Die unbequeme Forderung nach PISA und OECD: Deutschland braucht eine Erziehungsoffensive in den Familien

"Ohne erzieherische Unterstützung der Eltern werden die Anstrengungen des Staates zur Verbesserung der Bildungsqualität in Schulen nicht die erhoffte Wirkung zeigen. Die Eltern müssen sich stärker in der Erziehungspflicht sehen. Denn es ist eine Illusion zu glauben, ´die Schule allein würde es schon richten'. Die ersten und wichtigsten Erzieher sind und bleiben die Eltern. Eine Bildungsoffensive in den Schulen ohne eine Erziehungsoffensive der Familien wird im Sande verlaufen." Dies erklärte Kultusminister Jürgen Schreier im Blick auf die Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudien.

28.09.2004 Sachsen Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für Kultus

Obwohl die Erziehung der Kinder "das natürliche Recht der Eltern und die zu förderst ihnen obliegende Pflicht ist", wie Art. 6 des Grundgesetzes es so treffend zum Ausdruck bringt, finde in vielen Familien Erziehung leider nicht mehr hinreichend statt. Jürgen Schreier: "Ein gesellschaftlicher Bewusstseinswandel für Erziehung ist längst überfällig. Die Schule kann aus sich allein heraus keine Steigerung der Bildungsqualität erzielen, wenn Eltern ihrer Erziehungsaufgabe nicht mehr gerecht werden. Eltern dürfen sich nicht nur als Kunden eines Bildungssystems verstehen, sondern sie müssen an dessen qualitativer Verbesserung aktiv und konstruktiv mitarbeiten."

Wie der Minister weiter ausführte, entstehe Schulerfolg nicht nur im Klassenzimmer. Vielmehr sei auch eine nachdrückliche familiäre Unterstützung nötig. Und daran kranke es in Deutschland. Während z. B. in Italien 86 Prozent, in den Niederlanden 70 Prozent und in Großbritannien 62 Prozent der Eltern regelmäßig persönliche Gespräche über Schule mit ihrem Nachwuchs führten, treffe dies in Deutschland laut der PISA-Studie nur auf knapp 42 Prozent zu. Während jedes dritte Elternteil in Japan, Großbritannien oder in Italien sich mehrmals in der Woche Zeit nehme, um mit den Kindern über Bücher, Filme und Fernsehen zu reden, seien dies in Deutschland nur knapp 16 Prozent. Wenn Kommunikation, so der Minister weiter, in viel zu vielen Elternhäusern vernachlässigt werde, sei es nicht verwunderlich, dass jedes vierte Kind in Deutschland inzwischen mit Sprachproblemen in die Schule komme.

Obwohl der größte Teil der Elternschaft seine erzieherische Verantwortung sehr ernst nehme, wiesen heute vermehrt Kinder familiäre Erziehungsdefizite in der Schule auf. Es sei traurige schulische Realität, dass Kinder morgens ohne Frühstück in die Schule kämen, eine große Zahl von Schülern grundsätzlich keine Hausaufgaben mehr machten, ihre Bücher verschlampten, aber keine Ersatzbücher beschafften. Es gebe Schüler, die selten vor Mitternacht zu Hause seien. Aber von der Schule werde erwartet, dass sie trotzdem schulischen Erfolg hätten. Das, so Schreier, passe nicht zusammen! Jürgen Schreier: "Es muss jedem wieder klar werden, dass schulischer Erfolg ohne nachhaltige und ständige Mitarbeit der Eltern nicht möglich ist."


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