didacta 2012 - Aktuelle Bildungsthemen aber auch neue "Erkenntnisse" für die Elementarpädagogik in NRW
20.02.2012 Artikel
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Die diesjährige didacta 2012 in Hannover war wieder mal ein Brennspiegel der Bildungspolitik. Neben und hinter der bildungspolitischen Rethorik, den vielfältigen Angeboten der Ausstellenden und dem umfangreichen Fortbildungsprogramm wurden interessante Entwicklungen deutlich, Zusammenhänge erkennbar und mutmachende Tendenzen erkennbar. Viele Anregungen sind für NRW von Bedeutung.
Auch wenn es viele andere Sichtweisen gibt, folgende 6 interessante Aspekte könnten auch für NRW von Bedeutung sein oder werden:
1.Es ist festzustellen, dass die Fachkräfte im Elementarbereich ein "riesengroßes Qualifizierungsinteresse" haben und viel häufiger als dies in der Vergangenheit der Fall war, mit dem gesamten Team teilweise auch an mehreren Tagen die Messe besuchen, um die Fortbildungsangebote zu nutzen und sich aus dem großen Angebot die passenden Anregungen und Materialien herauszufischen.
2.Die bereits im vergangenen Jahr festzustellende Veränderung des Interesses hat sich fortgesetzt und kann jetzt auch erklärt werden! (Jedenfalls habe ich dafür Begründungen gefunden.) Die Beteiligten in Tageseinrichtungen befassen sich zunehmend verstärkt mit dem Selbstverständnis ihrer Arbeit und konzentrieren sich "auf das Wesentliche". Dementsprechend verlieren Sonder-Schwerpunkte an Bedeutung. Mit diesem Selbstbewusstsein wird auch den von außen an Tageseinrichtungen herangetragenen Erwartungen nach Sonderprogrammen und Zusatzförderungen entgegen getreten. Dem auch von Eltern erwarteten und praktizierten Förderwahn wird entgegengetreten und Eltern eher geraten, mit dem Kind nach einem langen KiTa-Besuch und der eigenen Berufstätigkeit zu kuschen anstatt zu meinen, dem Kind weitere Bildungsangebote bieten oder selber noch aktiv werden zu müssen. Diese Tendenz ist auch bei großen Ausstattern erkennbar geworden, die mit ihren Angeboten entsprechend reagieren werden.
Hintergrund für diese Entwicklung ist, dass einerseits durch die Befassung mit Bildungsplänen, Bildungsvereinbarungen o.ä. zunächst eine Konzentration auf die eigenen Wurzeln, eine Verständigung zum eigenen Selbstverständnis verbunden ist und zudem die Kinder unter 3 Jahren dazu auffordern, das Verständnis für die Individualität des einzelnen Kindes neu zu entwickeln. Frau Dr. Preissing berichtete, dass bei der Evaluation zum Berliner Bildungsprogramm der erstgenannte Aspekte bei der Auswertung von rd. 2.000 Interviews erkennbar wurde und geht davon aus, dass dies überall in der Bundesrepublik in vergleichbarer Weise bedingt ist.
3.Einige Aussteller haben sich mit ihren Produkten und ganzheitlichen Angeboten auf die Bedarfslage schon lange eingestellt und sind jetzt "voll im Trend". Im Bereich der Ausstatter, der Betreiber von Tageseinrichtungen, der Verlage und bei Fortbildungseinrichtungen waren entsprechende Ausrichtungen erkennbar, die sich auch in der Art der Präsentation erkennbar machten. Während der Messe wurde erstmals ein Aussteller als bester Messestand in diesem Sinne ausgezeichnet.
4.Im Zusammenhang mit der Notwendigkeit für eine "inklusive Pädagogik" wurde erkennbar, dass sich die Wertschätzung der Andersartigkeit als Gewinn für das Ganze sich nicht nur im pädagogischen Handeln der Erwachsenen mit Kindern, Jugendlichen und anderen Erwachsenen ausdrücken muss. Es ist auch nicht ausreichend, diese Aufgabe als "gesamtgesellschaftliche" Herausforderung anzusehen. Ganz unmittelbar muss sie auch in den Teams der Institutionen nicht nur als Grundhaltung bestehen, in dem alle Mitarbeiterinnen mit dem was sie einbringen können, wertgeschätzt werden, sondern es müssen die Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, dass eine Existenzsicherung gegeben ist. Konkret heißt das u.a.: Die in den Tageseinrichtungen älteren Mitarbeiterinnen (die derzeitige Verrentungsaltersgrenze von 54 Jahren wird sich drastisch verschieben) müssen das Einbringen können, was möglich ist (evtl. nicht mehr auf dem Bauteppich) und benötigen vielleicht Hilfen bei Ausstattungsmaterialien. In den heterogener werdenden Teams stellen damit Fragen in Bezug auf die Wertschätzung für jeden. Aber auch die Arbeitsbedingungen müssen von den Trägern zu gestaltet werden, dass die Existenz gesichert ist. Unangemessen sind z.B. befristete und Teilzeitarbeitsverhältnisse für Berufseinsteigende, die mit einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 26 Wochenstunden und einem Verdienst von 1.300 Euro nicht "über die Runden" kommen können! Insofern: Wenn insofern die Bedingungen für eine inklusive Pädagogik nicht zunächst auch bei in den Institutionen geschaffen werden, kann nicht erwartet werden, dass "Inklusion" zu einem gesellschaftlichen Selbstverständnis wird.
5.Das gab es noch nie: Es ist mehr Geld für Bildung zu erwarten! Der Vertreter der Bundesregierung erklärte bereits am Eröffnungstag, dass sich der Bund, unabhängig von den bestehenden Verantwortlichkeiten für den Bildungsbereich mit 40 % an den Kosten beteiligt, die zum Erreichen des im Jahr 2008 beim Bildungsgipfel vereinbarten Ziel erforderlich ist. Damals war verabredet worden, dass die Bildungsausgaben im Jahr 2015 7 % des BIP (Bruttoinlandsproduktes) ausmachen sollen. Derzeit werden 4,8% bereit gestellt, während in den OECD-Ländern der Durchschnitt bei 5,9 % liegt.
Angesichts der Bildungsgesamtausgaben in Höhe von 106 Mrd. Euro im Jahr 2011 müsste also der Gesamtanteil im Jahr 2015 auf 154,5 Mrd. Euro steigen. Von der Steigerungssumme in Höhe von rd. 48,5 Mrd. Euro übernimmt der Bund dann die 19,5 Mrd. Euro zusätzlich!
Jetzt ist nur noch darauf zu achten, dass auch die Länder und die Kommunen ihren Beitrag leisten, die Mittel bereits im Landeshaushalt 2012 "reserviert" werden und keine "Tricksereien" erfolgen, so wie dies die alte Landesregierung versucht hatte, die auch die Rückstellungen für Lehrergehälter als Bildungsinvestitionen ausweisen wollte.
6.Die übliche Bildungsrethorik ist überflüssig Die übliche Rethorik zur Bedeutung der Bildung im Elementarbereich, die "auch" in den Mittelpunkt gestellt werden müsse, gab es auch. Es wurde auch erkennbar, dass sich die Politik lieber mit Mitteln für die Hochschulförderung "schmückt" und eher weitere "Excellenze-Initiativen" auf den Weg bringen würde. Dem ist die Forderung entgegenzusetzen, die u.a. vehement von Prof. Fthenakis vertreten wurde, dass allen Kindern (überall) die höchste Bildungsqualität zur Verfügung gestellt werden muss.
Weiterführende Links
- Informatitionen des bildungsklicks zur didacta 2012
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