Kämpfen für den Schutz der Urheberrechte
Der Schutz des Urheberrechts, die unbefriedigende Marktentwicklung bei Bildungsmedien sowie Ziele und Aufgaben einer PR fürs Schulbuch standen im Mittelpunkt der zweitägigen Hauptversammlung des Schulbuchverlegerverbandes VdS Bildungsmedien am 16. und 17. Juni in Schwerin. Der Verband, dem 77 Schulbuchverlage und Hersteller von Bildungsmedien in Deutschland angehören, will sich bei der laufenden Urheberrechtsnovelle "Zweiter Korb" verstärkt dafür einsetzen, dass die Rechte der Autoren und damit auch die der Verlage bei der Neuordnung des Urheberrechts im digitalen Zeitalter gewahrt bleiben.
21.06.2005 Pressemeldung Verband Bildungsmedien e. V.Weitere Diskussionspunkte waren die unbefriedigende Marktentwicklung bei Bildungsmedien und die Sorge der Schulbuchverleger, dass bei den in einer ganzen Reihe von Bundesländern laufenden Änderungen der Lernmittelfreiheit auch tatsächlich die Bildungsmedienausstattung der Schüler verbessert und nicht einfach nur der Kostenträger ausgetauscht wird. Der wachsenden Bedeutung des privaten Schulbuchkaufes will der Verband durch eine PR zu den Vorzügen des eigenen Schulbuchs gerecht werden. In Niedersachsen und Hamburg hatte er dazu Ende Mai/Anfang Juni eine erste öffentlichkeitswirksame und landesweite Kampagne durchgeführt. Weitere Schritte - so der Beschluss der Hauptversammlung - sollen im nächsten Jahr folgen.
Bei den anstehenden Vorstandswahlen rückte neu Karl Slipek (Ernst Klett Verlag) in das Führungsgremium der Branche. In ihren Ämtern bestätigt wurden Michaela Hueber (Max Hueber Verlag) und Andreas Klinkhardt (Verlag Julius Klinkhardt). Dem Vorstand gehören weiter Wilmar Diepgrond, Schatzmeister (Bildungsverlag EINS), Wolf-Rüdiger Feldmann, stellvertretender Vorsitzender (Cornelsen Verlag), und Hans-Dieter Möller (Bildungshaus Schulbuchverlage Westermann Schroedel Diesterweg Schöningh Winklers GmbH) an. Vorsitzender des Verbandes ist seit 2003 Dr. Gerd-Dietrich Schmidt, Duden Paetec Schulbuchverlag. Nach achtjähriger Vorstandstätigkeit, zuletzt als stellvertretender Vorsitzender, stellte sich Johannes Leßmann (Ernst Klett Verlag) nicht mehr zur Wahl. Er wurde unter anderem auch wegen seiner langjährigen Tätigkeit im gemeinsamen Messeausschuss mit dem didacta Verband von der Hauptversammlung mit Beifall verabschiedet.
Urheberrechte schützen
Der Schutz der Urheberrechte war das Schwerpunktthema der 50. Hauptversammlung des VdS Bildungsmedien. Dabei sieht die Branche die Verwerterrechte gleich auf mehreren Ebenen bedroht. Zum Einen gibt es in der laufenden Urheberrechtsnovelle "Zweiter Korb" Versuche öffentlicher Institutionen, der Bibliotheken und der Universitäten, unter dem Schlagwort der "offenen Wissensgesellschaft" die Urheberrechte der Bildungsmedienverlage in ihrem Primärmarkt - den Universitäten, Schulen und Volkshochschulen - in Frage zu stellen. Hintergrund dieser Initiativen ist die öffentliche Finanznot, die man auf Kosten der Verlage lösen möchte. Der VdS will zur Abwehr dieser Initiativen weiter eng mit den anderen Rechteinhaberverbänden kooperieren.
Auf der anderen Ebene - in den Schulen, in den Familien und vor allem im Internet - müssen die Verlage mit dem immer weiter zunehmenden Unwesen des Raubkopierens kämpfen. Aus Unrechtsbewusstsein, aus Geiz oder auch wegen handfester geschäftlicher Interessen werden immer öfter Bildungsmedien kopiert und im Internet oder auch in Copyshops zum Verkauf angeboten. Der Verband hat hierzu eine Initiative zur verschärften Verfolgung solcher Delikte gestartet: Er unterstützt finan-ziell die Verfolgung und Bestrafung besonders eklatanter Verstöße und wird dazu auch Abmahnvereine einschalten. Bereits vor einem Jahr hat der Verband mit einer Informationsbroschüre, die in den Schulen breit gestreut wurde, für Aufklärung in Sachen Urhebererrecht gesorgt.
Lernmittelfreiheit und Schulbuchmarkt
Den Rückzug des Staates aus der Lernmittelfinanzierung sieht die Schulbuchverlagsbranche mit gemischten Gefühlen. Nachdem in den letzten zwei Jahren Berlin, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt die Lernmittelfreiheit entscheidend verändert und eine starke Elternbeteiligung eingeführt hatten, folgen 2005 Hamburg, Bayern und Thüringen mit einschneidenden Veränderungen. Seit 2002 haben sich die öffentlichen Schulbuchausgaben von knapp 280 Mio. EUR auf 2004 nur noch 245 Mio. EUR negativ entwickelt. Für 2005 erwartet die Branche angesichts der Lernmittelfreiheitsänderungen in gleich drei Bundesländern nur noch 210 Mio. EUR öffentliche Schulbuchausgaben. Was der Staat spart, müssen seit drei Jahren die Eltern drauflegen. In der Summe verbessert sich dadurch bundesweit die Ausstattung der Schulen nicht. Insbesondere bei den neuen Schulbuchmietsystemen in Bayern und Thüringen werden einfach nur die Kostenträger ausgetauscht, ohne dass die schlechte Schulbuchausstattung verbessert wird. Hier fordert der Verband ein Umdenken, damit die Schulen die eingeleiteten Bildungsreformen nach PISA tatsächlich mit neuen und aktuellen Schulbüchern im Unterricht umsetzen können.
Werbung fürs Schulbuch
Durch den Rückzug des Staates aus der Lernmittelfinanzierung wächst die Notwendigkeit zur Ei-geninitiative bei den Eltern und Schülern. Dieses Eigenengagement zu unterstützen, war das Ziel einer ersten Pro-Schulbuch-Kampagne, die der VdS Ende Mai/Anfang Juni in Hamburg und Niedersachsen mit der landesweiten Plakatierung der Aktion "Eigener Kopf. Eigenes Schulbuch." durchgeführt hat. Die provokativ und nicht ohne Humor konzipierte Kampagne fand in beiden Bundesländern eine hohe Aufmerksamkeit und forderte zur Diskussion und zum Widerspruch auf der Kampagnenseite www.eigenes-schulbuch.de heraus. Auf der Hauptversammlung wurde diese Aktion positiv bewertet. Die Aufklärung über die Leistungsfähigkeit und den Wert moderner Bildungsmedien soll nach dem Willen der Mitglieder eines der Schwerpunktthemen der Verbands-PR sein. Wann und wo die Kampagne weitergeführt werden soll, entscheidet der Vorstand nach Auswertung der diesjährigen Aktion.
Umsetzung der Rechtschreibreform
Auf ihrer Verbandstagung begrüßt haben die Schulbuchverlage die Entscheidung der Kultusministerkonferenz, die unstrittigen Teile der Rechtschreibreform zum 1.8. endgültig in Kraft zu setzen. Die durch den Rat für die deutsche Rechtschreibung empfohlenen Änderungen bei der Getrennt- und Zusammenschreibung lassen sich nach Auffassung der Verlage relativ unaufwändig in die Schulbücher einarbeiten. Ohne Kosten für die Verlage wird dies allerdings nicht ablaufen. Die Hauptversammlung äußerte die Erwartung, dass durch diesen Kompromiss auch der "Rechtschreibfriede" insgesamt wiederhergestellt werden kann.
Ansprechpartner
Verband Bildungsmedien e. V.Dr. Dagny Ladé
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Telefon: +49 69 98 66 97 6 - 14
Fax: +49 69 98 66 97 6 - 20
E-Mail: lade@bildungsmedien.de
Web: www.bildungsmedien.de
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