die EFI begrüßte zwar ausdrücklich den föderalen Wettbewerb im Bildungssystem. Dieser dürfe aber nicht dazu führen, dass regionale Unterschiede in den Bildungsergebnissen aufgrund finanzieller Engpässe auf Dauer zementiert werden. Der Bund solle daher wieder in die Lage versetzt werden, an der Finanzierung von Bildungsmaßnahmen mitzuwirken. Zudem müsse im föderalen Wettbewerb die Vergleichbarkeit von Bildungsergebnissen gewährleistet werden.
Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) leistet wissenschaftliche Politikberatung für die Bundesregierung und legt regelmäßig Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands vor. Wesentliche Aufgabe der EFI ist es dabei, die Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems im internationalen und zeitlichen Vergleich zu analysieren und die Perspektiven des Forschungs- und Innovationsstandorts Deutschland zu bewerten. Auf dieser Basis entwickelt die EFI Vorschläge für die nationale Forschungs- und Innovationspolitik. Die Mitglieder der Expertenkommission sind: Prof. Dietmar Harhoff, Ph.D., Ludwig-Maximilians-Universität München (Vorsitzender); Prof. Dr. Uschi Backes-Gellner, Universität Zürich; Prof. Dr. Christoph Böhringer, Universität Oldenburg; Prof. Dr. Alexander Gerybadze, Ludwig-Maximilians-Universität München; Prof. Dr. Patrick Llerena, Université de Strasbourg; Prof. Dr. Monika Schnitzer, Ludwig-Maximilians-Universität München.
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