IKT-Nutzung an Schulen muss noch besser erforscht werden
"Schule und neue Medien im Spiegel von PISA & Co. Europäische Perspektiven" lautete das Thema des 2. Internationalen Workshops, den Schulen ans Netz e. V. im Berliner dbb-Forum veranstaltete. Das Erscheinen der PISA 2003-Studie war Anlass, den Einsatz neuer Medien und ihren Beitrag zu Lernerfolg und -kultur im Spiegel weiterer internationaler Studien wie SITES und PIRLS zu betrachten. Fachleute aus den Niederlanden, aus Luxemburg, Großbritannien und Deutschland diskutierten über die Studien und erörterten Problem- und Handlungsfelder. Aufschlussreich waren aus deutscher Sicht Beiträge, die aufzeigten, wie im Ausland der Gebrauch von neuen Medien in der Schule wissenschaftlich begleitet und evaluiert wird. Es bedarf, so der Tenor der Diskussion, noch viel stärker als bislang qualitativer Studien, die auf differenzierte Weise Daten sowohl im schulischen als auch außerschulischen Bereich erheben.
03.02.2005 Pressemeldung Schulen ans Netz e. V.PISA 2003 hat den deutschen Schulen erheblichen Nachholbedarf bei der IKT-Nutzung bescheinigt. "Schule spielt in Deutschland nur eine geringe Rolle bei der Vermittlung von Computerkenntnissen", erläuterte Martin Senkbeil vom Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) der Universität Kiel in seinem Vortrag. Das IPN war Koordinator der PISA-Studie 2003 in Deutschland. Deutsche Schüler hätten zwar großes Interesse an neuen Medien, nutzten diese aber noch zu häufig zum Spielen. Hier müsse die Schule noch stärker als bisher als Vermittlungsinstanz in Aktion treten. Denn die IKT-Nutzung an Schulen habe, so Senkbeil, erwiesenermaßen einen positiven Einfluss darauf, zu welchen Zwecken der Computer eingesetzt wird.
Quantitative Studien wie PISA oder SITES liefern wichtige Erkenntnisse für die nötigen Veränderungen im Bildungssystem. Doch die Ergebnisse der Untersuchungen werfen auf vielen Feldern Fragen auf. Um künftig Handlungsfelder für einen verbesserten Einsatz von IKT im Unterricht zu bestimmen, bedarf es, so die Referenten, einer differenzierteren Datenerhebung. Qualitative Studien in Form von exemplarischen Untersuchungen können Aufschlüsse darüber geben, welche Bedingungen und Faktoren beim IKT-Einsatz zu berücksichtigen sind.
Bert Jaap van Oel vom niederländischen Inspektorat für Erziehung zeigte in seinem instruktiven Vortrag auf, wie man in den Niederlanden durch exemplarische Schulporträts zu ermitteln versucht, welche Faktoren für den IKT-Einsatz verantwortlich sind. Im Fokus der Untersuchung steht dabei immer der innovative Einsatz von Computer und Internet. "Auch Schulleiter, Lehrkräfte und Schüler sind an der Evaluation beteiligt und empfinden dies als Bereicherung", unterstrich van Oel.
Ein wichtiges Fazit der Berliner Veranstaltung: Evaluationen werden in Zukunft noch in einem weit höheren Maße die notwendigen bildungspolitischen Veränderungen initiieren. Lehrkräften müssten auf diesem Feld Kompetenzen entwickeln.
Der Reader zur Veranstaltung, der in Auszügen die wichtigsten Vergleichsstudien enthält, ist unter en.schulen-ans-netz.de/internationalaffairs/activities/dokus/Reader.pdf zu finden.
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