Wenzel fordert Rettungsschirm für Bildung
Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) unterstützt den Protest bayerischer Studenten und Schüler gegen die Sparmaßnahmen der Staatsregierung. "Den Hochschulen fehlen Millionenbeträge, die dringend gebraucht werden", kritisierte BLLV -Präsident Klaus Wenzel.
17.11.2010 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V."Es ist damit zu rechnen, dass sich die Studienbedingungen weiter dramatisch verschlechtern und Schüler aus dem doppelten Abiturjahrgang entgegen aller Versprechungen und Zusicherungen denkbar ungünstige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium vorfinden, sollten sie überhaupt einen Studienplatz ergattern." Hochschulen verkommen zu Massenbetrieben, es fehlt Personal und Geld für die Lehre. Dringend benötigtes Lehrpersonal kann nicht eingestellt oder weiter beschäftigt werden. Zahlreiche Gebäude und Räumlichkeiten befinden sich in einem fürchterlichen Zustand, viele Baumaßnahmen können nicht fortgeführt werden. "Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, dass Bildung in Bayern Priorität hat", stellte Wenzel fest. Es sei deshalb richtig und wichtig, dass junge Leute auf die Straße gehen und in ihren Forderungen nach besseren Lern- und Arbeitsbedingungen nicht nach lassen." Er solidarisierte sich erneut mit den Forderungen der Protestaktion: "Wir brauchen einen milliardenschweren Rettungsschirm für bessere Bildung."
Trotz entgegenlautender Beteuerungen der Politik ist Bildung in Bayern unterfinanziert. Kindergärten, Schulen und Hochschulen leiden unter schlechten Voraussetzungen: Zu wenig Personal, zu wenig Geld, zu wenig Zeit und Raum.
Während an den Schulen wegen Lehrermangel gerade noch der Pflichtunterricht aufrecht erhalten werden kann, die Klassen vielfach zu groß sind und Schüler nur in Form privat subventionierter Nachhilfe gefördert werden können, brechen die Universitäten regelrecht zusammen. "Marode Gebäude, ausgedünnte Lehre, überfüllte Seminare und Vorlesungen - die Zustände sind vielerorts unhaltbar", stellte Wenzel fest. In der Summe gesehen koste das Bildungssystem in Bayern allen Beteiligten viel Nerven, Kraft und Energie. "Es kann obendrein krank machen, es erschwert Lernprozesse, es behindert Bildungsbeteiligung und privilegiert all diejenigen, die sich bestens ausgestattete private Kindergärten, Schulen und Hochschulen leisten können. Wir befinden uns längst in einem Zweiklassen -Bildungsland."
Gymnasiasten des doppelten Abiturjahrgangs würden gleich mehrfach gestraft: "Nicht nur, dass sie es besonders schwer auf ihrem Weg zum Abitur hatten, jetzt steht ihnen auch noch ein extrem hartes Studium mit mangelhaften Rahmenbedingungen bevor."
Wenn sich hunderte junge Leute auf den Fluren drängeln und nicht mehr in einen Seminarraum passen, wenn sanitäre Anlagen uralt und verdreckt sind, wenn es überall zieht, weil Geld für neue Fenster fehlt, und es kaum noch Bücher oder andere Materialien zur Vorbereitung gibt, kann nicht mehr von einem vernünftigen Studium die Rede sein.
Hinzu kommt der massive Leistungs- und Prüfungsdruck, der nun auch die Hochschulen erreicht hat. "Dieser Druck setzt bereits in der Grundschule ein und begleitet Heranwachsende in ihrer gesamten Bildungslaufbahn. Er führt u. a. auch zu zahlreichen Erkrankungen und psychosomatischen Beschwerden. Nicht nur Kinderpsychologen und psychosomatische Kliniken für Kinder und Jugendliche haben Konjunktur, auch die psychologischen Beratungsstellen an den Universitäten. Angesichts dieser Probleme muss die Frage erlaubt sein, ob das bayerische Bildungssystem tatsächlich so erfolgreich ist, wie gebetsmühlenartig behauptet wird. Der nicht nachlassende Protest zahlreicher Schüler und Studenten führt uns drastisch vor Augen, dass dies offensichtlich nicht der Fall ist", erklärte der BLLV -Präsident.
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