Ausbildungspakt 2004: Wir fangen schon mal an / Fit für den Beruf

Mit dem Pilotprojekt "Qualifizierungsbausteine und Ganztagsbetreuung in der Ausbildungsvorbereitung" (QGA), das Kultusminister Jürgen Schreier heute (16.6.04) in Homburg vorgestellt hat, sollen künftig an drei Berufsbildungszentren im Saarland berufsschulpflichtige Jugendliche ohne Hauptschulabschluss besonders gefördert werden. "Gemäß dem Motto "Wir fangen schon mal an" gründen wir damit einen Ausbildungspakt und versuchen, die Jugendlichen fit für den Beruf zu machen. Damit verbessern wir ihre Chancen, einen qualifizierten Arbeitsplatz zu finden", so Kultusminister Jürgen Schreier.

16.06.2004 Saarland Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

Das Pilotprojekt arbeite analog des dualen Systems im Rahmen des Berufsvorbereitungsjahres, erläuterte der Minister. Die rund 40 an dem Projekt teilnehmenden Schüler würden vom kommenden Schuljahr an zwei Tage in der Woche am Unterricht in einer der drei Pilotschulen teilnehmen, an drei Tagen der Woche in Handwerks- oder Industriebetrieben des 1. Arbeitsmarktes Qualifizierungsbausteine anerkannter Ausbildungsberufe erlernen. Hier arbeitet das Bildungsministerium eng mit den Kammern zusammen. Landesweit haben bereits mehr als 30 Betriebe signalisiert, sich an dem Projekt zu beteiligen. Das Diakoniezentrum Homburg mit den Schwerpunkten Nahrungsgewerbe und pflegerischer Betreuung wurde stellvertretend für die öffentliche Vorstellung des Pilotprojekts ausgewählt.

Jürgen Schreier: "Die Jugendlichen erhalten durch das modulare Lernen Ausbildungs- und Arbeitsreife, d. h., sie stärken ihr Selbstbewusstsein, ihre Persönlichkeit, sie erfüllen ihre Berufsschulpflicht und sie lernen die praktische Arbeit im Betrieb kennen. Der Betrieb wiederum hat ein Jahr lang die Möglichkeit, mit diesen Jugendlichen zu arbeiten. Davon können beide Seiten nur profitieren."

Bereits während dieses Projektjahres haben die Schüler zusätzlich die Möglichkeit, sich auf den Hauptschulabschluss vorzubereiten. Danach können sie eine Lehre beginnen und die bereits begonnene Ausbildung ordnungsgemäß abschließen, oder sie arbeiten mit Teilqualifikationen im Unternehmen.

Die Schüler, so der Minister, erhielten damit auch zwei Chancen:

  • Im Unterricht an den Schulen würden verstärkt die Defizite in Kulturtechniken, also Lesen, Schreiben, Rechnen aufgearbeitet, denn hier bestünden seitens der Wirtschaft große Anforderungen an die Jugendlichen.
  • In der praktischen Arbeit im Betrieb könnten die Jugendlichen darüber hinaus unter realen Bedingungen einen Beruf kennen lernen und müssten wie selbstverständlich auch mit Zwängen eines am Markt agierenden Unternehmens umgehen lernen.

Um mögliche Erziehungsdefizite bei den Jugendlichen aufzufangen, sei für jeden Standort ein Sozialarbeiter über die Katholische Hochschule für Soziale Arbeit (KFH) abgeordnet, der die Jugendlichen ganztags sozialpädagogisch betreut. "Damit geben wir den Jugendlichen in dem *pädagogischen Dreieck' Berufschule, Betrieb, Jugendarbeit einen Rahmen", erklärte der Minister.

Die Katholische Hochschule für Soziale Arbeit übernimmt, in enger Kooperation mit dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien, außerdem die wissenschaftliche Begleitung dieses Projekts. Mit dem kommenden Schuljahr beginnt die Hauptphase des Projektes mit der Umsetzung des Konzepts am TGBBZ Dillingen, dem BBZ Homburg und dem TGS BBZ Völklingen. Im darauf folgenden Jahr wird die Modellkonzeption noch einmal im Vergleich überprüft. Die Auswertungsphase schließt sich von August bis Oktober 2006 an.

Die Kosten für die Durchführung des Modellversuchs belaufen sich auf rund 450 000 Euro. Davon entfallen 350 000 Euro auf den Bund und 100 000 Euro auf das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft.

Der Minister dankte den beteiligten Institutionen und Betrieben für ihr Engagement. Darüber hinaus verwies Schreier auf eine Reihe anderer Landesinitiativen für Jugendliche mit besonderem schulischem Förderbedarf. Als Beispiele nannte der Minister die Einführung eines freiwilligen 10. Schuljahres für Schüler an Schulen für Lernbehinderte, die Produktionsschulen, den Modellversuch *Praxisklassen' sowie den Berufsorientierten Donnerstag (BODO).


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden