Eröffnung der internationalen Jugendbegegnungsstätte und Jugendherberge "Haus Szczypiorski" in der Gedenkstätte Sachsenhausen
In der Gedenkstätte Sachsenhausen (Oberhavel) wird am Wochenende mit einem zweitägigen Veranstaltungsprogramm die internationale Jugendbegegnungsstätte und Jugendherberge "Haus Szczypiorski" der Öffentlichkeit vorgestellt. An der offiziellen Eröffnung am Sonntag nehmen unter anderem Bildungsminister Holger Rupprecht, Kulturministerin Prof. Dr. Johanna Wanka, der Botschafter der Republik Polen, Dr. Marek Prawda, sowie ehemalige Häftlinge des KZ Sachsenhausen und des sowjetischen Speziallagers teil.
22.10.2006 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes BrandenburgTräger der Jugendherberge mit 32 Übernachtungsplätzen ist der Landesverband Berlin-Brandenburg des Deutschen Jugendherbergswerks, verantwortlich für die historisch-politische Bildungsarbeit ist die Gedenkstätte Sachsenhausen. In dem Haus können sich Schüler, Jugendliche und Erwachsene intensiv mit der Geschichte des Ortes beschäftigen.
"Mit der Eröffnung des Hauses erhalte das Land einen weiteren Lernort für Schüler und Jugendliche", sagte Bildungsminister Holger Rupprecht bei der Eröffnung am Sonntag. "Ich erlebe, dass diese Geschehnisse aus dem vorigen Jahrhundert für Jugendliche heute nur noch schemenhaft aus den Geschichtsbüchern erkennbar werden. Junge Menschen nehmen es als selbstverständlich hin, dass es zwischen Deutschland und seinen Nachbarn kaum noch wahrnehmbare Grenzen gibt. Damit diese begrüßenswerte Selbstverständlichkeit nicht zur geschichtslosen Indifferenz wird, muss die Erinnerung an die Auseinandersetzungen zwischen den Völkern, die Erinnerung an den mörderischen Hass und die mörderischen Taten, die die nationalsozialistische Ideologie hervorgebracht hat, lebendig gehalten werden."
Auch Kulturministerin Johanna Wanka verwies darauf, "dass die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts für das zusammenwachsende und größer werdende Europa des 21. Jahrhunderts noch viel Gesprächsstoff beinhaltet. Ich bin froh und dankbar, dass für diese notwendigen Diskussionen und Debatten mit der Jugendbegegnungsstätte jetzt auch in Sachsenhausen ein angemessenes und einladendes Haus bereitsteht. Besonders verpflichtet fühlen wird sich dieses neue Haus der Förderung des Dialogs zwischen jungen Deutschen und Polen."
"Historisches Lernen und internationale Begegnungen brauchen viel Zeit und einen Ort, an dem man sich wohlfühlen kann", sagte der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Prof. Dr. Günter Morsch. "Das Haus Szczypiorski erfüllt diese Bedingungen in hohem Maße und wir freuen uns darauf, es mit Leben zu füllen."
Das Haus wurde 1938/39 von Häftlingen des KZ Sachsenhausen als "Dienstwohnung mit Empfangsräumen" für den "Inspekteur der Konzentrationslager", Theodor Eicke, errichtet. Nachdem er 1943 ums Leben gekommen war, bewohnte seine Ehefrau das Haus bis Kriegsende. Bis 1990 nutzte die Nationale Volksarmee der DDR das Haus als Krankenstation. 1993 wurde das Gebäude von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten übernommen.
Im Jahr 2005 schlossen die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und das Deutsche Jugendherbergswerk / Landesverband Berlin-Brandenburg einen Kooperationsvertrag über den Ausbau und den Betrieb einer Internationalen Jugendbegegnungsstätte ab. Der Ausbau wurde mit Mitteln des Bundesfamilienministeriums und des brandenburgischen Bildungsministeriums in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro unterstützt. Namensgeber der Einrichtung ist der bedeutende polnische Schriftsteller und ehemalige Häftling des KZ Sachsenhausen, Andrzej Szczypiorski (1928 - 2000). Durch sein literarisches Werk und seine politische Arbeit hat er viel zur Verständigung zwischen Polen und Deutschen beigetragen.
Keine Kommentare vorhanden