Honnefelder: Positive Vorzeichen für den Buchmarkt

Die Stimmung in der Buchbranche hellt sich auf. Gut ein Viertel der Buchhändler glaubt, die Umsatzentwicklung wird in den nächsten Monaten gut, 60 Prozent gehen nach einer Untersuchung des Instituts für Handelsforschung in Köln von einer ähnlichen Umsatzentwicklung aus wie im vergangenen Jahr. "Eine positive Stimmung der Buchhändler überträgt sich auch auf die Buchkäufer", sagt Gottfried Honnefelder, Vorsteher im Börsenverein des Deutschen Buchhandels, anlässlich der Pressekonferenz zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse. Belebend für den Buchmarkt werde zudem die Leipziger Messe wirken, denn sie vermittle Begeisterung für Bücher, das Lesen und Vorlesen.

15.03.2006 Pressemeldung Börsenverein des Deutschen Buchhandels

"Die Buchbranche schrieb nach ersten Schätzungen 2005 - cum grano salis - wie im Vorjahr schwarze Zahlen", so Honnefelder. Nach den Zahlen, die media control GfK International für den Börsenverein erhebt, liegt insbesondere die Belletristik im Trend. Mit einem leichten Plus von 1,3 Prozent hat sich diese Sachgruppe auf hohem Niveau konsolidiert. Traditionell im Trend liegen hier die Kriminalromane (plus 4,5 Prozent), außergewöhnlich stark angewachsen ist im vergangenen Jahr das kleine Segment fremdsprachige Literatur (plus 55,1 Prozent). Das liegt am gestiegenen Interesse der Leser an Literatur in Originalsprache, es gab andererseits im letzten Jahr auch 30 Prozent mehr Titel dieser Titelgruppe auf dem Markt als noch 2004.

Sehr starke Wachstumsraten hatte das Kinder- und Jugendbuch. Über die Hälfte der Buchhändler machten mit dieser Warengruppe im vergangenen Jahr einen besseren Umsatz als 2004. Das lag auch, aber nicht nur an "Harry Potter", denn diese Warengruppe schaute im Durchschnitt über das gesamte Jahr hinweg auf einen Umsatzzuwachs von 15,7 Prozent. Hoffnungsträger bleibt das Hörbuch, es hatte 2005 einen Umsatzzuwachs von 14,1 Prozent. Das bestätigen auch die Buchhändler: Über 40 Prozent der Buchhändler sprechen von einem besseren Umsatz mit Hörbüchern.

Als die beiden Kernthemen für die Buchbranche in diesem Jahr bezeichnete Gottfried Honnefelder die Auseinandersetzungen um das Urhebervertragsrecht und das Thema Volltextsuche online. Weil in dem seit 2003 geltenden Urheberrechtsgesetz die Vergütung der Übersetzer mehrdeutig geregelt ist, wurden im Herbst 2005 erste Fälle vor Gericht verhandelt. "Diese Situation ist unbefriedigend", so Honnefelder, "die in den meisten Urteilen derzeit vorgeschriebene Höhe der Honorare und die Möglichkeit der Nachforderung macht das Verlegen fremdsprachiger Literatur in deutscher Sprache zum unkalkulierbaren Risiko." Schon 2004 waren die Zahlen der übersetzten Buchtitel von 7.500 auf 5.400 zurückgegangen. "Wenn die Unsicherheit bleibt, wird sich diese Entwicklung fortsetzen", so Honnefelder.

Wichtig im digitalen Zeitalter sei das Projekt "Volltextsuche online", das der Börsenverein in diesem Jahr realisieren wolle. Im Herbst sollten die ersten Titel für die Öffentlichkeit im Netz abrufbar sein; die Kontrolle über die Texte würde bei den Autoren und Verlagen bleiben. Damit gehe der Börsenverein nicht in Konkurrenz zu großen Suchmaschinenanbietern, sondern ergänzte deren Angebot im Sinne der Buchbranche, so der Vorsteher. Bislang planen 100 Verlage, sich an dem Projekt zu beteiligen.

Ansprechpartner

Börsenverein des Deutschen Buchhandels
Großer Hirschgraben 17-21
60311 Frankfurt am Main
Web: http://www.boersenverein.de

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