Politische Bildung

Zimmermann warnt vor "Reformationsdarwinismus"

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, hat vor einem "Reformationsdarwinismus" in Deutschland auf Kosten anderer Konfessionen und Religionen gewarnt.

28.06.2012 Pressemeldung Deutscher Kulturrat e.V.

In der in den nächsten Tagen erscheinenden Zeitschrift "politik und kultur" (PDF) des Dachverbandes der Kulturbranche kritisiert Zimmermann, der selbst evangelischer Christ ist, auch Äußerungen von Bundespräsident Joachim Gauck zum Islam in Deutschland.

Das Grundgesetz, so der Kulturrats-Geschäftsführer, betone die Glaubens- und Religionsfreiheit als unverletzlich. "Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet", heiße es dort. Von einer "Hierarchisierung der Religionen" könne er dort nichts lesen, so Zimmermann. Damit bezieht sich der Vertreter der Kulturbranche auf Interview-Äußerungen des Bundespräsidenten von Ende Mai 2012. Damals hatte sich Gauck kritisch-distanziert zu der Formulierung seines Vorgängers Christian Wulff geäußert, der Islam gehörte zu Deutschland, und weiter gesagt: "Die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland." Er habe, so Gauck weiter, Verständnis für jene, die fragten, wo denn der Islam "dieses Europa geprägt" habe oder die Aufklärung, "gar eine Reformation" erlebt habe.

Dazu meint Zimmermann, ob dann nur Religionen zu Deutschland gehörten, "die die Aufklärung und gar eine Reformation" erlebt hätten. Es stelle sich die Frage, ob dies dann letztlich nur der Protestantismus sei. In diesem Zusammenhang spricht Zimmermann von einem "Reformationsdarwinismus", gegen den er als Protestant sich wehre. Es dürfe nicht nach dem Motto geurteilt werden: "Die höchste religiöse Entwicklungsstufe ist die Reformation, alle Religionen, die keine Reformation hatten, sind rückständig." Das Grundgesetz, so Zimmermann, kenne keine spezifische Parteinahme für einen bestimmten Glauben. Dies gelte für den Gottesbezug in der Präambel des Grundgesetzes wie auch für Verankerung des Religionsunterrichts als ordentliches Schulfach oder den Gottesbezug in der Eidesformel von Bundespräsident, Bundeskanzler und -ministern. Auch dabei gehe es nicht um einen explizit christlichen Bezug. "Die religiöse und weltanschauliche Neutralität der Bundesrepublik verbietet es, von einem rein christlichen Gottesbezug im Grundgesetz zu sprechen", so Zimmermann.


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