Land organisiert Unterrichtsausfall an Berufsbildenden Schulen

Die Landesregierung Sachsen-Anhalts nimmt an den Berufsbildenden Schulen einen massiven Unterrichtsausfall in Kauf. Mit ihrer fehlenden Reaktion auf die seit Jahren angestaute "defizitäre Unterrichtsversorgung" von offiziell 92,8 Prozent (2003/04) bzw. voraussichtlichen 94 Prozent im laufenden Schuljahr "organisiert das Land gewissermaßen den Unterrichtsausfall zumindest für die nächsten drei Jahre", sagte das im GEW-Landesvorstand zuständige Vorstandsmitglied, Dr. Gabriele Pohl.

08.04.2005 Sachsen-Anhalt Pressemeldung GEW Sachsen-Anhalt

Nach der im Personalentwicklungskonzept des Kultusministeriums für 2005 enthaltenen Zielzahl von 94 Prozent, würden weit mehr als 4000 Unterrichtsstunden den Auszubildenden entzogen. Dabei darf aber kein zusätzlicher Ausfall durch Krankheit und notwendige Fortbildung der Lehrkräfte entstehen. Eine Vertretungsreserve, die zumindest zu 105 Prozent des Unterrichtsvolumens führen müsste, wird schon gar nicht ins Auge gefasst.

Umso unverständlicher ist für die Bildungsgewerkschaft, dass bei der kürzlich erfolgten Ausschreibung von Lehrerstellen nur 15 für Fachpraxislehrkräfte und 25 für Berufstheorielehrkräfte zur Verfügung gestellt werden sollen. Als "geradezu makaber" bezeichnete Pohl die Tatsache, dass die Bewerbung nur auf für zwei Jahre befristete Stellen erfolgen könne. "Warum sollte sich jemand aus einer Berufsgruppe, an der bundesweit Mangel besteht, hier bewerben?", sagte Pohl.

Nach Auffassung der GEW versuche die Landesregierung die Zeit, bis der Geburtenknick auch die Berufsbildenden Schulen erreicht, mit katastrophalen Unterrichtsausfällen auszusitzen. "Die Taktik der Untertunnelung ist keine Lösung, weil sie auf Kosten der Qualität der Ausbildung für unsere Schülerinnen und Schüler geht", appellierte Pohl.

Die GEW befürchtet, dass das Kultusministerium erneut den Druck auf die vorhandenen Lehrkräfte, z.B. durch die Streichung von so genannten Anrechnungsstunden für die Wahrnehmung anderer schulischer Aufgaben, erhöhen wird. Schon jetzt haben jedoch die in den vergangenen Jahren eingeführten zusätzlichen Belastungen zu einem erhöhten Krankenstand geführt. Ganz zu Schweigen davon, dass die zusätzlichen Belastungen für die Selbstmotivation nicht förderlich sind.

Gegenwärtig unterrichten an den öffentlichen Berufsbildenden Schulen ca. 3.000 Lehrerinnen und Lehrer 77.000 Schülerinnen und Schüler.

Ansprechpartner

GEW Sachsen-Anhalt

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