Coaches in der Hauptschule
(bikl) Spätestens seit dem Hilferuf der Lehrer an der Berliner Rütli-Schule ist klar, dass viele Schulen mit ihrer Aufgabe überfordert sind. Die Pädagogen betreiben in erster Linie Krisenbewältigung, das Unterrichten kommt erst an zweiter Stelle. Doch es gibt auch andere Hauptschulen, die Pommernschule in Berlin Charlottenburg etwa, das zeigt die sechsteilige Dokumentation "S.O.S. Schule – Hilferuf aus dem Klassenzimmer" von Amai Haukamp und Kathrin Sänger, die ab heute im ZDF ausgestrahlt wird.
02.05.2006 ArtikelHier waren die Verhältnisse nicht so dramatisch wie an der Rütli-Schule, dennoch wollte Schuldirektor Dieter Hohn handeln. Engagiert kämpft er seit Jahren für seine Schüler, für das System und gegen Frust, Wut, Angst und Verzweifelung. "Ich bin für alle Wege offen, die die Situation an unserer Schule verbessern."
An manchen Tagen, berichtet Hohn, war in einigen Klassen Unterricht nicht mehr möglich. Null Chance auf Zukunft oder auf einen Arbeitsplatz schafften Null Bock auf Schule. Der Frust und die Ausweglosigkeit waren groß. Die Lehrer standen oft verzweifelt aggressiven Schülern gegenüber, häufig erschienen die Jugendlichen gar nicht mehr zum Unterricht. Statt gelernt, wurde gemobbt, gestört und manchmal sogar geprügelt.
Problemschüler gefördert
Im Oktober letzten Jahres nahmen Schuldirektor Hohn und seine Kollegen Hilfe von außen anzunehmen. Zwei Profis, so genannte "Coaches": Christin Müller, 39 Jahre, Lehrerin und seit zehn Jahren Familienpädagogin, Hendrik Stoya, 41 Jahre, seit 15 Jahren Schulsozialarbeiter an verschiedensten Schultypen. Beide sollen die Lehrer der Pommernschule ein halbes Jahr bei ihrer Arbeit unterstützen. Das Projekt wurde von Kameras begleitet. Die "Schulcoaches" begleiten den Unterricht und fördern dort gezielt Problemschüler, helfen bei persönlichen Schwierigkeiten und schlichten Konflikte unter den Schülern. Ein erster wichtiger Schritt der beiden Schulprofis: Sie führen in den Klassen neue Grundregeln ein, an die sich jeder Schüler halten muss – Schulpflicht, Pünktlichkeit, keine Schlägereien und keine Frechheiten gegenüber den Lehrern.
Schulverweigerer zu Hause abgeholt
Der erste Teil der Dokumentationsreihe stellt die Schule und ihre schwierige Situation vor und zeigt, wie die Schulprofis Christin Müller und Hendrik Stoya mit ihrer Arbeit an der Pommernschule beginnen. Der Zuschauer erfährt, auf welche Methoden die "Schulcoaches" setzen. So wird schon im ersten Teil mit einer erfolgreichen Streitschlichtung ein Konflikt gelöst, der das Gesamtklima einer ganzen Klasse erheblich gestört hatte. Auch dem Schulschwänzen wird der Kampf angesagt. Die größten Schulverweigerer werden von zu Hause abgeholt und zur Schule begleitet.
Die Sendetermine:
Teil 1: Dienstag, 2. Mai 2006, 21.00 Uhr
Teil 2: Mittwoch, 3. Mai 2006, 21.00 Uhr
Teil 3: Dienstag, 9. Mai 2006, 22.15 Uhr
Teil 4: Mittwoch, 10 Mai 2006, 23.15 Uhr
Teil 5: Mittwoch, 17. Mai 2006, 22.15 Uhr
Teil 6: Donnerstag, 18. Mai 2006, 22.15 Uhr
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