Kunstförderpreise 2006 - Literatur

Die diesjährigen Bayerischen Kunstförderpreise in der Sparte Literatur stehen fest. Drei Preise mit je 5.000 Euro, einer davon dotiert von der Kester-Haeusler-Stiftung, Fürstenfeldbruck, gehen in diesem Jahr an die Lyrikerin Nora Gomringer, die Autorin Katja Huber und den Dramatiker Nuran Calis.

01.09.2006 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

"Die Texte der diesjährigen Kunstförderpreis-träger thematisieren auf individuelle und intensive Weise die Suche junger Menschen nach ihren Wurzeln, nach Identität und Zugehö-rigkeit. Aus oft überraschenden Blickwinkeln, in sehr unterschiedlichen Tonlagen werden Lebensfragen gestellt, die für die junge Generation typisch sind," sagte Kunstminister Thomas Goppel zu den Vorschlägen der Jury.

Eine Sprachkünstlerin mit Geist und Witz ist die 1980 geborene Lyrikerin Nora Gomringer. Schon im Gedichtband "Silbentrennung" von 2002 präsentierte sich eine selbstbewusste lyrische Stimme, vielseitig begabt, experimentierfreudig und reflektiert. Innerhalb der deutschen Poetry-Slam-Szene, aber auch darüber hinaus hat Nora Gomringer als aktive Literaturvermittlerin und mehrfache Preisträgerin längst einen Namen. In der Sprechtextsammlung "Sag doch mal was zur Nacht" (2006) ist auf einer CD die stimmgewaltige Ausdruckskraft der Autorin zu hören, die sie auf der Bühne schon oft unter Beweis gestellt hat. Der Poetry Slam, den Nora Gomringer repräsentiert, stellt eine in der bayerischen Literaturszene besonders lebendige und produktive Strömung dar.

Die Autorin Katja Huber, Jahrgang 1971, wird für ihren ersten Roman "Fernwärme" (2005) ausgezeichnet. Katja Huber zeigt in diesem Roman ihre Fähigkeit zum vielschichtigen, nuancierten Erzählen. Wie ein Kaleidoskop fächert der Text die Stationen einer Familiengeschichte über mehrere Generationen hinweg auf, die sich zwischen Deutschland und Russland bewegt. Ihre Versiertheit mit dem Metier des Hörspiels bringt Katja Huber in humorvollen, pointierten Dialogszenen zur Geltung.

Nuran David Calis, geboren 1976, hat in der deutschen Theaterszene schon vielfach Beachtung erfahren. Seine Stücke, häufig angesiedelt in Erfahrungsräumen randständiger Jugendkultur, verarbeiten in authen-tischer, zum Teil auch provokativer Weise soziale Realitäten und verweisen auf entstehende Parallelgesellschaften. Die Menschen in Calis´ Stücken "Dogland", "Dog Eat Dog" "Café Europa" und "Schwarz" suchen nach Heimat, Zugehörigkeit und einer lebbaren Zukunft. Calis´ Stücke zeichnen sich durch temporeiche Szenenmontage und eindring-liche Dialogführung aus. Die Grenzen zum Surreal-Traumhaften oder zur Groteske sind häufig fließend.

Der Bayerische Kunstförderpreis soll begabte Nachwuchsautoren und autorinnen auf ihrem eingeschlagenen Weg bestärken und sie zur weiteren schriftstellerischen Entwicklung ermutigen. Die Preisträger müssen durch literarische Veröffentlichungen hervorgetreten sein, in Bayern wohnen und dürfen höchstens 40 Jahre alt sein. Kunstminister Thomas Goppel wird alle Bayerischen Kunstförderpreise, die auch an Künstler in den Sparten Bildende Kunst, Musik und Darstellende Kunst verliehen werden, am 16.11.2006 um 18.00 Uhr im Kaisersaal der Münchener Residenz überreichen.


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