Kultusministerin Karin Wolff: "Verlässliche Schule macht Fortschritte"
"Wir kratzen an der 80-Prozent-Marke", berichtete Hessens Kultusministerin Karin Wolff bei einer Pressekonferenz heute in Wiesbaden über Fortschritte beim Bilden der Vertretungspools für die Verlässliche Schule im Rahmen der Unterrichtsgarantie Plus: "Auch an Schulen, wo Gewerkschaftsfunktionäre und selten gut besuchte Personalversammlungen Protestnoten in die Welt gesetzt haben, stehen ganz überwiegend die Pools mit qualifizierten Vertretungskräften – und das Wochen vor Schuljahresbeginn. Meine Zuversicht wächst mit jedem Tag."
04.07.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und ChancenDas Erreichte spreche für die Schulleiterinnen und Schulleiter, deren Sorgen und Nöte sie ernst nehme, sagte die Staatsministerin. Befürchtungen einzelner Eltern, kurzfristige Vertretungseinsätze externer Kräfte könnten zu Lasten der Unterrichtsqualität gehen, sieht sie durch Praxisbeispiele widerlegt: Im Rahmen der Pressekonferenz präsentierten Thomas Gerlach, Konrektor der Singwaldschule Wölfersheim (Haupt- und Realschule mit Förderstufe), Dr. Manuel Lösel, Schulleiter des Landgraf-Ludwig-Gymnasiums Gießen, Reinhard Marquardt, Rektor der Frauenwaldschule Nieder-Mörlen (Grundschule mit Förderstufe), und Volker Wiegand, Schulleiter der Kooperativen Gesamtschule Melsungen, intelligente Konzepte für qualifizierte Vertrungspools, die auf unterschiedlichen Wegen Verlässlichkeit in allen vier Schulformen gewährleisten.
Gemeinsam mit Zubringerschulen hat etwa die Gesamtschule Melsungen ein Netzwerk gegründet, das Vertretungskräften Einsatzmöglichkeiten an mehreren Schulen im Nahbereich anbietet und ein potenziell breites Fächerspektrum abdeckt. Zu einer Informationsveranstaltung Ende Mai kamen 18 Personen, darunter 15 voll ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer mit beiden Examina. Einige hatten eine Elternpause eingelegt und wollten wieder in den Beruf einsteigen, einige im Rahmen von Vertretungsverträgen Erfahrungen gesammelt, andere gerade ohne Anschlussvertrag das Referendariat beendet.
An der Frauenwaldschule in Nieder-Mörlen findet Vertretung am ersten und zweiten Tag in der Regel durch eigene Lehrkräfte im Rahmen von Mehrarbeit statt. Ab dem dritten Tag soll der Fachunterricht aus Qualitätsgründen vornehmlich durch entsprechende Lehrkräfte des Vertretungspools erteilt werden. Zurzeit tragen Fachbereiche und Stufenkonferenzen Vertretungs-Materialien zusammen – von Arbeitsblättern und Kopiervorlagen mit Unterrichtsthemen, über "Lesestunden"-Unterlagen, bis hin zu PC-Selbstlernprogrammen und Filmen auf DVD oder Video.
An der Wölfersheimer Singbergschule wurden Unterrichtsgarantie Plus und Verlässliche Schule vorbereitet mit: einem Elternbrief zum Gewinnen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, kollegialer Absprache unter ständigem Einbezug des Personalrats, Ansprachen im Schulelternbeirat und im Förderverein der Schule, Aktionen der Schulleitung in Wirtschaft und Industrie, im Schulverbund der Nachbarschulen sowie bei Praktikanten der Universitäten.
Am Gießener Landgraf-Ludwigs-Gymnasium findet Vertretung am ersten und zweiten Tag in der Regel durch externe Kräfte statt; ab dem dritten Tag als Fachunterricht durch Mehrarbeit des Lehrerkollegiums. Da ein ständiger Wechsel externer Kräfte aus organisatorischen Gründen wenig sinnvoll erscheint, wurden fünf Vertretungsphasen definiert, in denen qualifizierte Kräfte täglich ab 7.30 Uhr anwesend sind. Bei in den Pool aufgenommenen studentischen Kräften handelt es sich ausnahmslos um bewährte Praktikanten. Diese können an der Schule in den Semesterferien anstehenden wissenschaftlichen Arbeiten nachgehen, um im Vertretungsfall einzuspringen. In den Pool aufgenommen wurden außerdem "Bibliotheksmütter" – durchweg Akademikerinnen – die in größerer Zahl als bisher die Ausleihe organisieren, damit die Betreuung der Bibliothek auch im Vertretungsfall gewährleistet bleibt.
Karin Wolff hob hervor, dass jeweils überwiegend qualifizierte Pädagoginnen und Pädagogen zur kurzfristigen Vertretung eingesetzt werden. "Praktische Probleme werden nicht verschwiegen, sondern gelöst. Das ist ein hervorragender Beitrag zum Versachlichen der Diskussion", lobte sie.
Zugleich machte die Kultusministerin deutlich, dass sie für die Unterrichtsgarantie Plus nicht auf Schüler als Vertretungskräfte setzt: Bereits bei der Anhörung vergangene Woche im Landtag habe sie betont, dass keine derartige Empfehlung in die Handreichungen des Kultusministeriums aufgenommen wird: "Das in Modellprojekten erprobte Konzept steht und muss nicht mehr geändert werden." Klar und im Internet längst publiziert sei ferner die Vergütung der Vertretungskräfte mit 26, 20 oder 15 Euro pro Stunde, je nach Qualifikation. Die entsprechende Rechtsverordnung werde mit Verabschiedung des Gesetzes durch den Landtag in Kraft treten.
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