Die Allgemeine Sekundarschule - Dichtung und Wahrheit

"Das vom VBE im vergangenen Jahr vorgelegte Schulstrukturmodell der Allgemeinen Sekundarschule ist mehr als gemeinsames Lernen bis einschließlich Klasse 6 und eine anschließende strikte Trennung der Bildungsgänge", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). "Es ist auch keineswegs das Modell einer Einheitsschule, in der alle Kinder eines Jahrgangs zur gleichen Zeit das Gleiche lernen."

25.10.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Die Allgemeine Sekundarschule ist vielmehr ein Schulstrukturmodell, das sowohl Antworten auf die demografische Entwicklung als auch die schlechten deutschen Ergebnisse der internationalen Schulleistungsstudien der vergangenen Jahre geben kann.

Bei der Allgemeinen Sekundarschule handelt es sich um eine organisatorische, schulrechtliche und pädagogische Einheit.

Das Modell basiert darauf, dass ein Lehrerkollegium für alle Kinder von Klasse 5 bis einschließlich Klasse 10 verantwortlich ist und kein Kind an eine andere Schule "abgeschult" werden kann.

In den Jahrgangsstufen 5 und 6 ist der gemeinsame Unterricht verpflichtend.

Anschließend gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Ausgestaltung. Die integrierte Form bis einschließlich Klasse 10 ist ebenso möglich wie eine Trennung der Bildungsgänge nach Jahrgangsstufe 6 beziehungsweise nach Jahrgangsstufe 8. Im Fall getrennter Bildungsgänge muss aber für Schülerinnen und Schüler immer ein flexibler Wechsel - auch in einzelnen Fächern und für begrenze Zeit - zwischen den Bildungsgängen möglich sein. Da ein Kollegium für alle Schülerinnen und Schüler verantwortlich ist, lassen sich solche Wechsel leichter organisieren als im traditionellen, strikt gegliederten System. Darüber hinaus muss kein Schüler die Schule verlassen, wenn er zwischenzeitlich in seinen Leistungen absinkt. Die Frustration, abgeschult zu werden, bleibt Schülerinnen und Schülern somit erspart.

"Die Allgemeine Sekundarschule will mehr Kinder zu höheren Bildungsabschlüssen bringen", so Beckmann weiter. "Deshalb verzichtet sie auf das frühe Sortieren der Kinder in Bildungsgänge und lässt ihnen mehr Zeit für die eigene Entwicklung."

Schulträger und Lehrerkollegium entscheiden gemeinsam, für welche Form der Ausgestaltung sie sich entscheiden. Fällt beispielsweise die Entscheidung für eine Trennung der traditionellen Bildungsgänge nach Klasse 8, muss diese aber nicht für immer gelten. Es besteht auch die Möglichkeit, später auf die integrierte Form bis einschließlich Klasse 10 umzustellen.

"Die Allgemeine Sekundarschule ist somit das Gegenteil einer Einheitsschule, die überall nach demselben Muster organisiert ist und funktionieren muss", so Beckmann weiter. "Sie als solche zu bezeichnen, ist pure Ideologie. Das Modell ist aber auch keineswegs nur darauf beschränkt, die Kinder nach Klasse 6 wieder strikt voneinander zu trennen."

Das Modell der Allgemeinen Sekundarschule wird sowohl vom Städtetag NRW als auch vom Städte- und Gemeindebund NRW befürwortet. Die Schulträger schätzen die Flexibilität des Modells, weil sie wissen, dass sie angesichts sinkender Schülerzahlen dringend handeln müssen, um Schulschließungen zu vermeiden.

"Wenn dieses Modell nun in der Öffentlichkeit zerredet wird, droht vor allem den Schulträgern in den ländlichen Regionen die Chance genommen zu werden, ihre Schulen am Ort zu erhalten", so Beckmann abschließend. " Eine Schule am Ort ist aber ein entscheidender Standortfaktor. Es droht aber darüber hinaus auch vielen Kindern die Chance genommen zu werden, ihre Schulzeit ohne die Frustration einer so genannten Abschulung zu durchlaufen."


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