Mit Sprach- und Begabtenförderung zur Demokratie erziehen

(bikl) Mit einem Vermögen von derzeit rund 820 Mio. Euro zählt die Gemeinnützige Hertie-Stiftung (GHS) zu den größten deutschen Privatstiftungen. Wie der Vorstandsvorsitzende, Dr. Michael Endres, jetzt mitteilte, wird die Stiftung auch im laufenden Jahr wieder ein Fördervolumen von rund 27 Mio. Euro bereitstellen. In den vergangenen sechs Jahren hat sich in den Förderbereichen Neurowissenschaften, Europäische Integration und Erziehung zur Demokratie das Fördervolumen auf insgesamt 154 Mio. Euro belaufen.

03.04.2006 Artikel
  • © ghst.de

"Unser Konzept einer Reformstiftung ist aufgegangen", so Dr. Michael Endres. "Vieles von dem, was wir in den vergangenen Jahren modellhaft begonnen haben, hat sich in der Praxis bewährt und seinen Weg in die Bundesländer und sogar ins europäische Ausland genommen."

Integration fördern mit intensivem Deutschunterricht und Medienkompetenz

So stand in der Erziehung zur Demokratie neben der Sprachkultur die Sprach- und Begabtenförderung von Zuwandererkindern im Mittelpunkt. Das Projekt Deutsch & PC, das in den ersten Grundschulklassen intensiven Deutschunterricht und Medienkompetenz vermittelt, ist im Jahr 2005 von ursprünglich drei auf nunmehr 59 hessische Grundschulen übertragen worden. Die Stiftung hatte gemeinsam mit dem Hessischen Kultusministerium den Anstoß gegeben. Das Kultusministerium führt nun dieses Modellprojekt in der Fläche ein, die Stiftung wird es im kommenden Jahr auch auf andere Bundesländer übertragen. Rund 300 START-Schülerstipendien für begabte Zuwandererkinder aus 53 Nationen hat die Stiftung mit Hilfe von über 50 Partnern bis heute vergeben können; dem Programm liegt eine in der Stiftungslandschaft einmalige Kooperationsstruktur von Ministerien, Kommunen, Stiftungen, Unternehmen und Privatpersonen zugrunde. Mit ihrem vor fünf Jahren entwickelten Projekt Jugend debattiert wirkt die Stiftung im demokratischen Meinungsbildungsprozess mit. Es ist heute mit über 50.000 Teilnehmern der drittgrößte deutsche Schülerwettbewerb und im vergangenen Jahr von Stiftungen in der Schweiz aufgegriffen worden. Außerdem hat Jugend debattiert seinen Weg nach Polen, Tschechien und ins Baltikum gefunden - in deutscher Sprache. Die Stiftung plant einen erweiterten Hauptschulpreis, der den Schulen auch Hilfestellung bei ihrer Qualifizierung und Vernetzung geben wird und die Auszeichnung pädagogischer Spitzenleistungen sinnvoll ergänzt. Dem Themenfeld Beruf und Familie gibt die Stiftung eine stärker betriebswirtschaftliche Orientierung. Das von ihr finanzierte "Forschungszentrum Familienfreundliche Personalpolitik" an der Universität Münster wird die betriebswirtschaftlichen Effekte familienbewusster Maßnahmen erstmals wissenschaftlich fundiert und nach Branchen und Betriebsgrößen differenziert in Datenbanken transparent machen.

Größte Stiftung in Hessen

In Hessen ist die Hertie-Stiftung die größte Stiftung. Von ihrer Gesamtfördertätigkeit entfällt rund ein Viertel auf dieses Bundesland. Zahlreiche wichtige Pilotprojekte der GHS sind in Hessen begonnen worden und manche konnten auf der Grundlage der hier gemachten Erfahrungen ausgeweitet werden. Insgesamt wurden in den Jahren 2000 bis 2005 Fördermittel in Höhe von annähernd 30 Mio. EUR für Projekte in Hessen vergeben, darunter ist die Wiedererrichtung der im Herbst 2005 eröffneten Alten Stadtbibliothek in Frankfurt am Main mit 4,35 Mio. EUR die größte Einzelförderung. Im Jahr 2005 flossen 5,7 Mio. EUR in hessische Projekte, etwa in das kafka-Projekt, bei dem die Stiftung erstmals Frankfurter Studierenden ermöglichte, ein zweimonatiges qualifiziertes Praktikum in einer ostmitteleuropäischen Partnerstadt zu absolvieren. Oder in die Schülerfahrten in mittel- und osteuropäische Metropolen, ein Wettbewerb mit dem Ziel, an den Schulen Interesse an den östlichen Nachbarn zu wecken. Neu im vergangenen Jahr war auch das Projekt ffm - Förderkurse für Migrantenkinder im Alter zwischen 10 und 16 Jahren, mit dem die Stiftung ihren Projektzyklus für Zuwandererkinder in Frankfurt vervollständigte.

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