60. Jahrestag des Kriegsendes

Anlässlich des 60. Jahrestags des Kriegsendes hat Kultusminister Siegfried Schneider die bayerischen Schulen dazu eingeladen, den Schülerinnen und Schülern in Bayern die Situation Deutschlands und der vom Zweiten Weltkrieg betroffenen Länder im Jahre 1945 und danach in besonderer Weise in Erinnerung zu rufen.

27.04.2005 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

"Wir müssen den Schülerinnen und Schülern deutlich machen, welches Maß an materieller und geistig-moralischer Zerstörung mit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft über die Welt hereingebrochen ist. Nur dann kann sich in der jungen Generation die feste Überzeugung ausbilden, dass Frieden und Freiheit Güter sind, die stets neu errungen werden müssen", sagte der Kultusminister.

Den Jugendlichen in Deutschland seien Erfahrungen von Krieg und Unterdrückung heute in der Regel nur aus den Medien bekannt. Umso notwendiger sei es, ihnen die Situation Deutschlands vor 60 Jahren vor Augen zu führen. "Das Kriegsende hat für die Deutschen Zusammenbruch und Neubeginn zugleich bedeutet. Großes Leid in einem zerstörten Land stand der Erlösung von der nationalsozialistischen Barbarei gegenüber. Heute können wir stolz auf die gelungene Wiederherstellung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und sozialer Gerechtigkeit in Deutschland sein", sagte Schneider.

BLZ-Publikationen und eigene Veranstaltungen für Schüler

Schneider wies zugleich darauf hin, dass das Kultusministerium zusammen mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (BLZ) anlässlich des 60. Jahrestags Lehrkräften und Schülern verschiedene Angebote für eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Kriegsende mache. Beispielweise bietet die Landeszentrale den Schulen folgende eng mit dem Thema "Kriegsende" zusammenhängende neue Publikationen an:

  • die Autobiographie von Jack Terry ("Jakubs Welt"), der u. a. Häftling im Konzentrationslager Flossenbürg war, heute in Amerika lebt und in der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten die ehemaligen Häftlinge Flossenbürgs vertritt;
  • die Biographie von Franz Rosenbach, einem Angehörigen der Gruppe der Sinti, der mehrere nationalsozialistische Lager überlebt hat;
  • eine in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk erstellte Sammelpublikation über ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg, deren erster Band (geplant sind drei Bände) die Biographien von Häftlingen in den Blick nimmt, die im Stammlager Flossenbürg inhaftiert waren; die Publikation erscheint in Kombination mit einer CD-Produktion;
  • die Autobiographie des ehemaligen Häftlings Josef Jakubowicz, der acht Konzentrationslager überlebte;
  • die Publikation "Kriegsende 1945. Verbrecher, Katastrophen, Befreiungen in nationaler und internationaler Perspektive", die von Bernd-A. Rusinek 2004 in der Reihe Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte herausgegeben wurde.

Darüber hinaus hat die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit die Autobiographie von Solly Ganor, einem Überlebenden mehrerer Lager, an verschiedene Schulen versandt. Auf Initiative von Kultusstaatssekretär Karl Freller können Kurse und Klassen, die die Autobiographie lesen, an einer Veranstaltungsreihe teilnehmen, in deren Rahmen der Schauspieler Thomas Darchinger im Rahmen einer vom Jazz-Musiker Wolfgang Lackerschmid begleiteten Lesung Auszüge des Textes präsentiert. Der Staatssekretär wird selbst verschiedene dieser Veranstaltungen besuchen, so z. B. am Freitag, den 29. April 2005, um 11.15 Uhr im Dokumentationszentrum auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.

Besonderes Fortbildungsangebot für Lehrkräfte

Ein besonderes Fortbildungsangebot für Lehrkräfte stellt das dreitägige Symposium "Der Neubeginn in Europa 1945 bis 1949" dar, das die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit zusammen mit dem Bayerischen Landtag und der Weimarer Stiftung Ettersberg vom 14. bis 16. Juli 2005 in den Räumlichkeiten des Bayerischen Landtags durchführt. Im Mittelpunkt werden die politische und moralische Situation Deutschlands am Ende des Krieges sowie die Neuanfänge im Zeichen des heraufziehenden Kalten Krieges stehen. Dabei soll sowohl der innerdeutsche Vergleich (Bayern/Thüringen) als auch der internationale Vergleich (Ungarn/Österreich/Italien) zum Tragen kommen.

Bekanntmachung zum Kriegsende an alle Schulen

Bereits im Februar hat das Kultusministerium die Schulen in einer eigenen Bekanntmachung gebeten, das Thema "Kriegsende" in angemessener Weise innerhalb und außerhalb des Unterrichts zu behandeln. Vorgeschlagen wurde eine Beschäftigung etwa mit dem Bombenkrieg, der Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen, der katastrophalen materiellen und sozialen Lage, vor allem aber mit den Dimensionen der Barbarei, die erst mit dem Ende des Krieges in ihrem ganzen Umfang deutlich wurden ? etwa bei der Befreiung der Konzentrationslager. Der Blick soll schließlich auch dem Wiederaufbau der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Strukturen sowie der Einbindung zumindest Westdeutschlands in den Kreis von Staaten gelten, die sich der Demokratie, sozialen Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit verschrieben haben. Die Bekanntmachung ist unter der Adresse www.km.bayern.de/ im .pdf-Format zu finden.


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