Fortbildung von Anfang an: PEBE schafft Orientierung für gelungenen Berufseinstieg
Der Berufseinstieg ist nach den Worten des Staatssekretärs im Hessischen Kultusministerium, Joachim Jacobi, zu einem wichtigen Thema für die hessischen Berufsschulen geworden. "An den Schulen Hessens findet ein Generationenwechsel statt, der viele junge Lehrerinnen und Lehrer in die Kollegien führt. In Zukunft wird es gerade für junge Lehrkräfte in der Berufseinstiegsphase einen steigenden Fortbildungsbedarf geben", sagte Jacobi bei der Abschlusstagung des Modellversuchs PEBE (Personalentwicklung in der Berufseinstiegsphase im Hinblick auf eine Modernisierung beruflicher Bildung), die heute in Frankfurt stattfand.
07.09.2004 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und ChancenSeit dem Schuljahr 1998/99 ist die Zahl der Lehrer an beruflichen Schulen in Hessen um 25 Prozent von 5.849 auf 7.280 gestiegen. Das Land rechnet in den nächsten Jahren mit jährlich rund 250 Neueinstellungen in den Berufsschulen. Der steigende Personalbedarf der Schulen führt viele junge Lehrerinnen und Lehrer ohne Erfahrungen mit dem Berufsalltag in die beruflichen Schulen. Diesem Thema hat sich der Modellversuch PEBE angenommen.
"Die Berufseinsteiger bringen reichhaltige Vorstellungen, die durch persönliche Perspektiven, die Universitätsausbildung und den Vorbereitungsdienst geprägt sind, in die Schule ein. Es stellt eine Herausforderung für die Berufseinsteiger und das System Schule dar, diese Vorstellungen umzusetzen, weil das System Schule nicht immer darauf eingerichtet ist. Hier setzt Personalentwicklung nach den Vorstellungen des Modellversuchs PEBE an", sagte Jacobi.
Für die Schule der Zukunft werde es notwenig sein, so der Staatssekretär, "dass die Kollegien selbstverantwortlich arbeiten, dass Schule offener und transparenter gestaltet wird, dass Unterricht auf dem neuesten didaktischen und methodischen Stand ist und dass an Berufsschulen ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen den Lernorten Schule und Betrieb gepflegt wird". Das Land Hessen unternehme viele Anstrengungen, um seine Schulen modern und zukunftsfähig zu machen. Ein wesentlicher Schritt sei das von allen Parteien des hessischen Landtags getragene Modellvorhaben "Selbstverantwortung plus". Das Projekt stärkt die Eigenverantwortung der Schule bei Fragen der Qualitätsentwicklung und -sicherung, Organisationsstruktur, Personalgewinnung und -entwicklung, Finanzen und Bildungsangebot.
Ferner werde das 3. Gesetz zur Qualitätssicherung in hessischen Schulen alle Lehrkräfte in Hessen verbindlich zur Erweiterung ihrer Qualifikationen auffordern. "Lehrerfortbildung wird in Zukunft verbindlich sein, damit Unterricht mit neuesten methodischen Instrumenten und einer aktuellen fachlichen Basis erteilt wird", erklärte Jacobi. Denn nur durch die ständige Aktualisierung des Wissens und Könnens der Lehrkräfte könne der hochgesteckte Anspruch an die Qualität der Schulen eingelöst werden. Darüber hinaus wird auch die Fortbildung künftig verstärkt in die Eigenverantwortung der Schulen und der Lehrerinnen und Lehrer gelegt werden: "Die Schulen stellen hierzu einen Fortbildungsplan auf, die einzelnen Lehrerinnen und Lehrer dokumentieren ihre Fortbildung in einem Portfolio."
Neue Wege in der Lehrerfortbildung verlangten auch Orientierungspunkte für einen gelungenen Berufseinstieg. "Die Ergebnisse des Modellversuchs PEBE können hier wegweisend sein", so Jacobi. Ziel von PEBE war der Ausbau der innovativen Potenziale der Berufseinsteiger für die Modernisierung der beruflichen Bildung. An dem Modellversuch, der im September 2001 gestartet wurde, haben neun berufliche Schulen aus drei Schulamtsbezirken (Gießen, Kassel, Wiesbaden) teilgenommen. Es wurden sechs Regionalteams gebildet, in denen 50 Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger mitgearbeitet haben. Das Land Hessen hat den Modellversuch gemeinsam mit dem Bund gefördert. Es wurden Entlastungsstunden gewährt und Mittel von insgesamt 200.000 € zur Verfügung gestellt.
Ausgangspunkt der Arbeit des Modellversuchs PEBE war die konkrete berufliche Situation der Berufseinsteiger. Sie kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen an die Schulen: Sie haben Studiengänge absolviert, die sich entweder auf die zukünftige Tätigkeit als Lehrer oder Lehrerin beziehen oder sie sind als Seiten- und Quereinsteiger bislang nur Experten ihres beruflichen Fachgebiets. Für beide Gruppen wurden im Modellversuch Wege entwickelt, wie sie den Berufseinstieg bewältigen, dabei ihre berufliche Identität gewinnen und ihre individuellen Potenziale einbringen können.
Erfolgreich erprobt wurden dabei Instrumente des Qualitätszirkels und des Coachings, also der intensiven Zusammenarbeit von Kolleginnen und Kollegen und der eingehenden Beratung durch externe Kräfte. "Die Prozesse, die PEBE in den beteiligten Regionen ausgelöst hat, sind beispielgebend für die zukünftige Lehrerfortbildung", sagte Jacobi, der sich von dem Modellversuch eingehende Transferleistungen, die über die teilnehmenden Regionen und die berufsbildende Schule hinausgehen, erwartet.
Keine Kommentare vorhanden