"Massiver Angriff auf pädagogische Arbeit an den Schulen für Praktisch Bildbare und für Körperbehinderte"

"Das dürfen wir uns - gerade auch wegen der Kinder - nicht gefallen lassen", war der Grundtenor einer GEW-Fachtagung für sozialpädagogische Fachkräfte an Schulen für Praktisch Bildbare und Körperbehinderte am vergangenen Samstag. Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Hessen reagierten im Frankfurter Haus Gutleut äußerst empört auf einen Richtlinienentwurf des Kultusministeriums, in dem eine drastische Kürzung der Vor- und Nachbereitungszeit für die pädagogische Arbeit der sozialpädagogischen Fachkräfte aber auch der Zeit für Elterngespräche, Beratung und anderes vorgesehen ist.

26.09.2005 Hessen Pressemeldung GEW Hessen

Neben Fragen der Gestaltung der Arbeit, bei denen es der GEW sehr auf teamorientierte Arbeitsstrukturen zwischen Lehrkräften und sozialpädagogischen Fachkräften ankommt, um die spezifischen Kompetenzen der beiden Professionen in der Schule optimal zur Geltung kommen zu lassen, geht es im Richtlinienentwurf des Ministeriums im Kern um die Frage des Einsatzes der sozialpädagogischen Fachkräfte. Die Zeit der Arbeit mit Kindern soll auf Kosten der Vor- und Nachbereitung dieser Arbeit, sowie auf Kosten anderer wichtiger Tätigkeiten - teilweise um bis zu 7 Zeitstunden pro Woche - verlängert werden.

"Dabei", so Jochen Nagel, Vorsitzender der GEW Hessen, "muss man ganz klar sehen: Mit den geplanten Maßnahmen würden behinderte Kinder, d.h. die Schwächsten der Schwachen in ihren Entwicklungschancen massiv getroffen. Die Qualität der pädagogischen Arbeit an den Schulen für Praktisch Bildbare und für Körperbehinderte wird erheblich leiden, wenn - um mehr Arbeitsstunden mit Kindern zu erwirtschaften - qualifizierte Vor- und Nachbereitung sowie bedeutende andere Aufgaben derart an den Rand gedrängt werden, wie es in dem Entwurf vorgesehen ist."

Als weiteren Punkt fordert die neue Richtlinie eine kleinkarierte Dokumentation aller Tätigkeiten. "Dies ist Ausdruck einer überbordenden Bürokratie deren Erledigung letztendlich weitere Zeit in Anspruch nimmt, die dann für die pädagogischen Aufgaben nicht mehr zur Verfügung steht", erklärt Monika Frobel, Leiterin des Referats Sozialpädagogische Berufe der GEW Hessen.

Für Angela Scheffels, Leiterin des Tarifreferats der GEW Hessen, steht fest, dass bei einer so exakten Dokumentation der Arbeitszeit auch alle anderen arbeitsrechtlichen Regelungen - wie Zuschläge für Nachtarbeit oder Tätigkeiten an Wochenenden, Krankheit während der Ferien, Ermöglichung von Bildungsurlaub usw. - exakt berücksichtigt werden müssen. "Dies wird zusätzlich einen erheblichen Verwaltungsaufwand für die Schulen und die Schulleitungen zur Folge haben. Eine pädagogisch sinnvolle Stundenplangestaltung wird so kaum mehr möglich sein."

In der Versammlung wurde vereinbart, Eltern und Öffentlichkeit verstärkt über diese Planungen zu informieren. Sollte das Ministerium trotz aller qualifizierten Einwendungen bei seiner Absicht bleiben, wollen auch die sozialpädagogischen Fachkräfte mit einer härteren Gangart darauf reagieren. Deshalb haben sie verabredet, sich am Samstag, den 12. November erneut zu treffen, um über weiter gehende gewerkschaftliche Aktionen zu beraten und zu beschließen. "Der breiten Unterstützung des Landesvorstands der GEW Hessen können sich die Kolleginnen und Kollegen dabei sicher sein. Dieser hatte ebenfalls am Samstag einstimmig seine Solidarität und Unterstützung beschlossen", so der GEW Vorsitzende, Jochen Nagel, abschließend.

Anlage

Resolution der GEW-Tagung sozialpädagogischer Fachkräfte am 24. September in Frankfurt (im .pdf-Format).

Ansprechpartner

GEW Hessen

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