Wie seriös ist Bayerns PISA-Untersuchung?

Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse der PISA-E-Studie (Ländervergleich) in der kommenden Woche müssen nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Fragen zur Verlässlichkeit und Repräsentativität der Daten geklärt werden. In einem Schreiben an das Bayerische Kultusministerium verweist die bayerische GEW auf Zweifel des Essener Bildungsforschers Klaus Klemm, der die Stichprobenauswahl in Bayern kritisiert.

28.10.2005 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

Die Expertendiskussion, die in der Öffentlichkeit bislang kaum Beachtung fand, dreht sich im Prinzip um die Frage der Verlässlichkeit der bayerischen Untersuchungsdaten, also darum, ob die bayerische Datenauswahl zu "geschönten" PISA-Ergebnissen führen musste oder nicht.

Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern: "Wir haben das Kultusministerium dringend gebeten, zu erklären, ob - und wenn ja in welchem Maße - Stichproben für den PISA-Test in Bayern nicht die tatsächliche Schulsituation im Freistaat widerspiegeln." So ist der Anteil von 1.793 bayerischen Schülern an der bundesweiten Stichprobe mit einer Gesamtgröße von 44.580 extrem niedrig. Das Verhältnis von 66 in Bayern getesteten Schulen zu bundesweit 1.487 ist ebenfalls unterdurchschnittlich. Bayern stellt damit nur 4,02% der Schulen bzw. 4,44% der Schüler im Test.

Die GEW hat dem Kultusministerium einen Fragenkatalog übersandt, der die Verlässlichkeit und Repräsentativität des Stichprobenergebnisses klären soll.

Die Teilnahme am PISA-E-Test ist für Schulen in Bayern freiwillig. Einer gezielten Auswahl und Vorbereitung der getesteten Schülerinnen und Schüler ist damit Tür und Tor geöffnet. Die GEW will daher wissen, in welchen anderen Bundesländern eine ähnliche Regelung gilt. Bereits im PISA-Test 2000 wurde einerseits eine unterdurchschnittliche Repräsentanz von beruflichen Schulen in der bayerischen Auswahl bemängelt, andererseits eine Über-Repräsentanz von beruflichen Schulen mit gehobenen Eingangsvoraussetzungen. Ob beim PISA-Test 2003 eine ähnliche verzerrte Stichprobe gewählt wurde, ist also ebenfalls zu klären.

Schließlich ist von Interesse, ob sich beim jetzigen Test großstädtische Hauptschulen sowie Schüler/-innen von Sonderschulen für Lernbehinderte in der Stichprobe befanden. Oskar Brückner: "Wir wollen die Leistungen der bayerischen Schüler nicht klein reden. Wenn aber - wissentlich oder unwissentlich - methodische Fehler bei der Auswahl der Stichproben begangen wurden, muss das zu einer entsprechenden Bewertung der PISA-E-Ergebnisse führen. Wir wollen mit unserer Fragen vor allem zur Versachlichung der zu erwartenden Diskussionen beitragen."

Ansprechpartner

GEW Bayern

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