Auch Babys brauchen gute Bücher!
Kinder- und Jugendbuch führend bei der Lizenzvergabe deutscher Bücher ins Ausland / nur 0,3 Bilderbücher pro Kind / "Bilderbuch-Notstand gleichbedeutend mit Bildungs-Notstand" / Konzepte frühkindlicher Bildung erforderlich / In nur jeder dritten Familie wird vorgelesen
18.03.2005 Pressemeldung Börsenverein des Deutschen BuchhandelsBabys erforschen ihre Umwelt von Anfang an mit wachem Intellekt und kommunizieren schon lange vor den ersten Worten. Bereits in dieser Lebensphase muss deshalb die Förderung des Lesens beginnen - eine Basiskompetenz, die als Schlüssel für alle weitere Bildung gilt. Dabei sind Bilderbücher unerlässlich. Eltern, Bildungsinstitutionen, Verlage, Buchhandlungen und Bibliotheken sollten das wertvolle Potenzial dieser Buchgattung für die frühkindliche Bildung noch deutlich besser ausschöpfen. So lautet eine zentrale Forderung des "Trendberichtes Kinder- und Jugendbuch 2005", den der Arbeitskreis für Jugendliteratur, die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Stiftung Lesen heute auf einer Pressekonferenz während der Leipziger Buchmesse vorgestellt haben.
"Kinder- und Jugendbücher spielen im deutschen Buchmarkt eine wachsend große Rolle", so Anja zum Hingst, Leiterin Kommunikation im Börsenverein. Dies gelte vor allem für die Lizenzvergabe deutscher Bücher ins Ausland, wo das Segment mit 21,3 Prozent den größten Anteil habe (Belletristik: 14,6 Prozent). Mit einem Anteil von 12,7 Prozent am Gesamtmarkt der Bücher in Deutschland sei das Kinder- und Jugendbuch im Jahre 2004 außerdem wiederholt eine der stärksten Warengruppen gewesen (2003: 14,1 Prozent), wie der gemeinsam mit media control GfK International herausgegebene Branchen-Monitor BUCH nachweise. Ungefähr jeder sechste gekaufte Titel aus diesem Segment sei ein Bilderbuch gewesen.
Laut Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen wurden im Jahre 2004 umgerechnet 1,4 Millionen Bilderbücher an Endkunden verkauft; bei derzeit 4,5 Millionen Kindern im Alter unter sechs Jahren sind das 0,3 Bilderbücher pro Kind. "Das ist viel zu wenig, wenn man bedenkt, welch hohe Bedeutung Bilderbücher für die kindliche Förderung haben: Sie öffnen Kindern die Welt, fördern die Entwicklung ihrer sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und Vorstellungskraft, der ästhetischen Wahrnehmung und des sozialen Lernens. Der Bilderbuch-Notstand ist gleichbedeutend mit dem Bildungs-Notstand", so Klaus Willberg, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft. Dies gelte auch für die Verlage, die vermehrt auf den schlechten Verkauf von Bilderbüchern reagieren, indem sie das klassische Bilderbuchprogramm reduzierten oder ganz aufgäben. "So fallen weit mehr als die Hälfte der Neuerscheinungen im Bereich Bilderbuch im Frühjahr 2005 nicht auf das klassische Bilderbuch, sondern auf die anderen Buch-Varianten wie Mini und Midi, Pappe und Stoff", erläuterte Willberg und forderte eine "Bilderbuch-Offensive", die Eltern, Verlage, Buchhandlungen, Kindergärten und Bibliotheken sowie die Medien gleichermaßen einbeziehe, um die Qualität und die Verbreitung von Bilderbüchern zu verbessern.
"Um das wertvolle Potenzial von Bilderbüchern bestmöglich nutzen zu können, bedarf es eines Konzeptes frühkindlicher Bildung", bekräftigte auch die Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur, Dr. Hannelore Daubert. "Vorläuferkompetenzen des Schreibens und Lesens können und müssen bereits im Kindergarten erworben werden. Dies setzt eine Reform der Erzieher-Ausbildung voraus - mit neuen Ausbildungsinhalten und einer anderen Ausbildungsqualität." Auch die qualitative Buchauswahl spiele eine entscheidende Rolle. Daubert verwies auf den Deutschen Jugendliteraturpreis, der mit der jährlich erscheinenden Nominierungsliste Eltern, Erziehern und anderen Vermittlern eine seriöse und verlässliche Auswahl- und Orientierungshilfe biete, um in der fast unüberschaubaren Flut an Neuerscheinungen die Perlen zu finden. Die Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2005 wurden direkt im Anschluss an die Pressekonferenz präsentiert.
Einen Bedarf an Orientierung sieht Heinrich Kreibich, Geschäftsführer der Stiftung Lesen, insbesondere bei der Auswahl der geeigneten Vorlesebücher. "Eltern halten sich in der Regel an die Bücher, die ihnen selbst als Kinder vorgelesen wurden. Das ist schade: 5000 neu erscheinende Kinder- und Jugendbücher pro Jahr bieten ein großes Potenzial an spannenden Geschichten für jede Altersgruppe." Hier und bei der Bedeutung des Vorlesens für die frühkindliche Bildung überhaupt sieht er großen Vermittlungsbedarf. "Nur in einem Drittel aller Haushalte mit Kindern im 'klassischen Vorlesealter' von 0 bis 10 Jahren wird vorgelesen. Zwei Drittel aller Familien lassen sich damit eine einzigartige Chance entgehen, ihre Kinder fit für die Zukunft zu machen", so Kreibich. Indem Eltern stärker unterstützt und motiviert werden, könne Deutschland diesen Zahlen zum Trotz ein vorlesefreundliches Land werden. "Rund 6.000 ausgebildete Vorlesepaten der Stiftung Lesen tun bereits etwas gegen die Vorlesemisere: Sie halten freiwillig Vorlesestunden in Kindergärten - und engagieren sich damit für den Bildungsstandort Deutschland."
Der Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. (AKJ) ist der 1955 gegründete Dachverband der Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland. Ihm gehören rund 40 Mitgliedsverbände und über 200 Einzelpersonen an; der AKJ wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in dessen Auftrag er jährlich den Deutschen Jugendliteraturpreis verleiht. Seit 2003 entscheidet neben Kritikern eine unabhängige bundesweite Jury aus Jugendlichen über die preiswürdigen Bücher. Zu den zentralen Aufgaben des AKJ zählen die Förderung der Lesekultur in der Kinder- und Jugendbildung und der Kinder- und Jugendliteratur sowie Ausbau und Pflege internationaler Kontakte.
Die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen e.V. (avj) wurde 1950 mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit von Jugendbuchverlagen zur gemeinsamen Förderung der Kinder- und Jugendliteratur zu organisieren und die Interessen ihrer Mitglieder in der Öffentlichkeit und gegenüber Behörden, Institutionen und Verbänden zu vertreten. Derzeit gehören der avj rund 70 Mitgliedsverlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an.
Der 1825 gegründete Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. vertritt die Interessen von insgesamt rund 6500 Verlagen, Buchhandlungen und Zwischenbuchhändlern. Der Verband ist Sprachrohr der Buchbranche und steht Öffentlichkeit und Politik beratend zur Seite. Mit der wirtschaftspolitischen Arbeit für das Buch ist untrennbar ein kultureller Auftrag verbunden: Der Börsenverein engagiert sich für das Kulturgut Buch und das Lesen, für die Meinungsfreiheit und die kulturelle Vielfalt der Gesellschaft. Er veranstaltetet die Frankfurter Buchmesse und verleiht jährlich den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Seit 1959 organisiert der Verband zudem unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten den Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels; mit rund 700.000 Teilnehmern an 8.000 Schulen die größte Leseförderungsinitiative Deutschlands.
Die Stiftung Lesen ist eine Ideenwerkstatt für alle, die Spaß am Lesen vermitteln wollen. Seit 1988 entwickelt sie zahlreiche Projekte, um das Lesen in der Medienkultur zu stärken. Dafür hat die gemeinnützige Organisation viele Medienpartner und Kultursponsoren gewonnen. Traditionell steht die Stiftung Lesen unter der Schirmherrschaft der Bundespräsidenten. Zweck der Stiftung Lesen ist die Förderung von Buch, Zeitschrift und Zeitung in allen Bevölkerungskreisen sowie die Pflege und Erhaltung einer zeitgemäßen Lese- und Sprachkultur, nicht zuletzt in den neuen Medien. Die Stiftung Lesen ist eine operative Stiftung. Neben der Durchführung von Forschungs- und Modellprojekten für Bund und Länder liegt der Schwerpunkt der Arbeit in breitenwirksamen Projekten, vor allem in den Feldern Kindergarten, Schule, Bibliothek, Buchhandlung sowie in den Medien. Dabei ist die Stiftung Lesen Plattform für die Verbindung von Wirtschaftsunternehmen mit modernen Formen der Leseförderung.
Ansprechpartner
Börsenverein des Deutschen BuchhandelsGroßer Hirschgraben 17-21
60311 Frankfurt am Main
Web: http://www.boersenverein.de
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