Dringend nötig: Einstellungskorridor für Jugendämter
Die Aufgaben der Jugendämter nehmen zu. Krisenhafte Situationen in den Familien erfordern ein hohes Maß an Beratung, Unterstützung und Intervention. In den nächsten fünf Jahren ist die Neueinstellung von jährlich mindestens 50 SozialpädagogInnen in den Jugendämtern nötig, um nur den vorhandenen Standard der qualifizierten Arbeit mit entsprechendem Fachpersonal fortführen zu können.
16.02.2006 Berlin Pressemeldung GEW BerlinRose-Marie Seggelke, Vorsitzende der GEW BERLIN: "Das Jugendamt kann seine Aufgaben des Kinder- und Jugendschutzes in Zukunft nur qualifiziert wahrnehmen, wenn eine angemessene Ausstattung mit Fachpersonal sichergestellt ist. Dies ist nur durch die sofortige Einrichtung eines Einstellungskorridors insbesondere für sozialpädagogische Fachkräfte zu gewährleisten."
In diesem Zusammenhang weist die GEW BERLIN auf die vermehrt von der Öffentlichkeit und den Medien aufgegriffenen Fälle der Verwahrlosung, der zunehmenden Vernachlässigung oder sogar Misshandlung von Kindern in Berlin hin. Demgegenüber sind in den letzten zwei Jahren in den bezirklichen Jugendämtern allein 70 Stellen gestrichen worden. Zusätzlich hat die Verringerung der Arbeitszeiten für die Angestellten eine Reduzierung im Umfang von weiteren 105 Stellen zur Folge gehabt, ohne dass Aufgaben wegfielen!
Es reicht nicht, sich als Senat der Forderung nach verpflichtenden Reihenuntersuchungen für Kinder anzuschließen, wenn die zuständigen Stellen ihre Aufgaben aufgrund der vorhandenen Mangelausstattung nicht erledigen können.
Es ist grenzt an Zynismus Jugendämter dafür zu kritisieren, dass sie bewährte personal- und finanzintensive Hilfe- und Schutzkonzepte wie z. B. Hausbesuche und Unterstützung von Eltern in schwierigen Situationen nicht ausreichend gewährleisten, wenn gleichzeitig die Personal- und Sachmittelmittel drastisch gekürzt werden. Hier sollte sich Berlin ein Beispiel am so oft zum Vergleich herangezogenen Hamburg nehmen, das seine Jugendämter sehr viel besser ausstattet.
Klaus Schroeder, Leiter des Referats Jugendhilfe und Sozialarbeit in der GEW BERLIN: "Es ist erfreulich, dass Öffentlichkeit und Medien zunehmend für das Problem von Kindesmisshandlung und -verwahrlosung sensibilisiert sind. Lippenbekenntnisse aber helfen den Jugendämtern und den betroffenen Kindern nicht weiter. Der Senat bleibt in der Verantwortung, schnell für Abhilfe zu sorgen, damit die personelle Unterausstattung in den Jugendämtern beendet wird. Der Einstellungsstopp muss aufgehoben werden, damit die Jugendämter ihren Aufgaben der Prävention und Intervention nachkommen können."
Für Nachfragen wenden Sie sich bitte an: Klaus Schroeder, GEW BERLIN: 0151/14257300
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