Ulrich Mühe: Mehr Engagement für Erziehung
(bikl/ots) - Der Schauspieler Ulrich Mühe fordert ein stärkeres Engagement in der Kindererziehung - sowohl von den Eltern als auch vom Staat.
02.08.2006 Artikel"Mich treibt die große Frage um, wie wir mit der Gewaltneigung von Jugendlichen umgehen sollen", sagt der 53jährige Schauspieler der ZEIT. Die gängigen Methoden - von Konfliktbewältigungskursen bis zu geschlossenen Kinderheimen - "kappen nicht die Wurzeln wiederholt ausgeübter Gewalt", so Mühe. "Wir müssten stattdessen die Eltern viel mehr in die Pflicht nehmen und sie notfalls mit empfindlichen Konsequenzen an ihre erste Zuständigkeit für ihre Kinder erinnern." Dabei sei auch die Mitwirkung des Staates wichtig.
"Nur noch Hauen und Stechen"
Mühe ist dagegen, Kinder am Nachmittag sich selbst zu überlassen: "Ich glaube positive Veränderungen lassen sich in der Ganztagsschule am besten durchsetzen, gerade wenn sich Eltern mit der Fürsorge ihrer Kinder hoffnungslos überfordert fühlen." "Gerade vor dem Hintergrund des gescheiterten Experiments, das ich hinter mir habe, so wie 16 Millionen andere Deutsche, und das darin bestand, uns binnen einer Generation zu grundsätzlich besseren Menschen zu erziehen, bin ich für mehr Staat, so paradox das zunächst klingen mag", erklärt er weiter, Der Appell an die sich selbst regulierenden Kräfte des Marktes oder auch eines traditionellen, mehrere Generationen umfassenden Familiengefüges reiche in einem hoch zivilisierten Konstrukt wie Europa nicht. Wenn sich der Staat zurückziehe, gebe es irgendwann nur noch Hauen und Stechen.
Länder haben Reformen "verschnarcht"
Der Staat dürfe seine Autorität nicht verlieren. "Damit meine ich aber nicht etwa das, was offenbar die Föderalismuskommission unter Autorität verstanden hat. Wie kann die Hoheit über die Dinge, die Schulen unseren Kindern beibringen, nach wie vor bei den Ländern liegen, die es jahrzehntelang verschnarcht haben, die Lehrpläne wirklich zukunftsweisend zu reformieren?", kritisiert Mühe.
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