Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig: "Hauptschulen stärken, Grundschullehrer entlasten, Sprachförderung neu positionieren"

Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig hat heute auf der Grundlage der bildungspolitischen Ziele des Senats für die Legislaturperiode bis 2008 die Einzelheiten der Personal- und Ressourcenplanung für Hamburgs Schulen im Schuljahr 2004/2005 vorgestellt.

14.05.2004 Hamburg Pressemeldung Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB)

"Unser anspruchsvolles Ziel ist es, die Qualität der Hamburger Schulen so durchgreifend zu verbessern, dass wir im nationalen wie internationalen Vergleich bald mit den Besten konkurrieren können. Und das im Rahmen der begrenzten Ressourcen aus eher sinkendem Steueraufkommen. Dafür muss in einigen Bereichen des Hamburger Schulsystems auf der Basis der bis 2008 eingeplanten Haushaltsmittel schon jetzt zum kommenden Schuljahr umgesteuert werden. Nur dann werden wir bis zum Ende der Legislaturperiode spürbare Ergebnisse vorweisen können", sagt die Bildungssenatorin.

Im einzelnen sind folgende Maßnahmen geplant:
Hamburgs Haupt- und Realschulen erhalten in den Eingangsklassen 5 und 6 die um einen Schüler gesenkte Basisfrequenz von 24. Für die Hauptschulen Klasse 7 bis 9 bleibt die Frequenz mit 19,5 identisch. "Wir stärken die Haupt- und Realschulenschulen mit geringerer Klassen-Basisfrequenz und einer entsprechend verbesserten Lehrerstellenzuweisung. Das wird es erleichtern, vor allem das Profil der Hauptschulen herauszuarbeiten und bei der weiteren Einführung von Praxisklassen und berufsorientierten Angeboten schneller voranzukommen. Gerade hier muss gelten: Kein Abschluss ohne Anschluss", so die Bildungssenatorin.

Hamburgs rund 3500 Grundschullehrkräfte sollen im Lehrerarbeitszeitmodell einen Unterrichtsfaktor von 1,35 statt bisher 1,3 zugewiesen bekommen. "Damit wird der Grundschullehrer durchschnittlich eine Stunde pro Woche weniger unterrichten müssen. So können etwa die außerunterrichtlichen Tätigkeiten oder das Gespräch mit den Eltern wieder mehr Raum einnehmen, was gerade in dieser Schul-form besonders wichtig ist", sagt Senatorin Alexandra Dinges-Dierig.

Das Lehrerarbeitszeitmodell soll darüber hinaus in mehreren Punkten verändert werden:

  1. Zum Schuljahr 2004/ 05 soll ein Schulforschungsinstitut mit einer externen Evaluation des Modells beauftragt werden.
  2. Die Gestaltungsmöglichkeiten der einzelnen Schule in der Anwendung des Modells zur Lehrerarbeitszeit sollen erweitert werden. Die Schulen erhalten dann ihre Personalressource nach Modellvorgaben zugewiesen und sind nach eigener Beschlusslage frei, innerhalb der vorgegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen das Modell verändert anzuwenden.
  3. Lehrkräften soll für Klassenreisen eine angemessene Kostenerstattung zugewiesen werden.
  4. Sportobleute werden zur Organisation sportlicher Wettkämpfe voraussichtlich mit zehn zusätzlichen Lehrerstellen ausgestattet. Es soll den Schulen freigestellt werden, die dritte Sportstunde wie eine Wahlpflichtstunde für Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen entweder zur Ausrichtung von schulinternen (z.B. Bundesjugendspiele u.ä.) oder zur Vorbereitung und Teilnahme an überregionalen Wettkämpfen zu verwenden.
  5. Schulen können anstelle der dritten Sportstunde Unterricht erteilen, der das Schwerpunktprofil der Schule unterstützt (z.B. Musik).
  6. Für die überregionale Organisation von Musik- und Kunstveranstaltungen sowie Wettbewerben sollen zusätzliche Funktionszeiten im Umfang von vor-aussichtlich zehn Lehrerstellen zur Verfügung gestellt werden.

"Wir nehmen so die Kritik der Kunst-, Musik- und Sportlehrer auf, stellen eindeutig mehr Ressourcen für Wettbewerbe zur Verfügung und stärken die Selbstständigkeit der Schule: Schulleitungen, die die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten des Modells extensiv genutzt haben, sind schon bisher nicht so schlecht damit gefahren und können dann künftig noch eigenständiger nach ihren Bedürfnissen planen", so die Bildungssenatorin.

Die Klassen-Basisfrequenzen werden in allen anderen Schulformen außer in der Hauptschule bzw. in den 5. und 6 Klassen der Realschule (s.o.) leicht angehoben. Im Einzelnen entwickeln sich die Frequenzen folgendermaßen:

Primar-/Beobachtungsstufe:

  • Grundschule: 24 statt bisher 23
  • Gymnasium Kl. 5 - 6: 26 statt bisher 25
  • Gesamtschule (inkl. kooperative) Kl.5 - 6: 24 statt bisher 22,5

    Sekundarstufe I:
  • Realschule Kl.7 - 10: 22,5 statt bisher 21
  • Integrierte Haupt- und Realschule Kl. 7 - 10: 21 statt bisher 20
  • Gymnasium Kl. 7 - 10: 25 statt bisher 24
  • Gesamtschule Kl. 7 - 10: 21 statt bisher 19,5

    Sekundarstufe II:
  • Gymnasium/Gesamtschule Kl.11 - 13 (Inkl. Aufbau): 22 statt bisher 20,5

    Integrierte Klassen:
  • Kl. 1 - 4: 16 statt bisher 15
  • Haupt- und Realschule Kl.5 - 6: 19 statt bisher 18
  • Haupt- und Realschule: 17 statt bisher 16
  • Gesamtschule Kl. 5 - 6: 19 statt bisher 18
  • Gesamtschule: 16 statt bisher 15

"Wir gleichen so die großen Unterschiede zwischen verschiedenen Schultypen an und können mit den gewonnenen Lehrerstellen neue pädagogische Konzepte angehen. Höhere Klassengrößen sind nach meiner festen Überzeugung in diesen Relationen pädagogisch vertretbar, schon weil sie immer noch deutlich unter denjenigen einiger Pisa-Spitzenländer wie etwa Japan liegen. Wichtig ist mir, dass mit den gewonnenen Stellen-Ressourcen Spielraum entsteht: Für ganz neue Konzepte oder die vor der Umsetzung stehenden Planungen zur Ganztagsschule, zum achtjährigen Gymnasium sowie für eine deutlich größere Reserve innerhalb der 13800 Lehrerstellen - letztere wird uns die flexiblere Lehrerversorgung in Problem-Situationen ermöglichen", sagt die Bildungssenatorin.

Die Stellenzuweisung für Sprachförderung und weitere Sonderbedarfe der Schulen soll ab 2005/2006 auf der Basis neuer Konzepte verändert werden. "Die ersten Ergebnisse der KESS-Untersuchung zeigen uns schon jetzt, dass wir ein standortbezogeneres Förderkonzept brauchen. Die bisherigen Zuweisungen müssen auf den Prüfstand, damit wir bessere Ergebnisse erreichen", so Senatorin Alexandra Dinges-Dierig.

"Mit diesen umfassenden Umschichtungen von rund 1000 der jetzt 13800 und ab 2005 13900 Lehrerstellen werden wir im Laufe der kommenden vier Jahre unsere neuen Konzepte trotz steigender Schülerzahlen und der vorhandenen Sparbeschlüsse des Senats umset-zen können. Außerdem bleibt eine Auffangreserve, um etwa die Organisation der Oberstufen in Gymnasien und Gesamtschulen in der Übergangszeit bis zum Greifen neuer schulstruktureller Maßnahmen auch mit höheren Frequenzen sicherzustellen. Ich habe mich entschieden, dem Senat diese weitgehenden Veränderungen vorzuschlagen, um unsere Reformpolitik auf sicherer und berechenbarer Grundlage bis 2008 zu gestalten", so Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig.


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