Gegenwind für Kultusminister

(bikl) In Hessen verwehren Schulleiter der Kultusministerin in Sachen Unterrichtsgarantie die Gefolgschaft und in Bayern warnen naturwissenschaftliche Fachverbände vor einer gravierenden Fehlentwicklung in der gymnasialen Oberstufe.

19.06.2006 Artikel
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Das Betreuungsprogramm "Unterrichtsgarantie plus", mit dem Kultusministerin Karin Wolff (CDU) ab kommenden Herbst den Stundenausfall reduzieren will, ist in Hessen schon lange heftig umstritten. Nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" sollen jetzt Schulleiter, die sich besonders kritisch geäußert haben und nicht die geforderten Vertretungspools gegen Unterrichtsausfall einrichten, dem Kultusministerium gemeldet werden. Ihnen drohe die Abordnung an eines der 15 Staatlichen Schulämter, schreibt die Zeitung.

Mit dem Betreuungsprogramm "Unterrichtsgarantie plus" sollen bis zur Jahrgangsstufe 10 feste Schulzeiten gelten und bei Ausfällen von Lehrern soll vom ersten Tag die schulische Versorgung gesichert sein. Für Aushilfskräfte erhalten die Schulen je Lehrerstelle 1000 Euro pro Schuljahr. Allerdings sollen nicht unbedingt andere Lehrer oder pädagogisch qualifizierte Fachkräfte die Vertretung übernehmen, sondern Mitarbeiter auf Honorarbasis.

Weil dies nach Auffassung vieler Schulleiter und Kollegien eine Billiglösung und eine Entwertung des Lehrerberufs ist, wehren sich Schulleitungen schon seit Monaten gegen Wolffs Konzept, das zudem mit einem hohen Bürokratieaufwand verbunden ist. Diese Kritik wird jetzt offensichtlich vom Ministerium mit Sanktionen beantwortet. In dem Schreiben des Ministeriumssprechers Christian Boergen an die FR heißt es dazu: "Loyalität gehört zu den Dienstpflichten der hessischen Schulleiterinnen und Schulleiter. Zeitweilige Abordnungen an Staatliche Schulämter sind kein unübliches Verfahren." Der GEW-Landesvorsitzende Jochen Nagel kündigte rechtliche Schritte gegen mögliche Abordnungen an. Die GEW werde das Verhalten der Ministerin nicht akzeptieren, erklärte Nagel gegenüber der FR.

Derweil warnen in Bayern Naturwissenschaftler in einem Offenen Brief an die Bayerische Staatsregierung und die Mitglieder des Bayerischen Landtags vor den Auswirkungen des achtjährigen Gymnasiums auf den Fächerkanon. Darin nehmen die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG), die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) und der Verbund biowissenschaftlicher und biomedizinischer Gesellschaften (vbbm) gemeinsam Stellung zum Kabinettsbeschluss über die neue Stundentafel für die Oberstufe an G8-Gymnasien in Bayern.

Die vier Fachgesellschaften begrüßen zwar die Einführung des achtjährigen Gymnasiums in Bayern, warnen aber vor einer gravierenden Fehlentwicklung, wenn in der Oberstufe nur noch ein naturwissenschaftliches Fach verpflichtend belegt werden muss. Sie appellieren an die Bayerischen Landespolitiker, die Stundentafel für die gymnasiale Oberstufe nochmals zu überarbeiten. "Die Naturwissenschaften müssen gleichrangig neben Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache stehen", heißt es in dem Schreiben. Diese Forderung wird damit begründet, dass "Bildung, Forschung, Naturwissenschaft und Technik zu den Schlüsselfaktoren für ein erfolgreiches Bestehen im Wettbewerb der Hochtechnologieländer gehören".

Mehr zum Projekt "Unterrichtsgarantie plus" auf bildungsklick.de


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