Weniger Schüler – mehr Geld für Bildung?

(bikl) Im deutschen Bildungssystem werden Gelder in Milliarden-Höhe frei. Bis zum Jahr 2020 entstehe eine "demographische Rendite" in Höhe von 80 Milliarden Euro, berichtet die WELT in ihrer heutigen Ausgabe. Rechne man allgemeine Preis- und Lohnsteigerungen hinzu, dann ergebe sich sogar ein Betrag von annähernd 100 Milliarden Euro.

17.07.2006 Artikel

Der Artikel bezieht sich auf eine Studie der Prognos AG, die von der Robert-Bosch-Stiftung in Auftrag geben wurde und in Zusammenarbeit mit der WELT entstand. Sie trägt den Titel "Demographie als Chance" und wird Anfang kommender Woche veröffentlicht.

Demnach wird die Zahl der Schüler in Deutschland in den kommenden 15 Jahren um mehr als zwei Millionen zurückgehen. Gegenüber dem Jahr 2005 entspreche dies einem Minus von 17 Prozent. Prozentual werden sich die Schülerzahlen am stärksten in Brandenburg (minus 35 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (minus 30 Prozent) und im Saarland (minus 28 Prozent) verringern. Vergleichsweise gering werde der Rückgang nur in Bremen (minus 9,9 Prozent) und Niedersachsen (minus 1,3 Prozent) sein. Selbst in den wirtschaftsstarken Ländern wie Bayern (16,9 Prozent) und Baden-Württemberg (minus 16,8 Prozent) wird die Schülerzahl abnehmen. Lediglich für Hamburg errechnete die Studie eine Steigerung um 3,2 Prozent.

Die daraus resultierende Rechnung ist einfach: Weniger Schüler kosten weniger Geld. So wird beispielsweise Nordrhein-Westfalen laut Studie für das Jahr 2020 rund 3,09 Milliarden Euro sparen. Dahinter folgen Bayern (2,81 Milliarden Euro), Baden-Württemberg (2,12 Milliarden Euro), Hessen (880 Millionen Euro), Sachsen (789 Millionen Euro) und Rheinland Pfalz (782 Millionen Euro). Die kleinsten Renditen erzielen das Saarland (254 Millionen Euro), Niedersachsen (106 Millionen Euro) und Bremen (58 Millionen Euro). Bundesweit – so die Rechnung - steigen die Einsparungen von 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf insgesamt 13 Milliarden Euro im Jahr 2020.

Nach Berechnungen der Prognos AG könnte man mit den kompletten Einsparungen rund 75 Prozent einer umfassenden Bildungsreform finanzieren, wie sie etwa die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) vor einigen Monaten vorschlug, schreibt die WELT. Deren Modell "Bildung neu denken" (bildungsklick.de berichtete darüber) sieht eine qualitativ hochwertige pädagogische Betreuung für die Kinder im Vorschulalter, die Einschulung ab dem vierten Lebensjahr, den Besuch einer sechsjährigen Primarschule und das Abitur mit 17 Jahren. Die Wirtschaftsvereinigung fordert überdies eine permanente Evaluation der Bildungseinrichtungen, die flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen und Förderunterricht für Ausländerkinder. Zudem spricht sie sich für leistungsbezogene Gehälter für Pädagogen aus und für die Abschaffung des Beamtenstatus.

Ob die Länder das Geld jedoch tatsächlich entsprechend nutzen werden ist zweifelhaft, denn schließlich gibt es in den Landeshaushalten viele Haushaltslöcher zu stopfen.

Links

Die Studie im PDF-Format
Der Beitrag in der WELT
Über die Studie "Bildung neu denken"


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