Qualitätsoffensive Hauptschule beendet?

"Die Landesregierung betont immer wieder, die Hauptschulen lägen ihr besonders am Herzen. Der VBE würde gerne wissen, ob in dieser Hinsicht inzwischen Herzrhythmusstörungen zu befürchten sind", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW).

18.08.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Die Landesregierung hat die Einrichtung von 50.000 Ganztagsplätzen für Hauptschulen bis zum Jahr 2012 versprochen. 32.000 Plätze sind inzwischen eingerichtet worden. Von den insgesamt 230 Schulen, die sich um eine Umwandlung in Ganztagsschulen beworben hatten, haben bislang 100 den Ganztagsbetrieb aufgenommen. Bei den anderen wurde sowohl seitens der Landesregierung als auch der Regierungsfraktionen die Hoffnung geweckt, dass die übrigen Hauptschulen diese Möglichkeit in absehbarer Zeit auch erhalten würden. Das wäre auch eine logische Konsequenz, weil die Landesregierung bislang die Umwandlung von Hauptschulen in Ganztagsschulen immer als Kernstück der so genannten Qualitätsoffensive herausgestellt hat.

Inzwischen verstärkt sich jedoch der Eindruck, dass die Landesregierung die Schaffung der restlichen versprochenen Ganztagsschulplätze an Hauptschulen auf unbestimmte Zeit verschieben will. Zumindest weist der vorliegende Haushalt 2006 dafür keine Mittel aus. Auch in den Überlegungen für 2007 finden sich keine Anhaltspunkte.

"Sollte die Landesregierung in dieser Frage auf Zeit spielen und die Schulen nur vertrösten, würde sie den erhofften Kredit bei den Hauptschulen verspielen", so Beckmann weiter. "Der VBE fordert deshalb die Landesregierung auf, Farbe zu bekennen und öffentlich zu erklären, wie es in der laufenden Legislaturperiode mit der Qualitätsoffensive weitergehen sol. Die Schulen erwarten hier ein klares Signal."

Am 18. Mai 2006 hat die Fraktion der Grünen eine kleine Anfrage zu den erhofften Effekten der Qualitätsoffensive Hauptschule an die Landesregierung gestellt. Schulministerin Barbara Sommer erklärte in diesem Zusammenhang, die Landesregierung sehe in der Umwandlung von Hauptschulen in Ganztagsschulen ein Mittel zur Stabilisierung der Anmeldezahlen an dieser Schulform. Darüber hinaus sei die für Hauptschulen festgeschriebene Zweizügigkeit für alle jetzt zu Ganztagsschulen umgewandelten Hauptschulen nach Klasse 7 gesichert.

"Man fragt sich, ob die Landesregierung vielleicht erst einmal einige Jahre abwarten will, um dann erneut zu überlegen, ob die von ihr vorgenommenen Investitionen auch die erhoffte Wirkung zeigen", so Beckmann abschließend.

Der VBE hat Schulministerin Barbara Sommer in einem Schreiben vom 28.07.2006 um die Beantwortung der Frage gebeten, wann genau mit den restlichen versprochenen Ganztagsplätzen an Hauptschulen gerechnet werden kann. Die Antwort steht bislang noch aus.


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