Was bewegt Deutschland? Engagierte und distanzierte Bürger in Ost und West
Was bewegt Deutschland? Eine Studie der Universitäten Hildesheim und Jena zeigt auf, was Menschen in unserem Land dazu bewegt, sich zu engagieren. Die Forscher untersuchen die Lebensorientierungen und biographischen Entwicklungen von engagierten und distanzierten Bürgern in Deutschland.
06.02.2014 Pressemeldung Julius Beltz GmbH & Co KGIn einer Langzeitbefragung wurden seit 2001 120 Personen in zwei westdeutschen und zwei ostdeutschen Städten begleitet (in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen). Darunter 80 Engagierte und 34 Nicht-Engagierte. Es handelt sich also um eine punktuell ansetzende Studie zur Lage der Nation. Unter welchen Bedingungen sind Menschen bereit, sich zu bewegen, bürgerschaftlich aktiv zu werden? Was treibt die Menschen in Ost und West an und gibt es Unterschiede?
Im Gang durch unterschiedliche Engagement-Felder sind zwei komplementäre Orientierungsmuster zu erkennen: Praxis-Orientierung und Positionierung, wobei ostdeutsche Engagierte zu ersterem und Westdeutsche zu letzterem tendieren. "Wir können feststellen, dass Menschen in Ostdeutschland eine praxisorientierte Haltung einnehmen. Die Befragten folgen der Logik des ungefragten Mitmachens", erklärt Corsten, Sozialwissenschaftler an der Universität Hildesheim und einer der Autoren des Buchs "Was bewegt Deutschland? Sozialmoralische Landkarten engagierter und distanzierter Bürger in Ost- und Westdeutschland: "Man hilft einander beim Umzug, ist irritiert wenn das nicht geschieht. Man erlebt unmittelbare Wirkung." Die befragten Westdeutschen hingegen vertreten eher eine positionierungsorientierte Haltung. Damit ist gemeint, dass Engagierte vorher überlegen, welche Position sie einnehmen, wenn sie "da mitmachen". Die Befragten nehmen eine politisch reflektierte Haltung ein und setzen auf eine demokratische Organisationsstruktur.
Bei großen Organisationen sind die Befragten aus ostdeutschen Bundesländern eher skeptisch; sie setzen lieber auf lokales Engagement. Zudem, das zeigt das erhobene Material, engagieren sich Eltern in den untersuchten ostdeutschen Städten stärker im Kultur- und Jugendbereich und interessieren sich trotz der Altersunterschiede für die Schwierigkeiten der Jugendlichen, gehen mit ihnen etwa in Berufsbildungswerke.
35- bis 50-Jährige hätten die "höchste Engagementchance". Sie haben viele soziale Bezüge, bei ihnen bringt der Einsatz den "höchsten" Ertrag. Befragt wurden auch karrierefokussierte Menschen. Dabei wird deutlich: Sie engagieren sich, wenn es der eigenen Karriere dient und wenn es in den Zeitplan passt, erklärt Michael Corsten. "Erwerbslosen hingegen fehlt häufig das soziale Netzwerk, um in Engagement hineinzugeraten."
Diese und weiter spannende Ergebnisse finden Sie in der gerade erschienenen Studie von Michael Beetz, Michael Corsten, Hartmut Rosa und Torsten Winkler: "Was bewegt Deutschland? Sozialmoralische Landkarten engagierter und distanzierter Bürger in Ost- und Westdeutschland".
Keine Kommentare vorhanden