Äpfel mit Birnen verglichen

Die auf der Website des Bayerischen Kultusministeriums veröffentlichten "Bestenliste" der erfolgreichsten Schulen führen nach Ansicht der GEW Bayern zur Verunsicherung von Kindern, Lehrern und Eltern. Der Landtag hatte im Juli 2005 eine solche Darstellung von 10% der besten Hauptschulen bzw. 25% der besten Real- und Wirtschaftsschulen und Gymnasien beschlossen. Das Kultusministerium weist zwar jetzt zu Recht darauf hin, dass der Lernerfolg von vielen äußeren Faktoren abhänge und will die Auflistung nicht als "Ranking" verstanden wissen. Grundsätzlich erschließen sich Sinnhaftigkeit und Nutzen solcher Veröffentlichung aber nicht.

20.12.2005 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

Schlechte Schüler aussortiert?

Die Liste sagt zunächst nicht mehr aus, als dass nur die am besten bewerteten Tests der Schulen an das Kultusministerium geschickt wurden. Fraglich ist aber beispielsweise, wessen Verdienst die guten Ergebnisse sind: das besonders intelligenter Kinder, guter Rahmenbedingungen, des Standorts der Schule und der sozialen Zusammensetzung der Elternschaft, engagierter Lehrer oder Eltern, privaten Nachhilfeunterrichts oder haben die Schüler wohl gemeinte Tipps einer mitleidigen Lehrkraft erhalten. Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern: "Man weiß nicht, ist die Schule besonders gut im Fördern oder besonders konsequent beim Aussortieren der Schwächeren. Flächendeckenden Tests in dieser Häufigkeit müssen doch Ursachenanalysen folgen, sonst kann man sich den Aufwand sparen!"

Dass die Jahrgangsstufen-Tests der Sicherung und Weiterentwicklung der Schulqualität dienen sollen, ist nicht nachzuvollziehen, da offensichtlich keinerlei Konsequenzen vorgesehen sind. Haben z.B. die vielen guten Ergebnisse von Teilhauptschulen und kleineren Hauptschulen Auswirkungen auf deren Fortbestand?

Förderprogramme für die "schlechtesten" 25 Prozent?

Was passiert mit den Schulen, die nicht auf diesen Listen zu finden sind? Schulen aus Ballungsräumen, in denen die Arbeits- und Lernbedingungen besonders schwierig sind, finden sich erwartungsgemäß auf der "Bestenliste" nur relativ wenige. Die Lernausgangslage bleibt völlig unberücksichtigt. Schulen, an denen unter schwierigsten Bedingungen hervorragende pädagogische Arbeit geleistet wird, werden nie auf die "Bestenliste" kommen können. "Gerade diese LehrerInnen bräuchten für ihre tägliche Schwerstarbeit Anerkennung, unterstützende Rahmenbedingungen und zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen. Pseudo-Bestenlisten nützen niemandem und Tests ohne Folgemaßnahmen sind absolut sinnlos. Nur vom Wiegen wird die Sau nicht fetter", so Oskar Brückner.

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GEW Bayern

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