Bücher für die Bildung
(bikl) Die Diskussion um die Rechtschreibreform, die neue EU-Verordnung über die Ausschreibeverfahren und schließlich die bundesweite Tendenz, Eltern stärker beim Schulbuchkauf in die Pflicht zu nehmen: Das Thema Schulbuch ist in diesem Schuljahr so populär wie kaum zuvor.
26.09.2004 ArtikelMit einer bisher einmaligen Sponsoringaktion brachte der Klett Verlag das Thema Schulbuch in die Medien: "Ranziges raus" heißt die Aktion bei der Schulbücher, die vor 1990 erschienen sind, kostenlos gegen neue eingetauscht werden. Insgesamt 500 neue Klassensätze will der Stuttgarter Verlag stiften. Und so viele könnten es tatsächlich auch werden, denn Ende letzten Jahres noch hatte die Kultusministerkonferenz in ihrem Bildungsbericht moniert, dass die Ausleihzeiten von Lehrwerken im Bundesdurchschnitt bei neun Jahren liegen.
Neue oder überarbeitete Schulbücher wird es in den nächsten Jahren zwangsläufig geben, denn knapp drei Jahre nach den PISA Ergebnissen werden die Lehrpläne in allen Bundesländern erneuert. In Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen geht es bereits in diesem Herbst an die Umsetzung. Die anderen Länder folgen nach und nach. Und das bedeutet für die Verlage, so erklärte der Geschäftsführer des Cornelsen Verlags Wolf-Rüdiger Feldmann jetzt im Börsenblatt, dass sie innerhalb kürzester Zeit große Programmteile renovieren oder neue Lehrwerke erstellen müssten. Im Zuge der Lehrplanveränderungen werde der Schulbuchmarkt bis 2007, so Feldmann, zu mehr als 60 Prozent neu verteilt. "Wir erwarten einen intensiven Verdrängungswettbewerb."
Und der hat bereits begonnen. Zu Beginn des neuen Schuljahres ging nämlich ein neuer Schulbuchverlag an den Start: Duden Paetec. Und das, obwohl der Verband der Schulbuchverlage erst im Frühjahr ein Rekordtief für Schulbuchausgaben errechnet hatte. Der neue Verlag wird ab 2005 Schulbücher auf den Markt bringen, zunächst in den neuen Bundesländern für den Grundschulbereich, später auch für die weiterführenden Schulen und im Westen. Dabei zieht natürlich der Markenname Duden. Außerdem, so erklärte der Geschäftsführer von Duden Paetec, Dr. Gerd-Dietrich Schmidt, müsse einfach mehr Geld in die Schulbuchausstattung fließen, wenn im Bildungssektor mehr erreicht werden soll. Gegenüber bildungsklick.de erklärte er: "Ich sehe ganz deutlich, dass das kommen wird, durch öffentliche Mittel, aber vor allen Dingen dadurch, dass die Eltern immer mehr an den Kosten der Lernmedien beteiligt werden."
Tatsächlich müssen die Eltern zumnehmend für die Schulbücher ihrer Kinder zahlen. Denn die meisten Bundesländer haben erkannt, dass sie viel Geld sparen können, wenn sie die Kosten ganz oder teilweise auf die Eltern abwälzen. Da sind Thüringen und Sachsen in Sachen Lernmittelfreiheit bis heute (noch) die Ausnahmen geblieben. Nachdem in Niedersachsen ab diesem Schuljahr die Lernmittelfreiheit abgeschafft und auf ein kompliziertes Ausleihverfahren umgestellt wurde, hat nun auch die Bayern-CSU angekündigt, die staatliche Finanzierung der Schulbücher ab Schuljahr 2005/06 komplett streichen zu wollen.
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