Kritische Beschäftigung mit der eigenen Geschichte bleibt unser Auftrag

"Die Aufklärungsarbeit der Landesregierung über die NS-Verbrechen auf hessischem Boden wird auch zukünftig nicht nachlassen." Das hat der Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, Joachim Jacobi, bei einer Feier anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Gedenkstätte Breitenau in Guxhagen bekräftigt. "Die kritische Beschäftigung mit der eigenen Geschichte bleibt unser Auftrag, um uns und nachfolgende Generationen vor Verharmlosungen und Abmilderungen zu bewahren", sagte Jacobi und würdigte ausdrücklich die Arbeit der Gedenkstätte. Er dankte dem Trägerverein, dem Landeswohlfahrtsverband und den in der Gedenkstättenpädagogik tätigen Lehrkräften.

21.09.2004 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Bereitenau war in den Jahren von 1933 bis 1945 zunächst ein frühes Konzentrationslager für politische "Schutzhaft"-Gefangene aus dem Regierungsbezirk Kassel, im Zuge der Novemberpogrome vorübergehend Inhaftierungsort für jüdische Bürger aus Guxhagen und Umgebung und von 1940 bis 1945 "Arbeitserziehungs- und Konzentrationssammellager" der Gestapostellen Kassel und Weimar. Nach 1945 wurden die Spuren des Lagers Breitenau verwischt, bis sie im Jahre 1979 bei Forschungsarbeiten wieder entdeckt wurden.

Nachdem Studenten von Prof. Krause-Vilmar für den Herbst 1982 eine Ausstellung "Erinnern an Breitenau 1933 bis 1945" erarbeitet hatten, wurde im Sommer 1984 die Gedenkstätte Breitenau eingerichtet. Träger ist der Verein zur Förderung der Gedenkstätte und des Archivs Breitenau e.V. Die enge Kooperation mit der Universität Kassel hat ergänzend zur pädagogischen Tätigkeit der Gedenkstätte eine Vielzahl regionalgeschichtlicher Arbeiten zur NS-Zeit in Nordhessen hervorgebracht. Die Gedenkstätte verfügt heute über eine umfangreiche Präsenzbibliothek, verschiedene Medienangebote und ein beachtliches historisches Archiv. Die hat sich durch ihr vielfältiges Veranstaltungsangebot aus Lesungen, Zeitzeugengesprächen, Vorträgen, Filmabenden und Sonderausstellungen zu einem Zentrum politischer Kultur in der Region entwickelt. "Die Zahl von 100.000 Besuchern, davon 45.000 Schülerinnen und Schüler, spricht für sich", so Jacobi.

Die Geschichte aufzuarbeiten helfe mit, aus der Geschichte lernen zu können. Diese Verpflichtung nehme die Landesregierung auf vielfältige Weise wahr. So stelle das Kultusministerium seit vielen Jahren in jedem Schuljahr Anrechnungsstunden für die Gedenkstättenpädagogik zur Verfügung. "Der Trägerverein der Gedenkstätte Breitenau kann sich der Unterstützung der Landesregierung auch in der Zukunft sicher sein", bekräftigte der Staatssekretär. Das Kultusministerium achte zudem darauf, dass die Lehrpläne für hessische Schulen die Thematik ausreichend behandelten.

"Die Erinnerung an Unrecht und Unterdrückung in der europäischen und deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts hat in der politischen Bildungsarbeit im Auftrag des Landes Hessen einen hohen Stellenwert", sagte der Staatssekretär. Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung erfülle diese Aufgabe durch Seminarangebote, Veranstaltungen, Jugendbegegnungen und Broschüren. Weitere, vom Land geförderte Einrichtungen sind u.a. die Gedenkstätte Hadamar, das Dokumentations- und Informationszentrum Stadtallendorf, die ehemalige Synagoge Riedstadt-Erfelden und die Gedenkstätte Schwalmstadt-Trutzhain.


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