Dramatische Entwicklung an Bremer Schulen
"Das, was nach PISA und Rütli-Schule nötig ist, fällt weg!" - so der trockene Kommentar eines erfahrenen Pädagogen zur Situation der Bremer Schulen im nächsten Schuljahr. Die Reaktionen auf die Planungen der Bildungsbehörde durch den Zentralelternbeirat und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft waren mehr als skeptisch. Selbst die Parteivertreter in der Bildungsdeputation konnten den Kürzungen nichts Positives abgewinnen. Jetzt meldet sich auch der Personalrat Schulen, die Vertretung der Beschäftigten an den rund 180 Bremer Schulen, zu Wort:
19.05.2006 Bremen Pressemeldung Bremen Senatorin für Wissenschaft und Häfen"Unterversorgung statt Unterrichtsversorgung – das ist die bittere Realität für Kinder und Jugendliche, Eltern und Beschäftigte an Bremer Schulen,", sagt der Personalratsvorsitzende Hajo Kuckero. "Oberste Priorität für Bildung", diesesWahlversprechen der großen Koalition könne inzwischen nur noch als reiner Hohn gesehen werden. Die tatsächliche Situation an den Schulen würde immer kritischer, trotz hohen Engagements der Beschäftigten und vieler neuer Qualitätsanstrengungen. Aber vor 10 Jahren gab es annähernd 20 % mehr Lehrkräfte als heute bei etwa gleicher Schülerzahl. Darüber hinaus sind die pädagogischen und organisatorischen Aufgaben der Schulen stark angewachsen.
"Diese Mehrarbeit können auch die besten Lehrkräfte und die anderen Beschäftigten an Schulen auf die Dauer nicht stemmen. Das kann nur zu schlechterem Unterricht für die Kinder und mehr Unterrichtsausfall durch zunehmende Krankenstände auf Grund der Überlastung führen!" erwartet der Personalratsvorsitzende. In solch einer Situation die Krankenreserve an den Schulen vollständig zu streichen, sei absolut unverständlich. Die von der Behörde vorgesehene Unterrichtsvertretung durch fremde Honorarkräfte sei nur sehr begrenzt wirksam, da sie meist nicht direkt eingesetzt werden könne und dann fehle, wenn sie am dringendsten gebraucht werde. Außerdem seien diese Kräfte den Kindern oft unbekannt und wüssten nicht, wie und woran gearbeitet werde. Darüber hinaus handele es sich teilweise nicht um voll ausgebildete Lehrer. Ähnlich sehe die Situation in den Bereichen Förderung und Integration aus, dort werde am meisten gekürzt. Es sei zu befürchten, dass Schulen in sozial benachteiligten Bereichen besonders stark betroffen sind. "Wir teilen die Befürchtungen von Eltern, Bildungspolitikern, Gewerkschaften und Schulpraktikern".
Der Personalrat –Schulen bemängelt außerdem, dass über diese Kürzungen notwendige Arbeitsplätze für Regelaufgaben der Schulen gestrichen würden (allein 800 in den letzten 10 Jahren). Durch die teilweise Vergabe an "Leiharbeiter-Firmen" würden zunehmend insbesondere pädagogische Kräfte und Reinigungspersonal in schlechtbezahlte, , befristete und teilweise nicht sozialversicherungspflichtige geringfügige Beschäftigungsverhältnisse gedrängt. "Das ist weder sozial noch christlich!" urteilt Hajo Kuckero.
Jetzt sei die gesamte Regierungskoalition und insbesondere der Finanzsenator gefordert.
"Wir dürfen Bremens Zukunft nicht wegkürzen, Kinder und Bildung müssen tatsächlich oberste Priorität bekommen. Herr Nussbaum muss handeln und die Schulen von den Kürzungen ausnehmen," fordert der Vorsitzende des Personalrats der Bremer Schulen.
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