Wie der Schulabschluss auch noch mit 25 klappt
(bikl) Vom ungelernten Hilfsarbeiter zum Studenten der Medieninformatik in gut zwei Jahren: Die ungewöhnliche Karriere von Michael Hunger, 26, aus Großostheim zeigt, was möglich ist, wenn man bereit ist, in seine berufliche Zukunft Zeit, Mühe und Geld zu investieren.
18.09.2006 ArtikelHunger hat sein Abitur per Fernunterricht an der Hamburger Akademie für Fernstudien nachgemacht und im Juni 2006 mit einem Notenschnitt von 2,3 abgeschlossen. Zum Wintersemester 2006/2007 beginnt er sein Studium im Fach Medieninformatik.
Fernabitur im Trend
Wie Hunger entscheiden sich viele junge Menschen dafür, sich durch Fernunterricht auf das Abitur oder einen anderen Schulabschluss vorzubereiten: Insgesamt 34.775 junge Frauen und Männer haben diesen Weg im Jahr 2005 gewählt. Der Schulabschluss ist mit einem Anteil von 41 Prozent der beliebteste Fernlehrgang bei den unter 25-Jährigen. Das Fernabitur ist dem "herkömmlichen" absolut gleichwertig und erlaubt den Besuch jeder Hochschule - oder ist der Schlüssel zur Traum-Ausbildung.
"Das Interesse an unseren Abitur-Lehrgängen steigt von Jahr zu Jahr", berichtet Anno Stockem, Geschäftsführer der Hamburger Akademie für Fernstudien. "Viele Arbeitgeber schätzen Menschen, die auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur gemacht haben, als sehr zielstrebig. Bei Fernabiturienten ist dieser Bonus sogar noch größer, weil sie besonders viel Disziplin und Selbstmanagement bewiesen haben."
Weiterbildung als Chance
Wie viele andere Jugendliche hatte auch Michael Hunger zunächst wenig Lust auf die Schule und verließ das Gymnasium nach der elften Klasse, um ein paar Jahre zu jobben - als Aushilfe in einem Lager. "Das war eine sehr lehrreiche Station: Als Aushilfe ohne Qualifikation in einem Unternehmen - das ist hart", sagt Michael Hunger und zieht die Konsequenz: "Das war die beste Motivation, mich weiterzubilden. Durch das Arbeitsamt bin ich auf die Idee gekommen, das Abi bei einer Fernschule zu machen." Bei seiner Recherche stieß er auf die Hamburger Akademie für Fernstudien.
Qualifikation neben dem Beruf
Gut zwei Jahre braucht Hunger, um den Stoff für die Prüfung durchzuarbeiten - etwa so lang, wie seine ehemaligen Mitschüler in der Oberstufe verbrachten, und deutlich kürzer als viele Besucher von berufsbegleitenden Abendschulen. Er arbeitete während der gesamten Zeit zwei Tage in der Woche in einer Brauerei. Eine Abend- oder Vollzeitschule wäre deshalb für ihn nicht in Frage gekommen, denn dort wäre er an den Rhythmus der anderen gebunden gewesen. "Trotz des Jobs habe ich es geschafft, im Schnitt etwa vier Stunden pro Tag zu lernen - außer am Wochenende", sagt Hunger. Im Juni 2006 hat er gemeinsam mit 98 anderen Fernabiturienten seine Abiturprüfung abgelegt. Nach den vier schriftlichen Klausuren im März standen die vier mündlichen Prüfungen an. Trotz der oft anstrengenden Lernphasen sagt Hunger nicht ohne Stolz: "Die Entscheidung habe ich nie bereut."
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